Von David Vonplon, Bern
Von David Vonplon, Bern
Postfinance verzeichnete in den letzten Jahren einen rasanten Kundengeld-Zufluss: Mittlerweile verwaltet der gelbe Riese ein Vermögen von 80 Milliarden Franken und ist grösster Zahlungsanbieter der Schweiz. Das schafft Begehrlichkeiten – schon letztes Jahr entschied der Konzern, vorerst zehn Poststellen um Beratungszonen für Finanzprodukte zu erweitern.
Vor allem in den regionalen Zentren will die Post mit den neuen Beratungszentren präsent sein. Ab Herbst 2011 werden die ersten drei neuen Filialen in Horgen, Martigny und Köniz eröffnet. Im darauffolgenden Jahr sollen weitere sieben dazukommen. Bewähren sich die Standorte, will die Post bis 2014 weitere zwanzig solcher Poststellen aufbauen.
Gestern stellte der Konzern erstmals einen solchen Prototyp vor. Die klassische Poststelle ist kaum wiederzuerkennen: Hell und offen ist der Raum, der Austausch viel direkter. Keine dicke Scheibe trennt den Kunden mehr vom Schalterangestellten. Und ein Dutzend Bildschirme berieseln mit Werbung. Weiterhin nicht verzichten will die Post indes auf ihren Gemischtwarenladen: Trottinetts, Bücher, Lose und Süssigkeiten stehen auch künftig im Regal. Schliesslich spült dieser jährlich eine halbe Milliarde Franken in die Kasse. Neues Herzstück der Filiale jedoch ist die Beratungszone von Postfinance. An einer Kurzberatungstheke werden die Kunden in Empfang genommen. Anschliessend werden sie in abgeschlossenen Räumen individuell beraten, etwa über den Abschluss einer Hypothek oder die Eröffnung eines Kontos. Unproblematisch ist dieser Umbau laut Economiesuisse nicht: Ob Postfinance dem Mutterhaus für die Nutzung des teilweise monopolisierten Poststellennetzes genug bezahlt, bezweifelt der Wirtschaftsdachverband. Er vermutet, Postfinance erhalte das Vertriebsnetz zu günstig, wie die «Handelszeitung» berichtete. Post-Chef Jürg Bucher widerspricht: «Postfinance bezahlt ihre Vollkosten ans Poststellennetz, jedes Jahr im Umfang von mehreren Hundert Millionen Franken.» Dies werde auch von einer Revisionsfirma kontrolliert.
Post-Chef Jürg Bucher (rechts) zeigt in Köniz, wie der neue Typ der Postfilialen aussehen wird. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)
Erstellt: 30.09.2010, 23:00 Uhr


