Zürich

Die zehn eindrücklichsten Brunnen

Von Daniel Zumoberhaus. Aktualisiert am 28.08.2009 1 Kommentar

Zürich ist mit seinen 1224 Wasserspendern eine der weltweit brunnenreichsten Städte.

1/6 alfred escher.jpg
Der Vorzeigebrunnen: Der Alfred-Escher-Brunnen am Bahnhofplatz.

   
Der Wasserspender an der Stüssihofstatt.

Der Wasserspender an der Stüssihofstatt. (Bild: Sophie Stieger)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Aufsteigt der Strahl und fallend giesst Er voll der Marmorschale Rund, Die, sich verschleiernd, überfliesst In einer zweiten Schale Grund; Die zweite gibt, sie wird zu reich, Der dritten wallend ihre Flut, Und jede nimmt und gibt zugleich Und strömt und ruht.

So beschreibt Conrad Ferdinand Meyer einen Brunnen in seinem Gedicht «Der römische Brunnen». Schöner kann man die Faszination eines Brunnens nicht in Worte fassen. In Zürich prägen die zahlreichen Brunnen in verschiedensten Formen das Stadtbild. Stadtrat Andres Türler (FDP) hat kürzlich Brunnen im Kreis 1 vorgestellt. Die Wasserversorgung hat dazu einen Führer publiziert, weitere zu anderen Stadtkreisen werden folgen. Hier eine persönliche Top-10-Liste.

1.Der Alfred-Escher-Brunnen am Bahnhofplatz ist ein Vorzeigebrunnen. Keine Fotoserie ohne Escher, den Schöpfer der Gotthardbahn und Begründer der ETH, der 1882 verstorben ist. Zwei Jahre später war der Aufruf für ein Alfred-Escher-Denkmal in der NZZ erschienen (dessen Verfasser vermutlich Gottfried Keller war). Mit der Ausführung wurde der Solothurner Richard Kissling beauftragt. Kissling verband das neue Monument mit einem bereits auf dem Bahnhofplatz sprudelnden Springbrunnen: Alfred Escher in seinem Gehrock wirkt erhaben; unter ihm halten zwei nackte Knaben wasserspeiende Drachen an Ketten.

2.Ein besonders schönes Exemplar ist auch der Brunnen an der Stüssihofstatt im Niederdorf. Der Bannerträger oben auf der Säule verewigt in typischer Renaissance-Manier den Zürcher Bürgermeister Rudolf Stüssi, der 1443 in der Schlacht bei St. Jakob an der Sihl fiel. Der vermutlich 1575 errichtete Stüssibrunnen nimmt unter den zahlreichen alten Brunnen eine Sonderstellung ein.

3.Ebenfalls ein Prachtsexemplar von einem Brunnen ist derjenige am Stadelhoferplatz, der 1869 in Betrieb genommen wurde. In den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts wurde im Gebiet des heutigen Stadelhoferplatzes die alte Hafenanlage zugeschüttet. Zur gleichen Zeit begannen die Stadtväter, eine Wasserversorgung für die ganze Stadt zu erstellen und den Bau von öffentlichen Brunnen zu fördern. Ihren besonderen Reiz entfaltet diese Fontäne im Winter, wenn die Wasserströme zu Eisgebilden erstarren.

4.Die Brunnenskulptur «Musik in Stein» steht in Wollishofen. Sie wurde 1969 erstellt und ist dem Komponisten Othmar Schoeck gewidmet. Die Schweizerische Gesellschaft der Urheber und Verleger (Suisa) hat ihn bei der Eröffnungsfeier ihres Neubaus der Öffentlichkeit geschenkt. 1943 hatte Schoeck den ersten Zürcher Musikpreis gewonnen. Die abstrakte Komposition aus Stein nähert sich dem Element Wasser auf spielerisch-musikalische Weise. Dieses verspielte Element verleiht dem Brunnen seinen Reiz.

