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Ein Superstar mit Übergrösse

Von Walter Jäggi. Aktualisiert am 21.01.2010

Der erste Airbus A380 in Zürich landete, rollte und parkierte, als wäre das schon Routine.

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Kloten - Erwartet wurde ein Superstar, aber nicht in der Ankunftshalle, sondern auf der Piste 16. Kurz vor halb neun erschien am Horizont eine Silhouette, die auch versierte Flugzeugspäher hier noch nie erspäht hatten: Der Airbus A380 mit dem Kennzeichen F-WWDD («Fox, Whisky, Whisky, Delta, Delta», wie die Kenner murmelten), setzte zur Landung an. Die erste Landung des Grossflugzeugs in Zürich verlief so reibungslos, als hätte es schon hundertmal hier aufgesetzt. So leise wie vom Hersteller versprochen, schwebte der Airbus heran und rollte dann zur Werft, wo ihn ein mehrtausendköpfiges Empfangskomitee erwartete.

Sehr viel zu sehen gab es eigentlich nicht, aber die schiere Grösse des Fliegers war Attraktion genug. So etwas hat man hier zu Lande noch nie gesehen. Vom 28. März an wird der Airbus A380 zum Alltag auf dem Flughafen gehören, ab dann setzt ihn Singapore Airlines im täglichen Linienverkehr nach Singapur ein. Das Flugzeug wird jeweils um 8 Uhr in Zürich eintreffen und um 12 Uhr wieder nach Singapur abfliegen.

Der Besuch am Mittwoch diente der Vorbereitung des regulären Einsatzes. Obschon am Computermodell des Flughafens eingehend geprüft worden war, ob das ungewöhnlich grosse Flugzeug überall passt, wollten die Experten dies im Massstab 1:1 nachprüfen. So wurde etwa kontrolliert, ob noch Schilder oder Bauten zu nahe stehen und ob durch die grosse Masse allenfalls Signale des Instrumentenlandesystems gestört werden. Die Unternehmen, welche für Belieferung, Wasserversorgung, Entsorgung und Betankung zuständig sind, nahmen Mass, auch die Feuerwehr- und die Enteisungsfachleute schauten sich in der neuen Dimension um.

Flughafen muss bauen

Die für den A380 vorgesehene Parkposition an Dock E wurde ausprobiert. Noch dieses Jahr soll dort eine zusätzliche Zugangsbrücke gebaut werden, die direkt ins Oberdeck führt. Die Anpassungen am Gebäude kosten «einen einstelligen Millionenbetrag», wie Thomas Kern, der Chef des Flughafens, sagte. Für ein Unternehmen, das jedes Jahr dreistellige Millionenbeträge in Um- und Neubauten investiert, ist das kein besonders schwerer Brocken. Mit dem Spezialtraktor, der den schweren A380 bewegen kann, hat der Flughafen bereits Erfahrung, das Monstrum wurde schon früher vom Hersteller in Zürich getestet.

Im Prinzip kann der grosse Airbus in Zürich alle vorhandenen Landepisten benützen - ein Südanflug wird zweifellos imposant aussehen. Wenn die zuständigen Stellen, vor allem das Bundesamt für Zivilluftfahrt in Bern, ihr Okay gegeben haben, wird Zürich neben Paris und London erst der dritte Flughafen in Europa sein, der nicht nur tauglich für den A380 ist, sondern auch tatsächlich von dieser Maschine bedient wird.

Weltweit fliegen A380 bisher erst ein gutes Dutzend Flughäfen an, Zürich steigt da in eine neue Liga auf, das fördert das Prestige in der Tourismusbranche. Natürlich hofft man, dass nach dem Türöffner Singapore Airlines auch andere Gesellschaften ihre A380 hier anlegen lassen, etwa Emirates, Air France-KLM, British Airways oder Lufthansa. «Ein A380-Hub wird Zürich aber deswegen noch nicht werden», relativiert Marc Rauch. Für die Fluggesellschaften interessant ist jedoch auch, dass Zürich nun als voll tauglicher Ausweichflughafen für A380 gilt.

Eine fliegende Testwerkstatt

Das Flugzeug, das am Mittwoch da war, gehört dem Herstellerwerk Airbus in Toulouse, es wird nach dem Start heute Donnerstagvormittag nach Genf weiterfliegen, wo ebenfalls Tests auf dem Programm stehen. Wie es sich für ein Testflugzeug ziemt, hat die Maschine keine Luxussitze an Bord, sondern vor allem Messgeräte, Werkzeug und Ballasttanks, mit denen Beladungszustände simuliert werden können.

Das Werksflugzeug mit der Fabriknummer MSN004 hat bisher etwa 2000 Flugstunden absolviert. Die ganze Flotte der 25 bereits ausgelieferten A380 hat bis Anfang Jahr auf 10 200 Flügen fast 4 Millionen Passagiere transportiert. Und auch wenn hie und da eine als «Kinderkrankheit» taxierte Störung auftrat, haben sich die Fluggesellschaften bisher zufrieden über das neue Flugzeug geäussert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.01.2010, 02:01 Uhr

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