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Geschwindigkeitsrausch auf Rollen

Nicolas Iten hat an der Internationalen Indoor Speed Schweizer Meisterschaft in Embrach nach einem Sturz seinen sechsten Titel verpasst.

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Es ist die grosse Schrecksekunde. Den meisten der zahlreichen Zuschauern stockt der Atem, als Nicolas Iten mitten im abschliessenden 3000-m-Eliterennen stürzt. Der Schweizer Vorzeige-Inliner aus Oberarth SZ kann kurz darauf zwar weiterfahren, muss seine Träume vom sechsten Indoor-Meistertitel in Folge jedoch begraben. Zu seinem Thronfolger krönt sich überraschend Livio Wenger, der sich damit zehn Tage vor seinem 17. Geburtstag selber vorzeitig beschenkt.

«Natürlich bin ich etwas enttäuscht», sagt der zweitplatzierte Iten, der sich aber als fairer Sportsmann erweist: «Livio Wenger hat die Goldmedaille verdient. Seine Leistung soll auch mein Missgeschick nicht schmälern.» Nach diesen Worten richtet sich der Blick des 25-jährigen Sportstudenten wieder nach vorne. Er konzentriere sich bereits jetzt auf die kommende Strassensaison, die bei ihm oberste Priorität geniesse. Dennoch nehme er immer wieder gerne am Indoor-Wettbewerb im Zürcher Unterland teil, so Iten und das nicht nur wegen des wertvollen Trainingseffekts.

Internationales Flair

Die gute Organisation und das internationale Flair machen die Hallenmeisterschaft zu einem besonderen Ereignis, auf das viele nicht mehr verzichten wollen. So haben in diesem Jahr 120 Athletinnen und Athleten aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Frankreich, Tschechien und Dänemark in 18 Kategorien ihre Kräfte gemessen. Embrach hat sich längst zu einer Indoor-Speed-Hochburg entwickelt. Bereits zum 11. Mal ist dort gestern die Schweizer Meisterschaft über die Bühne gegangen. Die Sporthalle Breiti sei eine moderne Dreifachturnhalle mit komfortabler Infrastruktur, sie eigne sich ausgezeichnet zur Durchführung von Inline-Wettkämpfen, beschreibt Organisator Bernhard Ammann die Vorzüge des Standorts. Der ehemalige Wettkampf-Skater und Teilnehmer am Swiss-Inline-Cup ist seit 2000 an der Austragung der SM beteiligt und seit neun Jahren alleiniger Cheforganisator.

«Jede Meisterschaft ist für mich ein Höhepunkt, und jedes Rennen treibt meinen Puls in gefährliche Höhen», beschreibt Ammann seine Gefühlslage. «Wahrscheinlich bin ich sogar aufgeregter als die Läufer selbst.» Sein Antrieb ist die innige Leidenschaft zu seinem Lieblingssport. «Es gibt fast nichts Schöneres, als auf einem feinen Belag zu skaten. Das ist beinahe wie fliegen.»

Trotz grosser Ähnlichkeiten zum Shorttrack (siehe Kasten) steht Indoor Speed im Schatten der olympischen Wintersportart. Die Zukunft sehe düster aus, zeigt sich Ammann betrübt. Man müsse viel investieren, um mehr Medienaufmerksamkeit zu erzeugen. Nicolas Iten lässt sich von derartigen Prognosen aber nicht entmutigen. Der Athletensprecher der Schweizer Elite-Männer verweist lieber auf die facettenreichen Vorzüge des Inline-Sports. «Es geht nicht nur um schweisstreibende Höchstleistungen, sondern um Kameradschaft mit ausländischen Skatern.» Trotz seines noch jungen Alters ist Iten als Spitzensportler bereits weit in der Welt herumgekommen. Er hat in den Olympiastädten Berlin und Seoul Siege gefeiert und eine Menge Lebenserfahrung gesammelt. Alleine dafür lohnt es sich, ein vermeintliches Schattendasein zu fristen und den einen oder anderen Sturz in Kauf zu nehmen. In jedem Fall sollte es für die jungen Nachwuchs-Skater Anspruch sein, eines Tages in die Fussstapfen von Iten zu treten. Nicolas Iten (in Schwarz), hier beim 500-m-Rennen, musste sich für einmal mit dem zweiten Rang begnügen. Foto: Christoph Kaminski (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2010, 02:03 Uhr

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