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Drei Wochen sind für viele eine zu kurze Pause zwischen Mittelschule und Universitätsstudium

Aktualisiert am 06.09.2010

Die Zahl der Maturanden, die nach dem Gymnasium eine Auszeit nehmen, wird grösser. Doch das dürfte sich bald wieder ändern.

Von Simona Triet

Drei Wochen zwischen Matur und Studienbeginn seien schlicht zu kurz, sagt Livia Breitenstein. Sie hat soeben an der Kantonsschule Küsnacht abgeschlossen. Die 19-jährige Erlenbacherin möchte vor dem Studium einen dreimonatigen Sprachaufenthalt in der Trenddestination Australien absolvieren. Das Problem dabei: Sie weiss nicht, wie sie die verbleibende Zeit ihres Zwischenjahrs gestaltet.

Seit Ende August sind die erfolgreichen Maturanden am See vom harten Schulleben erlöst. Sie haben den Abschluss geschafft. Was kommt danach? Wie Breitenstein wechseln immer mehr Gymnasiumsabgänger nach dem Schulabschluss erst nach einem Unterbruch an die Universität. Diesen Trend bestätigt Peter Ritzmann, Rektor der Kantonsschule Küsnacht. Er nennt den Grund dafür: Bis 2002 dauerten das Kurzzeitgymnasium viereinhalb und das Langzeitgymnasium sechseinhalb Jahre, folglich fiel das Ende des Schuljahrs auf den Januar. Da die Hochschulen ihre Pforten im Herbst öffnen, haben die angehenden Studenten ein halbes Jahr Zeit gehabt, um die Rekrutenschule zu absolvieren, erste Arbeitserfahrungen zu sammeln oder zu reisen.

Vor acht Jahren wurde die Mittelschulzeit um ein halbes Jahr verkürzt und die mündliche Maturitätsprüfung auf Ende August festgesetzt. Aufgrund dieser Änderungen schmolz die Übergangszeit zwischen mündlicher Matura und Studienbeginn auf gerade einmal zwei bis drei Wochen.

Geld spielt eine Rolle

Livia Breitenstein gehört der stetig wachsenden Gruppe von Maturanden an, die nach dem Gymnasium eine Auszeit braucht oder will. Die Zahlen der Kanti Küsnacht belegen die Aussagen von Rektor Ritzmann: Seit der Verkürzung der Schuldauer ist die Quote der Sofortübertritte an die Hochschule signifikant gesunken. 2007 entschieden sich lediglich 11 von 92 Maturanden der Kantonsschule Küsnacht gegen ein Zwischenjahr. Die statistische Erfassung reicht bis ins Jahr 1994 zurück. Bis 2002 waren es stets deutlich über 50 Prozent der Maturanden, die ohne Zwischenjahr an die Hochschule wechselten.

Ritzmann zieht neben der Verkürzung der Schulzeit andere Gründe für den Trend zum Zwischenjahr in Betracht: Der finanzielle Aspekt spiele ebenfalls eine Rolle, sagt er und präzisiert, dass man sich früher die teuren Sprachschulen im Ausland weniger habe leisten können. Des Weiteren seien sich viele Schülerinnen und Schüler noch nicht im Klaren darüber, welchen Studiengang sie wählen wollten.

Dies hängt damit zusammen, dass die Anmeldefrist für die Universität auf Ende April angesetzt ist. Eine Zeit, in der die Gymnasiasten noch gänzlich in den Schulalltag eingebunden und mit der Vorbereitung auf die Matura beschäftigt sind.

Die 19-jährige Maturandin Angelina Bertoni passt sich dem Trend nicht an. Sie nimmt Mitte September das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich auf. «Ich möchte so schnell wie möglich finanziell unabhängig sein», begründet die zielstrebige Herrlibergerin ihre Zukunftspläne. Florine Bärlocher studiert bereits Jura im zweiten Semester. Vor einem Jahr machte sie die Matura an der Kanti Küsnacht. Sie habe nie das Bedürfnis gehabt, ein Zwischenjahr zu machen. Ausserdem mache es sich im Lebenslauf besser, wenn man seine Ausbildung ohne unnötige Verzögerungen absolviert habe, findet sie. Mit ihr in der Klasse war Kristina Dravec, die nach der Matura eine Pause brauchte, ein halbes Jahr als Verkäuferin arbeitete und anschliessend mit dem verdienten Geld eine USA-Reise machte. Sie sei in diesem Jahr sehr gereift und habe ihre Entscheidung nie bereut.

Nur noch ein Prüfungstermin

Kanti-Rektor Peter Ritzmann ist der Ansicht, dass es keinen richtigen oder falschen Weg nach der Matura gebe. «Das ist typabhängig», sagt er. Wenn man die Zeit vor dem Studienbeginn sinnvoll nutze, um den persönlichen Horizont zu erweitern und reifer zu werden, sei ein Zwischenjahr sicherlich angebracht, sagt er.

2012 dürfte ein Rückgang der Ausbildungsunterbrüche zu erwarten sein, denn die mündliche Maturitätsprüfung wird zusammen mit der schriftlichen im Juli abgelegt werden.

Erstellt: 06.09.2010, 21:00 Uhr

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