Zürich
Flüchtiger Triathlet ist gefilmt und fotografiert
Von Stefan Hohler
Uetikon am See/Zürich – Die Schlinge um den Hals des gesuchten Triathleten zieht sich zusammen. Der unbekannte Mann hatte am Sonntagmorgen um circa 9.30 Uhr in Uetikon am See mit seinem Velo eine Rentnerin beim Überqueren der Strasse umgefahren und war geflüchtet.
Laut Silvia Killias, Sprecherin der Kantonspolizei, befanden sich zu dieser Zeitspanne rund 200 der total 2300 Teilnehmer des Zürcher Ironman im Bereich des Unfallorts. Diese Zahl ist bekannt, weil die mit einem Chip versehenen Athleten beim Passieren der verschiedenen Kontrollposten elektronisch erfasst werden. Insgesamt gibt es 28 auf der ganzen Strecke – bei der Radstrecke sind es 8 Kontrollposten.
Die Polizei wird nun diesen Triathleten genau unter die Lupe nehmen – sofern den Unfallverursacher nicht das schlechte Gewissen quält und er sich selber stellt. Die weiblichen Teilnehmer, laut Organisatoren sind es zwölf Prozent, kommen als Täter nicht infrage. Denn laut den Aussagen des einzigen Zeugen handelt es sich beim Unfallverursacher um einen Mann mit einem weissen Trikot. Es könnte auch sein, dass der Unbekannte zu den rund zehn Prozent der Teilnehmer gehört, die vorzeitig aufgegeben haben. Aber auch diese seien den Organisatoren bekannt.
Die Kantonspolizei (Verkehrszug Hinwil, 044 938 30 10) sucht weiterhin Zeugen. Wie Martin Koller, – des Zürcher Ironman sagt, sind die Teilnehmer am Samstagabend beim sogenannten Check-in mit dem Velo und der Nummer fotografiert worden. Zudem wurden die Athleten beim Zieleinlauf gefilmt. Die Bilder würde man nun der Kantonspolizei zur Auswertung geben. Die Daten der Kontrollposten habe man schon überreicht.
Totale Absperrung unmöglich
Koller vermutet, dass der Triathlet beim Sturz mit einer mutmasslichen Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h Schürfungen erlitten hat. Ein weisses Trikot, so Koller, hätten aber wegen der sommerlichen Temperaturen viele Athleten getragen. Für Koller ist das Verhalten «absolut feige». Der Mann wird, sofern identifiziert, auf die Blacklist gesetzt und für sämtliche Wettkämpfe weltweit gesperrt. Einen ähnlichen Fall habe man noch nie erlebt. Vor zwei Jahren seien aber wegen eines Fehlers eines Helfers am Zürcher Mythenquai zwei Frauen beim Passieren der Strasse von einem Radfahrer angefahren und verletzt worden. Ein Absperren der ganzen Radstrecke sei technisch nicht möglich.
Der Unfall ereignete sich auf der Tramstrasse in Uetikon. Kurz vor der Einmündung Weingartenstrasse im Dorfzentrum überquerte die 85-jährige Frau den Fussgängerstreifen. Sie wurde vom Velofahrer erfasst, und beide stürzten. Der Triathlet stand wieder auf und fuhr davon. Die Frau erlitt eine Gehirnerschütterung, einen Nasenbeinbruch und Prellungen am Körper. Sie musste ins Spital gefahren werden, wo sie sich noch immer befindet. Es soll ihr wieder besser gehen, sagt Koller, man werde sie besuchen. Es habe noch einen weiteren Sturz gegeben: Ein Triathlet sei am Samstag wegen einer Katze umgefallen.
Laut Kapo-Sprecherin Silvia Killias war die Strasse zum Zeitpunkt des Ironman nur einseitig befahrbar. Auch bei einem Rennen gelte das Strassenverkehrsgesetz. Das heisst, man habe auf dem Fussgängerstreifen Vortritt, wobei von beiden Verkehrsteilnehmern Rücksichtnahme zu erwarten sei. Zum konkreten Fall könne man aber noch nichts sagen. Sicher ist, dass sich auch ein Triathlet während eines Rennens nach einem Unfall um das Opfer kümmern muss, sagt Killias.
Erstellt: 26.07.2010, 20:10 Uhr
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