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«Es kann nur noch besser werden»

Nach zwei Jahren in der Formel Lista Junior setzt Andrina Gugger zum Überholen in der ADAC-Master-Serie an. Den Boliden, mit dem sie Grosses vorhat, präsentierte die Sulzerin unter Palmen.

Während ihrer Rede im Giardino Verde in Uitikon versagt das Mikrofon mehrmals. Schliesslich fällt es ganz aus. Andrina Gugger nimmts mit Humor: «Das passt zu meiner vergangenen Saison.» Ihre Ansprache für die rund 100 Freunde, Verwandten und Sponsoren, die in der ehemaligen Gärtnerei bei tropischem Klima und umgeben von Palmen den Worten der jungen Rennfahrerin lauschen, setzt sie mit lauter Stimme fort. Gugger erzählt von den technischen Problemen am Auto, mit denen sie im Vorjahr zu kämpfen hatte, und ihrer Vorbereitung auf den kommenden Sommer. Sie fasst in einem Satz zusammen: «Es kann nur noch besser werden.»

Der Start zur Saison 2009 ist der 18-Jährigen indes optimal geglückt. Sie gewann das erste Rennen in Dijon, wurde tags darauf Vierte. Dann aber begannen die Probleme. In die Nähe des Podests schaffte es Gugger in den zehn verbliebenen Wettkampftagen nicht mehr. Das Auto offenbarte immer wieder Mängel. Unter anderem sei der Dreieckslenker «abgefault», wie die Sulzerin sagt. Hinzu kamen viele kleine Defekte. Kurz: «Es lief alles schief.»

Neu für Mücke am Steuer

Es war das erste Jahr, in dem die junge Pilotin eng mit dem deutschen Profiteam Mücke Motorsport zusammenarbeitete. «Ich kann den Mechanikern absolut keinen Vorwurf machen», stellt Gugger sofort klar. Keiner der Schäden sei wegen schlechter Arbeit am Boliden aufgetreten. «Ich hatte einfach Pech», sagt sie und ergänzt: «Hoffentlich reisst diese negative Serie jetzt ab.» Gute Momente gabs aber auch. Beispielsweise auf dem Lausitzring, wo die angehende Sekundarlehrerin in einem Training nur eine halbe Sekunde hinter dem Rundenrekord von Sébastien Buemi zurückblieb. Und dieser startet mittlerweile in der Formel 1.

Gugger hat sich darob entschieden, die neue Saison (ab 10. April) als Fahrerin der Berliner Privatcrew in Angriff zu nehmen, auch wenn dieses Engagement bis zu 300 000 Franken kosten wird. Im letzten Jahr wurde sie von Mücke zwar betreut und mietete das Auto von den Deutschen. Sie startete jedoch für das Familienteam Gugger. Die Ausgaben fielen mit 150 000 Franken nur halb so hoch aus. Um weiterzukommen, löst sich Gugger trotzdem von ihrem Team. Sie wird entsprechend oft alleine unterwegs sein. Anstelle des kleinen Betts im Reisebus der Guggers warten künftig Hotelzimmer in Deutschland und Holland auf sie. «Ich habe keine Angst davor, alleine zu reisen. Ich weiss ja, wie die Leute sind. Für einen Spass sind sie immer zu haben, ich fühle mich wohl», erzählt sie. Und wenn es der Kalender zulässt, werden Mutter Helene und Vater Markus bestimmt am Streckenrand stehen. Unterstützung kann Andrina Gugger brauchen.

Der Schritt in die ADAC-Master-Serie ist für sie ein grosser. Zwar starten in dieser wie in der Formel Lista vornehmlich Junioren. Die Kulissen werden aber imposanter sein als in der Schweizer Rennserie. «Im Minimum hat es 30 000 Zuschauer auf der Tribüne», weiss Gugger. Das ist auch der Grund, weshalb sie den Entscheid für einen Wechsel zusammen mit ihren Eltern gefällt hat. Sie erhoffen sich mehr Medienpräsenz, Sponsoren sollen auf das Talent aufmerksam werden. In den Erklärungen Guggers fällt abermals das Wort «Plattform». So auch, wenn sie von den GT Masters erzählt. Die gut betuchten Piloten werden an denselben Wochenenden auf den Pisten sein wie Gugger. Dann tummeln sich Aston Martins, Lamborghinis, Corvettes, Ferraris, Porsches und Jaguare auf den Strecken. «Vielleicht ist ja jemand interessiert, mich zu unterstützen», hofft Gugger. Dafür müssen allerdings auch ihre Leistungen stimmen. Eins ist sicher: So fit wie jetzt war sie noch nie.

Der «geile Sound» fehlt ihr

Im Winter hat Gugger im Kraftraum geschwitzt - zehn Stunden pro Woche. Die harten Trainingspläne hat sie eingehalten. Körperlich ist sie für die Saison deshalb bereit. Und auch mit dem Auto lief bisher alles wie gewünscht. Auf Teststrecken hat sie es kennen gelernt. Grosse Unterschiede zum Boliden, den sie im vergangenen Jahr pilotierte, stellte sie nicht fest.

Zwar brummt im Heck nicht mehr ein BMW-, sondern ein VW-Motor. Mit 145 PS, 570 Kilogramm, einer Spitzengeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern und einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 3,8 Sekunden sind die Daten aber beinahe identisch. Nur eines vermisst Gugger: «Der VW läuft unten raus besser. Weil das Drehmoment aber kleiner ist, heult er nicht so schön wie der BMW.» Sie fügt schmunzelnd an: «Ich war verwöhnt.» Es bleibt aber auch die Erinnerung, dass ihr das letztjährige Auto - trotz des «geilen Sounds» - kein Glück gebracht hat.

Wenn sie beim Nachfolger von technischen Mängeln verschont bleibt, hat Gugger gute Chancen, ihr Ziel für die Saison 2010 zu erreichen: «Ich will am Podest schnuppern.» Mit dem neuen Auto solls für Andrina Gugger aufwärts gehen. Foto: Nicola Pitaro (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2010, 02:03 Uhr

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