Zürich
Die Opfer leiden, die Schläger zeigen keine Reue
Von Stefan Hohler. Aktualisiert am 12.03.2010
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
München - Sie haben noch kein Wort der Reue oder der Anteilnahme zu ihren Opfern gesagt, die im Gerichtssaal mit ihnen sitzen. Nur die Eltern von Mike B. haben dem von ihnen schwer verletzten Versicherungskaufmann einen Brief geschrieben, wie die Sprecherin des Landgerichts München, Margarete Nötzel, gestern sagte.
Die drei Angeklagten schweigen vor Gericht beharrlich. Auch am dritten Prozesstag. Die von der Verteidigung gewählte Strategie ist nicht geeignet, Sympathien für die drei Angeklagten zu wecken. Ob sie strafmildernd wirkt, ist fraglich. Der Gerichtsvorsitzende erklärte den angeklagten Küsnachter Jugendlichen gestern, Schweigen sei zwar ihr gutes Recht, aber im Fall einer Verurteilung dürften sie - ohne Geständnis und Entschuldigung - nicht auf Strafmilderung hoffen.
Gar keine Aussagen zu machen, sei bei Jugendstrafverfahren sehr ungewöhnlich, hielt die Gerichtssprecherin fest. Was die Verteidigung mit ihrer Strategie bezwecke, könne sie nicht sagen.
Gesundheit schwer geschädigt
Die Verletzungen des Versicherungskaufmanns, den die Küsnachter Jugendlichen attackiert hatten, sind laut Nötzel weit gravierender als bisher bekannt. Der Familienvater leide massiv unter den Folgen der Prügelattacke und sei seit neun Monaten krankgeschrieben. Ob der 47-Jährige je wieder normal arbeiten könne, sei fraglich. Er müsse um den Verlust seines Arbeitsplatzes fürchten, sagte Nötzel. Nach der Attacke konnte der Mann wochenlang keine feste Nahrung zu sich nehmen und leide jetzt noch unter Seh-, Sprech- und Hörstörungen, sein Erinnerungsvermögen sei beeinträchtigt. Die Ärzte hätten sein Gesicht «wie ein zerbrochenes Glasgefäss zusammenflicken müssen». Weitere Operationen und eine zweimonatige Rehabilitation stünden erst noch bevor.
Keine Erinnerung an die Täter
Als der Kaufmann die Attacke vor Gericht schilderte, waren die Anwesenden laut Nötzel so betroffen, «dass man eine Stecknadel hätte fallen hören». Trotz seiner schweren Verletzungen habe er sachlich ausgesagt, man habe keine Aggression gespürt, sagte Nötzel weiter. Er habe sich aufs Sprechen konzentrieren müssen, da sein Kiefer noch nicht richtig wiederhergestellt sei. Die Aussage sei ihm nicht leicht gefallen. Der Mann habe nicht sagen können, von wem er geschlagen worden sei. Nach dem ersten Schlag habe er das Bewusstsein verloren und sei erst im Spital wieder aufgewacht.
Gemäss TA-Recherchen schlug ihm Mike B. ohne Vorwarnung und ohne Grund mit der Faust voll ins Gesicht. Das Opfer stürzte zu Boden, worauf Benji D. mit dem Fuss in sein Gesicht trat - und Mike B. ihm zwei weitere Fusstritte an den Kopf versetzte. Als zwei Passanten auf den Angriff aufmerksam wurden, flüchteten die Schläger.
Schwere Angstzustände
Auch das zweite Hauptopfer, ein arbeitsloser Mazedonier, leidet noch immer unter den Folgen der Attacke. Der Mann machte am Dienstag seine Aussage vor Gericht. Er ist laut Nötzel körperlich zwar genesen, hat seit dem Zwischenfall aber Angstzustände, getraut sich nachts nicht mehr auf die Strasse und ist in psychologischer Behandlung. Auch beim Angriff gegen den behinderten Mann, er hat eine sogenannte klumpsche Lähmung, ging die Initiative von Mike B. aus. Er schlug dem auf einer Bank sitzenden Mann mit der Faust mit voller Wucht ins Gesicht, worauf der Mann nach hinten fiel. Dann trat Ivan Z. mit dem Fuss gegen den über die Bank hängenden Kopf des Opfers.
Gestern informierte das Gericht zum letzten Mal die Medien. Heute werden die Mitschüler aussagen. Danach wird der Prozess bis Ende März unterbrochen. Die Urteilsverkündigung ist auf den 7. April geplant. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.03.2010, 12:06 Uhr
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!


