Luftige Erfindung aus dem Zürcher Oberland

Das wohl kleinste elektrische Segelflugzeug der Welt kommt aus Wald. Und so funktionierts.

Minisegler: Der Archaeopteryx mit seinem Piloten Roger Ruppert bei einer Vorführung in Hinwil.
Video: Urs Jaudas

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Es ist ein seltsames Flugzeug, das da gestern inmitten eines Möwenschwarms über dem Modellflugplatz Hinwil seine Kreise zog. Viel zu klein und geradezu absurd langsam für einen richtigen Segelflieger, aber deutlich zu gross für ein Modellflugzeug. Bei zwei Buben aus der Nachbarschaft sorgte das Fluggerät für Verwirrung. «Häää, wer steuert den?», fragte der eine. Auf die Auskunft, da sitze ein Pilot drin, blieb den beiden einen Moment lang der Mund offen stehen: «Was? Da drin? Der ist doch viel zu klein!»

Tatsächlich: Der Archaeopteryx ist wohl das kleinste Segelflugzeug der Welt. Als die erste Version im Jahr 2010 in Produktion ging, machte es in Aviatikkreisen Furore. Denn der Archaeopteryx lässt sich von jedem Hügel aus zu Fuss starten. Man stülpt sich ganz einfach den 60 Kilo schweren Flieger bis zu den Hüften über den Kopf, hängt sich im Cockpit ein und läuft los. Der Haken daran: Im Flachland waren Archaeopteryx-Piloten bisher auf eine Seilwinde angewiesen. Das ist seit gestern vorbei. Denn der neueste Mini-Segelflieger hat einen Elektromotor. Gestern haben ihn seine Erbauer in Hinwil getauft.

Zwischen Gleitschirm, Delta und Segelflugzeug

Hinter dem Archaeopteryx steckt eine flugbegeisterte Familie aus Wald: Ernst Ruppert, sein Sohn Roger und dessen Frau Cornelia. Sie haben den Minisegler in ihrer Kleinfirma in Wald entwickelt. «Wir wollten die Vorteile von Segelflugzeug, Gleitschirm und Deltasegler vereinen», sagt Cornelia Ruppert, Pilotin, Fluglehrerin und Pressesprecherin. Ein Traum, dessen Realisation Jahre dauerte. Schon in den 70er-Jahren versuchte sich Ernst Ruppert an einer ersten Version, doch damals waren genügend leichte und stabile Bauteile noch gar nicht herstellbar. Sohn Roger arbeitete dann nach dem Studium erst mal in der Entwicklung von Bertrand Piccards Solar Impulse mit. «Doch irgendwann fragten wir uns, warum wir an einem fremden Traum bauten, wenn wir doch einen eigenen hatten», erzählt Cornelia Ruppert.

Dem Traum vom Fliegen wie ein Vogel kommt der Archaeopteryx tatsächlich sehr nahe. Die Möwen über Hinwil jedenfalls scheinen ihn als einen der ihren anzusehen. Bis zu 600 Kilometer kann damit am Stück fliegen, wer jedes bisschen Thermik auszunutzen versteht. Mit dem Elektromotörchen könnten es sogar noch ein bisschen mehr werden, weit reicht der Antrieb allerdings nicht aus. Im Segeln reichen die Batterien rund eine Stunde, bei voller Leistung gut zehn Minuten. Doch für weite Strecken ist der Motor ohnehin nicht gedacht, sagt Ruppert: «Er soll nur den unabhängigen Start in jedem Gelände ermöglichen und als kleines Backup dienen, wenn es nötig ist.»

Inzwischen hat der Archaeopteryx eine kleine Fangemeinde. Siebzehn Stück hat die Firma Ruppert Composite bislang gebaut, auf die nächsten zwei Jahre hinaus sind die Auftragsbücher voll. Wobei: Mehr als vier Stück pro Jahr kann der kleine Betrieb gar nicht herstellen. 1300 Stunden Arbeit stecken in einem einzigen Miniflieger. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Stolze 100'000 Franken kostet der Traum vom Fliegen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.09.2016, 12:56 Uhr

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