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Die Operation am Herzen von Wädenswil soll sanft ausfallen

Aktualisiert am 07.02.2012

Die Gerbestrasse bleibt auch in Zukunft beschaulich. So sieht es die Zentrumsplanung der Stadt vor. Sie lässt nur punktuelle Verdichtungen zu. Grösster Wurf wäre ein Coop-Neubau.

Von Daniela Haag

Wädenswil – Die Stadt Wädenswil hat gestern über die Erkenntnisse informiert, die sie aus der Zentrumsplanung gezogen hat. Es geht bei dieser Planung um die Frage, in welchem Ausmass sich das Stadtzentrum an der Gerbestrasse/Friedbergstrasse sowie rund um den Coop und die Poststrasse entwickeln soll. Die Antwort: Es kann zwar gebaut werden, verändern wird sich im Zentrum aber nicht viel.

Die Gerbestrasse, die mit ihren historischen Gebäuden und den Freiräumen einen dörflichen Charme versprüht, soll ihre Identität beibehalten. Eine bauliche Verdichtung ist einzig entlang der Seestrasse zulässig. Das baufällige Haus zum Zyt vis-à-vis des Bahnhofs kann durch ein längliches Gebäude ersetzt werden. Dabei entstehen ein eigentlicher Gerbeplatz sowie ein räumlich gefasster Bahnhofplatz. Eine Verdichtung würde die Stadt zudem beim Plätzli zulassen, dort, wo jetzt noch Marroni-Toni jeden Winter seinen Stand betreibt.

Auf der anderen Seite der Zugerstrasse hingegen ist eine Erneuerung nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht. Wenn Coop seine Verkaufsfläche vergrössern will, muss der Detaillist einen Neubau tiefer legen als das heutige Gebäude. So würde verhindert, dass der neue Baukörper das Ortszentrum dominiert. Ein älteres Wohn- und Geschäftsgebäude an der Zugerstrasse müsste allerdings weichen. Dafür könnte der Coop-Eingang grosszügig gestaltet und ins Gelände hineingebaut werden. Dies, um den Eindruck zu vermeiden, man kaufe im Untergeschoss ein.

Möglich sind gemäss Zentrumsplanung auch weitere Verkaufsgeschäfte im Coop-Gebäude, sowohl im ersten Stock als auch entlang der Poststrasse. Parkieren sollen die Kunden künftig unterirdisch in einem neuen Parkhaus.

Auch Denkmalpfleger dabei

Die Ergebnisse der Zentrumsplanung sind in einem Prozess mit mehreren Architekturteams, dem Kantonsplaner, Denkmalpflegern, Grundeigentümern und Vertretern der Stadt entstanden. «Es war eine Laborsituation», sagt Ortsplaner Daniel Christoffel. «Wir wollten austesten, was möglich ist.» Es sei kein Wettbewerb mit einem Sieger gewesen. Man habe sich zum Ziel gesetzt, das Beste von jedem Beteiligten mitzunehmen.

Das Ergebnis bringt der Ortsplaner folgendermassen auf den Punkt: «Man wollte eine Vision entwickeln. Es zeigte sich, dass diese nicht so gross ist, wie die einen erhofft und die anderen vielleicht befürchtet haben.» Die an der Zentrumsplanung Beteiligten hätten sich für einen Konsens nicht zusammenraufen müssen. Es habe sich gezeigt, dass man mit weitergehenden Massnahmen an Qualität und Identität eingebüsst hätte. Es könne gebaut werden, die Frage sei aber, in welchem Ausmass.

Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) fand den Prozess zwar intensiv, aber das habe sich gelohnt. «Wir sind einen Schritt weiter.» Nun wisse man, welches Ausmass an Verdichtung das Zentrum ertrage. Und man wisse, wie die Bedürfnisse von Coop mit einer städtebaulich befriedigenden Lösung vereinbar seien. Dass Instanzen wie die Denkmalpflege oder das kantonale Amt für Raumentwicklung mitgewirkt hätten, sei von grossem Wert. «Damit steigen die Chancen auf eine tragfähige Lösung», sagt Stadtpräsident Kutter.

Coop hält sich bedeckt

Wie die Ideen in der Bevölkerung ankommen, wird sich spätestens Anfang Mai zeigen. Am Freitag und Samstag, 4. und 5. Mai, wird die Stadt die Ergebnisse der Zentrumsplanung in einer Ausstellung präsentieren und einen Dialog mit der Bevölkerung eröffnen.

Gespannt sein darf man darauf, wie Coop nun weiter verfährt. Der Grossverteiler teilte gestern einzig mit, er wolle in Wädenswil bleiben. Weitere Informationen stellte er für den Sommer in Aussicht.

Interessant wäre auch die Reaktion des Wädenswiler Architekten Heinrich Th. Uster, der an der Zentrumsplanung beteiligt war. Ein Bauprojekt seines Architekturbüros an der Gerbestrasse ist sistiert. Er wollte sich gestern aber nicht äussern.

Das weisse Haus zum Zyt (rechts) darf ersetzt und vergrössert werden. Der Bahnhofplatz würde dadurch räumlich abgegrenzt. Foto: Sabine Rock

Erstellt: 07.02.2012, 06:30 Uhr

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