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Behörden leisten sich Ökostrom

Aktualisiert am 24.01.2012

Von der Atomenergie wegzukommen, ist im Trend: Ab 2012 beziehen viele Gemeindehäuser, Werkhöfe und Schulen im Unterland nur noch grünen Strom. Private tun sich schwerer mit dem teureren Ökostrom.

Von Céline Trachsel

110 000 Franken teurer wird die Stromrechnung der Stadt Bülach, wenn sich der Gemeinderat dafür entscheidet, dass die städtischen Liegenschaften nur noch Ökostrom beziehen sollen. Das sind Mehrkosten von fast 15 Prozent. Ein grosser Batzen – die durchschnittliche Jahresrechnung für den normalen Strommix aus Schweizer Atom- und Wasserkraft betrug bisher jährlich 790 000 Franken.

Dem Stadtrat ist die Umstellung auf erneuerbare Energie in den Verwaltungsbüros, dem Werkhof, den Schulhäusern und Kindergärten sowie für die Strassenlaternen allerdings das Geld wert: Der Wechsel geschehe zum Wohle einer nachhaltigen Entwicklung und sei damit ohnehin ein Legislaturziel gewesen. So begründet der Rat den Schritt. «Als langjährige erfolgreich zertifizierte Energiestadt kommt Bülach schliesslich eine besondere Vorbildwirkung zu», schreibt der Stadtrat im Antrag an den Gemeinderat.

Aus Überzeugung gehandelt

Wie die Entscheidungsträger in Bülach denken viele in der Region: Regensdorf prüft derzeit, wie viel der Atomausstieg kostet, in Kloten sind die jährlichen Mehrkosten von 60 000 Franken bereits im Budget 2012 vorgesehen. Der Gemeinderat von Eglisau will das Anliegen noch in dieser Legislaturperiode angehen. Auch Dielsdorfs Lichter und Computer auf der Gemeindeverwaltung laufen seit dem neuen Jahr ausschliesslich mit Strom aus den Wasserkraftwerken der Schweiz. Dies schlägt mit gut 3000 Franken zusätzlich zur Stromrechnung von jährlich durchschnittlich 120 000 Franken zu Buche.

«Wir wechseln aus Überzeugung zu erneuerbaren Energien», sagt Dielsdorfs Gemeindeschreiber Marco Renggli. «Damit wollen wir den Unternehmern und Privaten ein Vorbild sein und hoffen, dass sie es uns gleichtun.»

Mit bevorstehenden Wahlen kann in diesem Jahr nicht begründet werden, dass Politiker auf die Abkehr vom Atomstrom drängen – wohl eher mit dem Fukushima-Effekt. «Das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit ist in den Köpfen seit der Atomkatastrophe in Japan wieder sehr aktuell», sagt Marco Renggli. Er ist überzeugt: Die Politiker wollen ihre Verantwortung gegenüber der Umwelt wieder mehr wahrnehmen. Auch Gemeindeschreiber Martin Hermann aus Eglisau schliesst sich dem an. «Das Bewusstsein ist stark gewachsen. Unter anderem auch deshalb, weil auf Bundesebene eine Trendwende stattgefunden hat.»

Private zögern

Anders sieht es bei den privaten Verbrauchern aus: Die Licht- und Kraftwerke Glattfelden haben die Einwohner nach den Ereignissen in Japan darauf aufmerksam gemacht, dass sie auch erneuerbaren Ökostrom bestellen können. «Ein paar wenige Einwohner haben in den darauffolgenden Wochen den teureren Strom bestellt, aber das wars dann», sagt Leiter Matthias Gut. «Wir können als Elektrizitätswerk nicht von uns aus umstellen und den Kunden zu Ökostrom zwingen.»

«Wir wollen Unternehmern und Privaten ein Vorbild sein und hoffen, dass sie es uns gleichtun.»

Marco Renggli, Gemeindeschreiber Dielsdorf

Erstellt: 24.01.2012, 06:34 Uhr

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