Zürich
«Der Wolf ist zwar tot, das Feindbild aber bleibt»
Wolfsjagd im Wallis Der Wolf wurde erschossen – sein Weibchen ist vorerst sicher, TA vom 12. August
Wolf künftig ausschaffen.
Nun hat sich der böse Wolf ins Wallis eingeschlichen und sich nicht als Veganer aufgeführt. Jetzt ist er tot, und die unbewachten Kühe etc. können wieder im Herbst fachgerecht geschlachtet werden. Mein Vorschlag: den nächsten Wolf betäuben, mit einem Chip versehen und dorthin ausschaffen, wo er hergekommen ist. Ein Rückführungsabkommen mit den umliegenden Alpenländern wäre sicher schnell abgeschlossen.
Martin Arpagaus, Zürich
Subventionierte Schafhaltung.
Der Walliser Wolf ist tot, umgebracht von gewissenlosen Subventionsjägern, die uns Steuerzahlern weismachen wollen, wie wichtig die Schafhaltung für unsere (hoch subventionierte) Landwirtschaft ist. In der Schweiz werden jährlich ca. 250 000 Schafe auf Alpweiden gesömmert. Davon verenden 8000 bis 12 000 durch Unfälle, Krankheiten oder Abstürze. Zum Abschuss freigegeben wird ein Wolf, wenn er in einem Monat mindestens 25 Schafe reisst oder innert vier Monaten 35. In den vergangenen zehn Jahren haben die Kantone zwölfmal einen Wolf zum Abschuss freigegeben. Die grosse Mehrheit der Abschüsse bewilligte der Kanton Wallis. Der Bund gibt jährlich 43 Millionen für die Schafhaltung ohne Behirtung aus. Die teure Schafwolle lässt sich in der Schweiz nicht verkaufen und wird mit weiteren Hunderttausenden von Steuerfranken subventioniert. Schafe sind ein ernsthaftes Problem für die Alpökologie, sie fressen Gräser und Kräuter bis auf die Wurzeln ab – artenreiche Alpweiden verkümmern innert kürzester Zeit zu eintönigen Grünflächen, die Erosion nimmt zu. Schafe verdrängen die Gämsen in die Wälder, starker Verbiss an den Jungbäumen ist die Folge. Umdenken ist angesagt, liebe Walliser Subventionsjäger. Bis dieses einsetzt und Früchte trägt, werde ich auf Wanderferien im Wallis und auf Walliser Weine gerne verzichten. Ich rufe umweltbewusste Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, es mir gleichzutun.
André Wullschleger, Zürich
«Üsserschwiizer» dürfen zahlen.
Nun wird sich Waidmann Karl Lüönd freuen und mit ihm viele Walliser Bauern und Jäger: Der Wolf ist tot.Er liegt, um TA-Journalist Paul Imhof zu zitieren, «am Boden, abgeknallt, wie ein räudiger Hund». Ein trauriges Bild, fürwahr. Aber wir sind ja froh, dass der Wolf jetzt die Schulkinder nicht mehr fressen kann. Und auch die Rinder und Schafe nicht, die ja auch ein Recht auf Leben haben – der Unterschied ist übrigens der, dass es sich bei der einen Spezies um ein Wildtier handelt, das sich gerade seinen angestammten und verlorenen Lebensraum zurückerobert, und bei den andern um domestizierte Arten, die von uns Menschen und zu unserem Nutzen in diesen Lebensraum gebracht wurden. Dass damit der Graben zwischen Stadt und Land wieder etwas breiter klafft, wie Paul Imhof schreibt, ist wohl wahr. Wir bleiben «Üsserschwiizer» (was für eine arrogante Bezeichnung), «die den Berglern nicht dreinzureden haben». Wobei das ungute Gefühl wächst, dass auch Imhofs nächste Feststellung wahr ist: «Der Landmann will von der Natur den Nutzen und vom Städter das Geld.» Bezahlen nämlich dürfen die «Üsserschwiizer» trotzdem: aus den Steuern die Verlustschäden an Schafen und Rindern und als Feriengäste die touristische Infrastruktur und die «Natur» mit ihren weidenden Rinder- und Schafherden. Ich werde erst wieder im Wallis Ferien machen, wenn die Walliser sich solidarisch zeigen und zusammen mit den «Ebenfalls-Schweizern» im Bündnerland Ausbildung und Einsatz von Herdenschutzhunden mittragen. Und den obersten Wildhüter der Schweiz, der (als Walliser) diese Abschusserlaubnis gegeben hat, möchte ich daran erinnern, dass Paul Imhof auch mit dem abschliessenden Satz seines Artikels recht behalten wird: «Der Wolf wird weiterhin kommen. In Italien gibt es noch genügend Jungwölfe, die ein Revier suchen müssen.» Der Wolf ist zwar tot – das Feindbild aber, das er für viele Menschen darstellt, bleibt.
