Zürich

Die 10 nervigsten Baustellen

Von Jürg Rohrer. Aktualisiert am 04.08.2009 17 Kommentare

Mit jedem Wehwehchen gehen die Leute zum Arzt. Aber wehe, die Strasse hat ein Leiden und braucht eine Baustelle. Dann flippen die Zürcher aus.

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Brandaktuell: Gleiserneuerungen am Stadelhoferplatz.
Bild: Dominique Meienberg

   

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  • 1. Die grösste ist die Stadt: «Zürich ist eine einzige Baustelle», spricht der Volksmund unentwegt und empört. Ganz falsch ist das nicht, müssen doch jedes Jahr im Strassennetz, das 740 Kilometer misst, etwa 16 Kilometer Strasse erneuert werden. 45 Jahre beträgt die mittlere Lebensdauer einer Stadtstrasse. Würde weniger gefahren und wären die Autos leichter, hielten die Strassen länger. Insofern darf man im Porsche Cayenne nicht über Baustellen fluchen.

Blockierte ÖV's

  • 2.Von allen 1001 Baustellen, die Zürich schon zum Toben gebracht haben, ist der Stadelhoferplatz derzeit der nervigste. Während fünf Wochen keinen Tramverkehr auf dem Platz, Auswirkungen bis zum Bellevue und ins Seefeld, verschobene Haltestellen, Ersatzbusse, Absperrungen, Engpässe. Da jeder Zürcher ein Tramexperte ist, weiss auch jeder, dass die Gleise noch ewig gehalten hätten – zumindest so lange, bis man selber nicht mehr über den Stadelhoferplatz muss.

  • 3.Was den Zugpendlern von der Goldküste der Stadelhoferplatz, ist den Autopendlern aus dem Limmattal die Pfingstweidstrasse: die absolute Zumutung. Würden die Automobilisten gemeinsam singen, tönte es so: «Im Frühstau zum Städtle wir kriechen fallera!» Aber man singt halt heute nicht mehr, sondern lässt die Bässe das Autodach ausbeulen. Der Ärger über diese Baustelle wird verdoppelt, weil gleichzeitig die benachbarte Hardbrücke saniert wird. «Diese Deppen von der Stadt denken für keinen Fünfer!», lautet der Tenor im Stau. Bloss – das Tiefbauamt wollte ja schon viel früher anfangen, wurde aber von Rekursen daran gehindert. Linke und Quartierbewohner können die Hardbrücke wegen ihres vielen Verkehrs nicht ausstehen, und sie wollen schon gar keine sanierte Brücke für die nächsten 50 Jahre.

Chaos schon vor Baubeginn

  • 4.Was der Stadelhoferplatz heute ist, war letztes Jahr die Quaibrücke: der Massenärger, zorniges Tagesgespräch. Chaos meldeten die Gratismedien schon vor Baubeginn, und die gestauten Automobilistinnen und Autofahrer wussten sich wieder bestätigt: Die Baustelle ist ein Instrument der rot-grünen Verkehrsbehinderung. Wer leitet das Tiefbauamt? Ruth Genner. Voilà, eine Grüne! Denn jeder Autofahrer ist ein Strassenkenner, weshalb auch jeder weiss, dass die Quaibrücke noch ewig gehalten hätte – zumindest bis man selber nicht mehr über die Quaibrücke fahren will.

  • 5.Ein Spitzenrang in der Baustellen-Hitparade gebührt auch dem Bahnhofplatz. Zentraler kann man in Zürich nicht baggern, Spundwände versenken und den Trambetrieb stören. Entsprechend gross waren 2004 die Befürchtungen wegen dieser Blockbuster-Baustelle. Selbst baufreundliche Stadtbewohner sahen ein Chaos voraus, die Gewerbler ihren Ruin und die Übersensiblen den Weltuntergang. Dieser ist zwar nicht eingetreten, aber seither wird umso heftiger befürchtet, dass sich jemand an der sanierten Haltestelle das Bein bricht beim Sturz von der erhöhten Haltekante.

