Zürich
«Partyfood» gegen den Hangover
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Das Buch
Tina Loosli: Partyfood. Nachtschatten-Verlag. 15 Franken. Unter www.modern-eating.org kann man das Buch als PDF-Datei gratis runterladen.
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Tina Loosli war Damenschneiderin, sie hat im Kaufleuten gearbeitet und auch mal ein Love-Mobile dekoriert. Seit 2006 absolviert die 36-jährige an der Schule für angewandte Naturheilpraktik in Zürich eine Ausbildung als Vitalstoff-/Ernährungstherapeutin und Naturheilpraktikerin. Mit der Arbeit zum Buch «Partyfood» hat sie just vor einem Jahr begonnen - statt an der Street Parade abzutanzen, haute sie das ganze Partywochenende in die Tasten.
Frau Loosli, eine Naturheilpraktikerin, die über Partyfood schreibt, scheint prima vista ungewöhnlich. Hat das allenfalls mit Vergangenheitsbewältigung zu tun?
(lacht) Jeder Autor schreibt über Dinge, die er erlebt hat, die er gut kennt. Es geht aber um mehr. Wenn man von «Gesundleben» spricht, meinen viele Leute, das habe mit einem streng asketischen Lebenswandel zu tun. Von diesem Bild müssen wir wegkommen. Es gibt Millionen Menschen, die gerne mal Party machen und über die Stränge schlagen, ohne dabei abzustürzen. Menschen zwischen 30 und 40, in guten Positionen, mit einem Flair für Lifestyle. Für sie ist dieses Buch geschrieben.
Der junge Street-Parade-Raver, der Drogen spickt und sich ins Halleluja trinkt, wird durch «Partyfood» also gar nicht bedient?
Doch, meine Empfehlungen richten sich selbstverständlich auch an die Street-Parade-Gänger. Aber mit 20 hat man noch andere Sorgen, da feiert man durch und geht am Montag problemlos wieder arbeiten. Ab 30 funktioniert das jedoch nicht mehr.
Im Buch findet man den Hinweis, dass man LSD nicht auf vollen Magen einnehmen und nach dem LSD-Konsum Dessertquark oder Kartoffelstock essen soll. Das klingt eher nach Anleitung zum optimalen Drogenmissbrauch als nach Prävention.
Es geht mir nicht um die Frage: «Drogen ja oder nein?» Ich will erklären, wie man sich richtig ernährt, wenn man weiss, dass man an einer Party Alkohol und Drogen konsumieren wird - und was man nach dem Drogenkonsum essen und trinken soll, damit man den Hangover und körperliche Folgeschäden vermeiden kann.
Beispielsweise Zitronenwasser trinken, wie Sie als Tipp angeben, weil das den Körper kühlt? Das klingt vermeintlich banal, fast schon nach Grossmutters Küche.
Vieles aus Grossmutters Küche ist tatsächlich schlicht genial, das habe ich in meiner Ausbildung wieder und wieder gelernt. Wenn sich die Bevölkerung überall nach Art der traditionellen Küche ernähren würde, hätten wir niemals die gravierenden Gesundheitsprobleme, mit welchen wir uns heute herumschlagen. Für diese Probleme ist nämlich der Junkfood verantwortlich, nicht alte Rezepte.
Fast monatlich hört man von neuen Drogen, anderen Cocktails, noch wilderen Wirkstoffen, die an den Partys zirkulieren. Nützt die Lektüre des Buches auch bei solch gefährlichen Trendstimulanzen?
Meines Erachtens gibt es Stoffe in der Partyszene, die dort nichts verloren haben. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, nichts über GHB zu schreiben (Anm. d. Red.: Das ist die sogenannte 4-Hydroxybutansäure, die man auch unter dem Begriff «K.-o.-Tropfen» kennt), weil genau dies eine dieser höchst gefährlichen Substanzen ist, mit der niemand umgehen kann. Bei den meisten anderen gängigen Partydrogen aber habe ich aufgezeigt, wie man ihre Folgewirkung durch Kräutermischungen, Tees, Energiedrinks oder durch die richtigen Nahrungsmittel gut abfedern kann.
Abfedern klingt gut, aber viel besser wäre es doch, gerade die gefährlichen Substanzen hätten gar keine Chance, je in Umlauf zu geraten. Oder ist das ein zu naiver Wunsch?
Ich bin genau der gleichen Meinung. Das Problem ist eindeutig ein politisches. Würde man normale Partydrogen wie beispielsweise Ecstasy nicht in die Illegalität verbannen, wo man nicht mehr kontrollieren kann, was da bei der Produktion alles sonst noch hinzugemischt wird, könnte man viele Zwischenfälle verhindern.
Sie plädieren also für einen kontrollierten Ecstasy-Verkauf?
Genau, meiner Meinung nach sollten Klubs die Bewilligung bekommen, saubere Ecstasy-Pillen zu verkaufen, natürlich mit Alterslimite, wie beim Alkohol. Dadurch könnten Drogenfahnder ganz gezielt gegen Produzenten von Substanzen wie GHB vorgehen.
Bis es so weit ist, greift man auf Ihr Buch zurück. Oder noch besser: auf den Gratis-Download davon. Weshalb dieses wirtschaftlich nicht sehr sinnvolle Angebot?
Ich will, dass möglichst viele Partygänger in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland auf einfache Art zum Buch kommen, weil ich weiss, dass «Partyfood» viel Positives bewirken kann. Das ist mir wichtiger als ein volles Konto. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.08.2009, 11:29 Uhr
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