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Die Internetdealer

Von Georg Gindely. Aktualisiert am 01.06.2010

Geiz ist geil? Zusammen geizig sein ist geiler: Auf Deindeal.ch verkaufen Amir Suissa und Adrian Locher stark vergünstigte Gutscheine für Lifestyleangebote. Die Bons sind nur gültig, wenn genügend Leute mitmachen.

Eine Hot-Chocolate-Massage für 110 statt 220 Franken. Maniküre und Pediküre für 75 statt 150 Franken. Blumen für 30 statt 60 Franken. Auf Deindeal.ch finden Zürcher Schnäppchenjäger stark herabgesetzte Gutscheine für Lifestyleangebote. Heute zum Beispiel können sie einen Bon für ein Dinner im Restaurant Hermanseck beim Bahnhof Wiedikon kaufen, für 25 statt 50 Franken - «Rabatt 50 Prozent». So steht es in grossen Lettern auf der Internetsite von Amir Suissa, Adrian Locher und ihrem Team. Die Jungunternehmer haben ihre Site Ende März aufgeschaltet und seither 26 Deals angeboten.

Die Idee hinter Deindeal.ch stammt aus Amerika. Groupon (eine Wortkombination aus Group und Coupon) wurde dort im November 2008 lanciert und ist derart erfolgreich, dass findige Jungunternehmer das Konzept in unzähligen Ländern kopiert haben. Suissa und Locher sind die Ersten, die den Groupon in der Schweiz eingeführt haben. Die Idee: Dienstleister können mit den Gutscheinen Neukunden anlocken. Damit sie so viele wie möglich erreichen, kommt der Deal aber nur dann zustande, wenn eine bestimmte Anzahl der Gutscheine verkauft wird. Beim Hermanseck zum Beispiel müssen innert zwei Tagen mindestens 20 User mitmachen, sonst verfällt das Angebot. Die Kunden ihrerseits profitieren von Rabatten. Und Deindeal.ch bekommt eine Provision vom Anbieter, meist um die 40 Prozent vom Umsatz, der über Deindeal.ch generiert wird. «Letztlich profitieren alle Beteiligten», sagt Locher.

Im Februar haben er und sein Geschäftspartner Suissa die Firma gegründet, einen Monat später gingen sie online. Zuerst haben sie Deindeal.ch auf Zürich beschränkt, nun wollen sie nach St. Gallen, Winterthur, Luzern, Basel, Bern, Lausanne und Genf expandieren. Das Jungunternehmen hat bereits über zehn Mitarbeiter.

«Wir haben Erfahrung mit Start-ups», sagen Locher und Suissa. Der 28-jährige Locher hat bereits fünf Firmen mitgegründet, darunter eine Werbeagentur in Berlin. Suissa, heute 38, hat mit 22 Jahren sein erstes Unternehmen ins Leben gerufen, das Leasingverträge für Autos vermittelte. Später hat er mit Swissinvest.com das erste Finanzportal der Schweiz mitinitiiert.

Im Moment stehen sie in Verhandlungen mit einem Investor, der das zum Ausbau benötigte Geld einschiessen will. Aber ist es nicht billig, eine funktionierende Geschäftsidee zu kopieren? «Die Idee an sich ist noch nicht viel wert, wichtig ist die Umsetzung», sagt Locher. Vor allem achten sie bei ihren Angeboten auf die Qualität, auf «gute Brands», wie das in der Sprache der Jungunternehmer heisst. Wer die Anforderungen nicht erfüllt, wird abgewiesen. «Das sind weit über 50 Prozent», sagt Suissa. Gerade in Zürich sei es wichtig, exklusive Angebote aufzuschalten. Und: Zürcherinnen und Zürcher schätzen teure Angebote mit Rabatt. «Gutscheine für 10 statt 20 Franken laufen nicht gut», hat Suissa festgestellt.

Konkurrenz aus Deutschland

Bis jetzt klicken täglich mehrere Tausend Menschen auf die Site, Tendenz steigend. Die Idee funktioniert auch in Zürich so gut, dass mit Citydeal seit zwei Wochen ein zweiter Anbieter auf dem Schweizer Markt mitmischt. Citydeal ist seit Anfang Jahr in deutschen Städten aktiv und geht auf Expansionskurs. In ihrem Rücken wissen die Deutschen die Amerikaner von Groupon: Diese haben Citydeal vor wenigen Tagen aufgekauft, Insidern zufolge für einen dreistelligen Millionenbetrag.

Hoffen auch Locher und Suissa, ihr Jungunternehmen bald vergolden zu können? «Wir sind nicht mit dieser Absicht an den Start gegangen», sagt Locher. «Aber wenn uns jemand kaufen möchte - warum nicht?» Die Jungunternehmer Amir Suissa (l.) und Adrian Locher. Foto: Doris Fanconi (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.06.2010, 02:04 Uhr

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