Ehrgeizige Zeitpläne

  • 6.Sehr zentral und sehr einschneidend waren 2006 die Sanierungen der Walche- und der Gessnerbrücke, Operationen am offenen Verkehrsherz sozusagen. Möglichst kurz musste die Störung sein, weshalb es einen überaus ehrgeizigen Zeitplan gab. Um ihn nicht durch schlechtes Wetter zu gefährden, wurde eine Fahrbahn sogar überdeckt. Die frühere Autopartei hätte sich von solchen Bemühungen allerdings nicht beeindrucken lassen. Sie hatte ja einst eine dritte Autobahnspur von Zürich nach Bern gefordert – in Rekordzeit gebaut von koreanischen Bautrupps.

  • 7.Grösste Befürchtungen löste 2002 die Sanierung des Schaffhauserplatzes aus. Das Tiefbauamt fand damals zu der Hochform, die es bis heute gehalten hat, indem fast rund um die Uhr und rund um die Baustelle informiert wird. Höhepunkt der Bauerei war ein Wochenende mit 24-Stunden-Betrieb auf der Baustelle und im Café Gnädinger, wo es zur Verbrüderung von Bauarbeitern und Quartierbewohnern kam – ein eigentliches Baustellenhappening. Kaum je konnten Poliere ihren verschwitzten Charme erfolgreicher ausleben. Ob auch Kinder gezeugt wurden, ist nicht bekannt.

Politische Schlacht am Limmatquai

  • 8.Die zeitlich längste Baustelle der Stadt war das Limmatquai. Im wahrsten Sinne eine Jahrzehnte-Baustelle, wurde doch in den 90er-Jahren die ganze Meile in Etappen saniert. Der Ärger auf bürgerlicher Seite war umso grösser, als sie die politische Schlacht ums Limmatquai verloren hatte: Zweimal stimmte Zürich klar für die Verkehrsberuhigung und für die Vertreibung des Durchgangsverkehr aus der Mitte der Altstadt.

  • 9.Ganz fiese Baustellen sind jene in den Quartierstrassen. Sie ärgern die Direktbetroffenen über alle Massen, doch sind sie nicht Stadtgespräch und erlauben kein gemeinsames Klagen mit fremden Leuten. Den Albisriedern ist die Sanierung von Hutten-, Vogelsang- und Culmannstrasse in Oberstrass schnurzegal, während die Obersträssler um die Freuden des Abendspazierganges gebracht werden und nicht verstehen, warum das bisschen Röhren- und Randsteinverlegen sooo lange dauern muss.

  • 10.Noch fieser als die Baustelle Quartierstrasse ist die Baustelle im Nachbar- oder gar im eigenen Haus. Punkt 7 oder halb 8 geht es los, dumpf und brutal: bum, bum, bum! Nur interessiert das ausser Haus niemanden – mit der allerschlimmsten Baustelle ist man völlig allein.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.08.2009, 20:29 Uhr

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17 Kommentare

David Rüegg

04.08.2009, 12:50 Uhr
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@ Herr Graf - So erstaunlich ist das nicht; in der Schweiz sind die Witterungseinflüsse überdurchschnittlich hoch (Temperaturschwankungen), bis vor kuzem ging ausserdem der ganze Transit mitten durch die Stadt (Lastwagen = sehr hohe Belastung für Strassen). Im Ausland sind Strassen zudem auch oft breiter angelgt, das bedeutet mehr Platz für allfällige Baustellen und in der folge höheres Bautempo. Antworten


bruno ott

04.08.2009, 11:09 Uhr
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@ E. Bürgin: Ein Blick aus meinem Fenster strafen solche Aussagen lügen. Ich lade Sie ein, bei mir aus der Ämtlerstrasse zu sehen. Eine lange Schlange der autofahrenden Mehrheit und vereinzelt einige Velofahrer die sich mühevoll ihren Weg durch diese Blechlawine suchen. Für Ihre weitere Aussage haben Sie natürlich in den EU Ländern Beweise gesucht und gefunden? Oder ist es warme Luft ausm Auspuff Antworten



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