Zürich
Erster Poller am Limmatquai steht
Von Benno Gasser. Aktualisiert am 05.11.2009
Wuchtig und rostig ist er, der erste von fünf Hafenpollern. Der 300 Kilogramm schwere Koloss aus Gusseisen steht an der Schiffanlegestelle, Höhe Limmatquai 16, vis-à -vis der Frauenbadeanstalt. Jan Morgenthaler, Mitinitiant des Kunstprojekts «zürich-transit-maritim», inszenierte den Poller gestern als freigelegtes Fundstück, das Fragen aufwerfe. Er habe deshalb zwei Experten eingeladen, die den Fund einordnen sollten, sagte er vor den Medien.
Sowohl Stadtarchäologe Andreas Motschi wie auch Geologe Wilfried Winkler spielten bei der Inszenierung mit und versuchten, wissenschaftliche Erklärungen für den Fund zu liefern. «Der Hafenpoller ist auf den ersten Blick ein Zeuge für die Bedeutung des Wasserwegs für Zürich», sagte Motschi. Bereits in römischer Zeit hätten in der damaligen Bucht der Schifflände Boote angelegt. Die Hafenanlagen im Stadtgebiet seien aber von überschaubarer Grösse gewesen, die historischen Lastschiffe waren meist nur zwischen 10 und 25 Meter lang. Ausserdem seien die Eisenringe in der damaligen Ufermauer aus dem 16. Jahrhundert zum Festmachen von Schiffen viel zierlicher gewesen. «Mit ihren 15 Zentimetern Durchmesser reichten sie nicht entfernt an die Massivität des jetzt aufgetauchten Pollers heran.»
Neuer Aufruf zum Widerstand
ETH-Geologe Wilfried Winkler sagte, dass die Region Zürich in der jüngsten Erdgeschichte zweimal von Meeren bedeckt war. Beide Ereignisse liegen allerdings Millionen von Jahren zurück. Der Meeresboden war mit Konglomeraten, Sand und Schlamm bedeckt, was heute noch nachgewiesen werden kann. In den Meeren lebten Haie, Rochen, Seekühe, Delfine, Wale, Muscheln und Meerespflanzen.
Der Poller ist der Auftakt der fast fünf Jahre dauernden Kunstaktion, mit einem echten Hafenkran als Höhepunkt. Er soll 2011 auf die Terrasse unterhalb des Rathauscafés gestellt werden. Die Aktion von gestern rüttelte auch die Gegner der Aktion wieder wach. Auf der Website Hochseekran.ch riefen sie nach längerer Absenz wieder zum Widerstand auf. Poller mit Wissenschaftler: Wilfried Winkler zeigt, dass Zürich in Urzeiten vom Meer bedeckt war. Foto: Thomas Burla (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.11.2009, 02:01 Uhr
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