Zürich
Andelfinger Fischzucht muss schliessen - damit Fische im Bach genug Wasser haben
Von René Donzé. Aktualisiert am 10.04.2010
Andelfingen - Das Ende kam nicht ganz unerwartet. Seit 1977 betreibt Thedy Waser eine idyllisch gelegene Fischzucht im Töbeli des Mühlbaches am Dorfeingang von Andelfingen. Es ist eine imposante Anlage mit grossen Betonbecken, in welchen Hunderte von Fischen schwimmen. Rund 20 Tonnen Forellen landen von dort aus in den Läden und umliegenden Lokalen. Er gehört damit zu den grössten Fischzüchtern im Kanton. Seit acht Jahren verpachtet er die Anlage an Ueli Schneider. Waser betreibt noch einen Fischladen und eine kleine Zucht in der Nähe.
Die grosse Anlage erhält ihr Frischwasser aus dem Mülibach. 1000 Liter fliessen pro Minute durch die Becken, damit es die Forellen schön kühl haben, sie genügend Sauerstoff erhalten und die Fäkalien weggeschwemmt werden. Dies seien gut 800 Liter zu viel, befand das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) schon vor ein paar Jahren, als es um die Verlängerung der Wasserkonzession ging. Gemäss dem Gewässerschutzgesetz von 1991 darf einem Bach nämlich höchstens 20 Prozent des Wassers entnommen werden, das er bei Trockenheit führt. Das Gesetz war vom Volk 1992 gutgeheissen worden und legt Restwassermengen in Fliessgewässern fest. Bei Trockenheit fliessen im Mülibach nur gerade rund 1000 Liter pro Minute. Ausgetrocknet sei das Bächlein aber nie, versichert Waser: «Wegen unserer Zucht ist kein Fisch im Bach gestorben.»
Das Awel hatte ihm die Konzession bis Ende 2010 verlängert, weil dann der Pachtvertrag mit Schneider ausläuft. Ein zweites Mal will das Amt, das zur Baudirektion von Markus Kägi (SVP) gehört, nicht nachgeben: «Eine neue Konzession darf nur erteilt werden, wenn die Auflagen des Gewässerschutzes vollumfänglich erfüllt sind», sagt Christoph Noll von der Abteilung Wasserbau. Das Gesetz gewähre keinen Spielraum. Entschädigungen gebe es keine.
Thedy Waser sieht keine andere Lösung, als den Betrieb und den Laden zu schliessen, wie er einen Bericht der «Andelfinger Zeitung» bestätigt. «Es ist schwer verständlich, weshalb wegen 100 Meter Wildbach ein Betrieb geopfert wird», sagt er. Doch mit knapp 200 Litern Wasser pro Minute lasse sich keine Forellenzucht betreiben: Er hätte eine komplett neue Anlage mit teurer Technik erstellen müssen. Nun baut er anstelle seiner Fischzucht ein Mehrfamilienhaus direkt am Mülibach, der dann wieder kräftiger rauschen wird. Ein Mitarbeiter der Andelfinger Fischzucht platziert Forellen in ein neues Becken um. Foto: Sophie Stieger (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.04.2010, 02:01 Uhr
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