Annemarie Schmidt-Pfister, Küsnacht
Relativ kleiner Schaden.
Zuerst auf dem Titelblatt jeder anständigen Zeitung die toten Rinder, nun der abgeschossene Wolf. Darf ich darum bitten, im Tagi von jetzt an auch von jedem Nutztier, das unbeaufsichtigt auf einer Alp über eine Felswand abgestürzt oder vom Blitz erschlagen worden ist, auch eine so umfassende Berichterstattung mit einem Foto des gestorbenen Tieres auf der Titelseite zu bringen? Es würde den Schaden, den der Wolf unter den Rindviechern im Wallis angestellt hat (und anstellen würde), ziemlich relativieren – zumal der Bund (und damit wir alle) Raubtierrisse finanziell entschädigt.
Thomas Forster, Rorbas
Rückkehr in die intakte Natur.
Wir Steuerzahler subventionieren die Bauern in den sogenannten Bergkantonen, und dies reichlich. Es gibt Direktzahlungen für die Tierhaltung unter erschwerten Verhältnissen, für Massnahmen zur Förderung der Schafzucht und Direktzahlungen für die Alpsömmerung von Schafen. Wo bleibt aber der Nutzen dieser Subventionen? Dass mit der Sömmerung von Nutztieren die Form der Alpenlandschaft – so, wie wir sie gerne sehen – erhalten wird, ist nur teilweise richtig. Unbehirtete Schafherden dringen in Gebiete vor, welche für Rinder unerreichbar sind, und zerstören somit die artenreichen Alpweiden in wenigen Jahren zu normalen Grünflächen. Dadurch nimmt die Erosion stark zu. Gleichzeitig verdrängen die Schafe die Wildtiere in die Wälder zurück, was ein Verbiss der Jungbäume zur Folge hat. Zudem übertragen die Schafe auch noch tödliche Krankheiten auf die Wildtiere, was zu einer Dezimierung des Bestandes führt. Die Problematik als solche wurde schon lange erkannt, und so subventioniert der Bund auch an diesem Punkt. Wir subventionieren Massnahmen gegen die negativen Folgen der Subventionen: Es fliesst mehr Geld in Alpbetriebe, die ihre Schafe ständig «behirten» lassen, und für sogenannte Umtriebsweiden – Alpen, wo die Tiere auf eingezäunten Weiden gehalten und von Koppel zu Koppel getrieben werden. Es wird also reichlich bezahlt, und die Natur dankt es. Die Rückkehr der Grossraubtiere weist auf eine intakte Natur hin und macht den Kampf eines jahrelangen Umweltschutzes bezahlt. Die Subventionsjäger unter den Bauern greifen nun jedoch zur Flinte und fordern den Abschuss der Grossraubtiere, und dies mit Erfolg.
Pascal Frei, Gansingen
Ein Gewehr hilft nur kurzfristig.
Im Zoo Zürich konnten meine Schulklassen und ich schon oft die Wölfe innerhalb ihres begrenzten Lebensraumes bewundern. Es sind Botschafter für ihre Artgenossen im natürlichen Lebensraum. Für meine Ohren tönt es wunderbar, dass bei uns in der Schweiz endlich wieder Wildtiere heimisch werden, die wir lange nur im Zoo sehen konnten. Es ist viel Wissen über das Verhalten der Wölfe sowie den Einsatz von Herdenschutzhunden vorhanden. Warum wird dieses Wissen in der Schweiz nicht in die Praxis umgesetzt? Es muss ein Versuch wert sein, denn der Wolf fühlt sich wohl bei uns. Die Flinte löst Probleme nur kurzfristig. Ich bin überzeugt, dass eine Mehrheit der Menschen in der Schweiz ein längerfristiges Denken bevorzugt.
Stephanie Raschle, Maur
Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein ddddddddd ddddddd ddddd dddddd
Der Wolf, der am Mittwochmorgen erlegt worden ist. Foto: Staatskanzlei Wallis (Keystone)
Erstellt: 12.08.2010, 19:10 Uhr
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!


