Gemeinderat setzt sich für Geburtsklinik ein
Von Marco Morosoli. Aktualisiert am 04.02.2010
Adliswil - Einige Adliswiler Gemeinderäte staunten gestern, als sie ihren Sitzungssaal im Schulhaus Hofern betraten. Vor der Türe stand eine Menschentraube. Die Menge machte mit Plakaten und mit Sprechchören Werbung für den Erhalt der Geburtsabteilung im Krankenhaus Sanitas in Kilchberg (siehe Zweitartikel). Das Adliswiler Parlament befasste sich nämlich an der ersten Sitzung im neuen Jahr mit einer Einzelinitiative zweier Stimmbürger. Diese verlangt, dass weiterhin in Kilchberg geboren werden kann.
Nun muss sich auch der Stadtrat mit der Initiative befassen. 26 Gemeinderäte votierten für die Überweisung des Anliegens. Zwölf wären nötig gewesen. CVP, SVP und die SP sprachen sich grossmehrheitlich für die Einzelinitiative aus. Nur die FDP hielt ihrem Stadtrat und Gesundheitsvorstand Heinz Spälti (FDP), der auch im strategischen Steuerungsausschuss für die Fusion der Spitäler Zimmerberg und Sanitas sitzt, die Treue und stimmte wie die EVP dagegen. Spälti hatte schon unter dem Traktandum Mitteilungen eindringlich davor gewarnt, der Einzelinitiative zuzustimmen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass durch den Weiterbetrieb zweier Geburtsabteilungen im Spital Zimmerberg und im Sanitas auf ein Sparpotenzial von 1,45 Millionen Franken verzichtet werde. Deshalb «müssen wir schweren Herzens auf die Geburtenabteilung im Sanitas verzichten», sagte er. Gemeinderat Peter Werder (FDP) sagte, dass die Schliessung ein Versuch sei, «in der Spitallandschaft zu sparen».
Doch diese Einwände fielen bei der Mehrheit des Gemeinderats nicht auf fruchtbaren Boden. Nicole Kappeler (CVP) rief in Erinnerung, dass der gute Name des Krankenhauses Sanitas auch von den Leistungen der Geburtenabteilung herrühre. Davide Loss (SP) befürchtet, dass mit einer Schliessung des Geburtsorts Kilchberg dort das «Herzstück herausgeschnitten» wird. Renato Günthardt (SVP) zeigte sich enttäuscht, dass der Stadtrat bisher das «Unbehagen der Initianten zu wenig würdigte».
Der Stadtrat kann einen Gegenvorschlag zur Initiative unterbreiten. Er hat 18 Monate Zeit, aktiv zu werden. Doch er muss wohl schneller entscheiden, denn die Spitalfusion Zimmerberg/Sanitas ist bereits für 2011 vorgesehen. Wenn dem Fusionsvertrag acht der zwölf Gemeinden im Bezirk zustimmen, kommt er zustande. Fünfzig Hebammen, Krankenschwestern, Ärzte und Mütter kleideten sich gestern schwarz, um vor der Gemeinderatssaal gegen die Fusion zu protestieren. Foto: Patrick Gutenberg (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.02.2010, 02:01 Uhr


































