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«Der Hunger nach mehr Hallen-Präsenz ist wieder zurück»

Felix Coray lässt sich diese Saison auf ein besonderes Abenteuer ein. Neben dem Frauen-Unihockey-Nationalteam coacht der 48-Jährige auch die Churer Männer.

Mit Felix Coray sprachJean-Pierre Costa

Felix Coray, wie geht es Ihnen?

Es geht so. Ich habe eine sehr strenge Zeit hinter mir. In den letzten drei Monaten war ich zusammengerechnet kaum eine Woche bei mir zu Hause in Kloten. Das zehrt natürlich an den Kräften.

Hat das mit Ihrem neuen Engagement in der Swiss Mobiliar League bei Chur Unihockey zu tun?

Nur bedingt. Meine definitive Zusage habe ich den Churern ja erst vor knapp zehn Tagen gegeben. Ich bin zu 30 Prozent beim Unihockey- und zu 40 Prozent beim Eishockeyverband angestellt. So war ich als Ausbildner bei einigen Unihockey-Trainerlehrgängen engagiert. Zusätzlich beanspruchten auch etliche Sommer-Camps des Eishockey-Nachwuchses meine Zeit. Diese fanden in Huttwil, Davos und Bellinzona statt.

Also sind Sie kurz vor dem Saisonstart bereits kraftlos?

Nein, kaputt bin ich deswegen noch nicht. Ich muss aber zugeben, es waren zuletzt extrem viele Termine, die ich alle unter einen Hut bringen musste.

Und dann kam neben Ihrer Anstellung als Nationaltrainer der Unihockey-Frauen-Nationalmannschaft noch die Anfrage, beim Männer-Team von Chur Erfolgscoach Peter Düggeli kurzfristig zu ersetzen. Haben Sie sich dieses Engagement gut überlegt?

Beim ersten Kontakt mit den Bündnern habe ich eine klare Absage erteilt. Danach habe ich mir das Ganze nochmals überlegt. Zuletzt haben wir uns gefunden. Vor allem auch, weil der Unihockeyverband seine Einwilligung für eine befristete Anstellung gab.

Ihr Vertrag in Chur ist auf ein Jahr beschränkt ...

... ein Jahr mit Option, um genau zu sein. 2011 steht bei den Frauen die Heim-WM in St. Gallen an. Mit dem Heimvorteil ist einiges möglich. Auch das hat eben seinen Anreiz.

Lassen sich die beiden Jobs überhaupt miteinander vereinbaren?

Das wird sich weisen, doch ich glaube schon. Mit meinem Betreuerstab ist vieles bereits geregelt. Allerdings werde ich viel weniger Zeit aufwenden können, Spiele der höchsten Frauenliga zu besuchen. Bisher waren es rund 30 Partien pro Saison, in diesem Jahr werden es wohl lediglich 15 werden.

Dafür stehen Sie selber bei bedeutend mehr an der Bande.

Das macht auch den Reiz der neuen Anstellung aus. Mit der Frauen-Nationalmannschaft waren es jährlich an die 8 Länderspiele, in WM-Jahren gegen 13. Nun werden es über 30 Partien sein. Das ist Gelegenheit und Chance, mich auch im Coaching und in der Teamführung weiterzuentwickeln. Ich freue mich, wieder zurück im Tages-Business zu sein.

Das hatten Sie aber auch bis 2004, als Sie Trainer des Männerteams der Kloten-Bülach Jets waren. Was hat sich seither geändert?

Der Hunger nach mehr Hallen-Präsenz ist wieder zurück. Es ist der Reiz, wieder praxisbezogener arbeiten zu können. Für mich ist es einfach eine grosse Herausforderung.

Persönlich wird es aber für Sie einige Veränderungen geben.

Das ist wohl unvermeidlich. Allein schon die Distanz zu meinem Wohnort Kloten wird wesentlich grösser. Ich werde in Chur deshalb zusätzlich eine 1-Zimmer-Wohnung beziehen und dort pro Woche drei- bis viermal übernachten. Weil ich mich aber hauptberuflich im Raum Zürich bewege, werde ich mein Hauptdomizil in Kloten behalten.

Das zieht einige Umstellungen nach sich?

Darauf stelle ich mich auch ein, nicht nur was das Logistische betrifft. Ich werde in Chur auf andere Charaktere treffen als in Zürich, mich also auch mit der eigenwilligen Bündner Mentalität auseinandersetzen müssen. Letztlich kehre ich aber zu meinen Wurzeln zurück. Coray ist ja bekanntlich ein Bündner Geschlecht. Kloten bleibt aber mein Hauptwohnort. Es ist wenig realistisch, dass ich wegen meines Engagements bei den Churern den Bündner Dialekt annehmen werde.

Chur gilt, was Unihockey betrifft, als schwieriges Pflaster und äusserst kritisch.

Das dürfte stimmen. Allerdings habe ich, was diese Haltung angeht, bisher nur positive Erfahrungen machen können. Die Ausgangslage rund um den Verein lässt sich ohnehin nicht mehr mit jenen Zeiten vergleichen, als Serienmeister Rotweiss Chur in der Schweiz das Mass aller Dinge war und zusammen mit Torpedo die Unihockey-Hochburg schlechthin darstellte. Das heutige Team setzt sich aus jungen Spielern zusammen. Und auch bei den Ausländern mit vier Finnen sehe ich kaum Probleme – Letztere gelten eh als traditionell ruhig.

Haben Sie trotzdem Zweifel vor der neuen Aufgabe?

Nein, weder Zweifel noch Angst. Ich bin bereits 25 Jahre im Unihockey tätig und habe über 1000 Spiele als Coach hinter mir. Für mich ist es einfach eine neue Herausforderung, die ich mit dem nötigen Respekt angehe. Ich muss mich an die neue Aufgabe herantasten. Schliesslich habe ich nach meiner Rückkehr zur Frauen-Nationalmannschaft die Männerliga aus den Augen verloren. Doch das wird sich bald ändern.

Sie blicken also optimistisch in Ihre persönliche Zukunft?

Ich muss die Mannschaft noch besser kennen lernen. In nur drei Wochen bis zum Meisterschaftsstart ist dies nicht einfach. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend. Peter Düggeli hat mir ein funktionierendes Team übergeben, das Sommertraining war ebenfalls gut. Ich freue mich auf die neue Aufgabe und glaube auch, die hohen Erwartungen erfüllen zu können.

Erstellt: 07.09.2010, 22:10 Uhr

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