5.Der Brunnen an der Strasse nach Uitikon-Waldegg in Albisrieden aus Muschelsandstein stammt aus dem Jahre 1778. Er ist ein leise vor sich hin plätschernder und typischer Zeitzeuge mit zwei Trögen, einem grossen Haupt- und einem kleineren Abflussbecken, wie er auch in anderen Aussenquartieren der Stadt zu sehen ist. Das macht ihn so besonders. Im alten Dorfkern gelegen, war er früher wichtige Tränke für Tiere. Noch heute lässt es sich manches Vieh nicht nehmen, vor oder nach der Wahl zur Miss Albisrieden sich mit einem Schluck aus der Tränke zu stärken.

6.Am Goldbrunnenplatz, könnte man meinen, müsste ein wirklich schönes goldenes Exemplar stehen. Doch steht dort ein sehr einfach gehaltener Brunnen mit einem grossen runden Becken. Trotzdem ist er an diesem Verkehrsknotenpunkt von Bedeutung für die Erfrischung der Fahrgäste, die vom Bus aufs Tram umsteigen.

7.Der Schalenbrunnen an der Ecke Rämi-/Waldmannstrasse steht in einer kleinen Anlage, wo einst ein Kartoffelmarkt abgehalten wurde. Der Innerschweizer Eduard Zimmermann hat den Brunnen mit zwei Frauenfiguren bestückt. Der zu Beginn zweistufige Brunnen musste vor Jahren auf eine Stufe reduziert werden, weil man sich bei starkem Wind dem Brunnen kaum nähern konnte, ohne nass zu werden. Die klassische Form des Schaubrunnens ist mehr zum Betrachten bestimmt, als dass sie sich zum Trinken eignet.

8.Der bronzene Notwasserbrunnen, 1973 entworfen vom Innenarchitekten Alf Aebersold, ist von grosser Bedeutung. 80 solcher Notwasserbrunnen gibt es in der Stadt. Sie werden über ein separates Quellwassernetz von 150 km Länge gespeist. Das Wasser stammt zum grössten Teil aus Quellfassungen, die teilweise bereits im 15. Jahrhundert in den Hügeln rund um Zürich erstellt wurden.

9.Beim Brunnen im Lindenhof startete auch die Tour mit Stadtrat Andres Türler. Auf dem Brunnen thront das Standbild einer schlanken, mittelalterlichen geharnischten Bürgerin, der «Tapferen Zürcherin von 1292». Sie trägt stolz das Stadtbanner und fordert ihre Mitbürgerinnen zum Kampf um die Vaterstadt auf. Einst soll gar ein Löwe auf der Brunnensäule gestanden haben. Es war lange Zeit nicht ganz einfach, das Wasser von der Schipfe aus hinauf auf den Lindenhof zu pumpen.

10.Mein persönlicher namenloser Lieblingsbrunnen steht beim Schlagbaum im Altstetter Wald im Kreis 9. Er ist sehr schlicht gehalten und aus einem einzigen Stamm gebaut. Nach ein paar Runden auf der Finnenbahn im Wald weiter oben ist ein Schluck frisches Wasser aus dieser Trinkstätte ein durch nichts zu ersetzender Genuss – selbst durch edlen Wein und prickelnden Champagner nicht zu übertreffen. Und nicht zuletzt erinnert er an Brunnen, wie wir sie beim Wandern antreffen.

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2009, 20:10 Uhr

1

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

1 Kommentar

Andreas Keller

28.08.2009, 14:20 Uhr
Melden

Das alles entscheindende Kriterium für einen guten Brunnen ist, dass eine Röhre vorhanden ist ab welcher eine Trinkflasche aufgefüllt werden kann. Der Rest ist Geschmacksache. Planer und Architekten, bitte baut nicht noch mehr Trinkwasser-direkt-in-den-Abfluss-Brunnen! Antworten



Zürich

Lokalverzeichnis

Werbung

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?




Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.