Holz gehobelt, Edelmetall geholt

Von Simona Triet. Aktualisiert am 16.02.2010

Nicht nur die Skifahrer und die Fussballer haben eine Nationalmannschaft, auch die Schreiner. Im Kader ist neu ein junger Küsnachter.

Küsnacht - Stolz hält Lucio Wieland seine Bronzemedaille in der Hand. Der 20-jährige Küsnachter erreichte an der regionalen Schreinermeisterschaft für Lehrlinge den dritten Platz. «Den Podestplatz habe ich nur dank der Leidenschaft für meinen Beruf geschafft», erklärt Wieland.

Die Faszination für den Umgang mit Holz und Werkzeug packte ihn schon zu Beginn seiner Lehre bei der Zürcher Lehrwerkstätte für Möbelschreiner. Diese Werkstatt beschäftigt ausschliesslich Lehrlinge und gewährt ihnen Einblick in diverse Bereiche des Berufes. Aus Lucio Wielands Stimmte hört man die Begeisterung deutlich heraus, wenn er sagt: «In meinen Lehrjahren wurde mir bewusst, wie unglaublich vielfältig und interessant mein Beruf ist.»

Im zweiten Anlauf klappte es

Schon im ersten Lehrjahr nahm Lucio Wieland an der Sektionsmeisterschaft teil, der Vorausscheidung zur regionalen Meisterschaft. Damals schied er aber aus. Es habe ihm vor allem an Erfahrung gefehlt, glaubt Wieland, der zurzeit im Betrieb seines Vaters arbeitet.

Im letzten Herbst wagte er einen neuerlichen Versuch und schreinerte im Rahmen der Sektionsmeisterschaft einen Hocker. «Die Schwierigkeiten eines solchen Wettbewerbs bestehen einerseits im Zeitdruck, der einem ständig im Nacken sitzt», sagt er, «andererseits in der Organisation und der Planung, die vonnöten sind, um in der gegebenen Zeit ein gutes Resultat abzuliefern.» Erschwerend hinzu kamen die Zuschauer, die den Wettbewerbsteilnehmern über die Schulter sehen konnten - der Wettkampf wurde an der Berufsmesse in Zürich ausgetragen.

Dank seiner Schreinererfahrung schaffte Wieland beim zweiten Versuch den Sprung an die regionalen Schreinermeisterschaften, die in Basel stattfanden. Die Anforderungen dieses Wettkampfes waren höher, und es war Eigenverantwortung gefordert. «Ich musste beispielsweise alle Materialien selber beschaffen und mitnehmen, ebenso das notwendige Werkzeug», sagt der Jungschreiner. Alle 34 Teilnehmer erhielten im Voraus einen Bauplan. Die Aufgabe für Wieland: ein Telefonmöbel. «Die Vorbereitung ist von entscheidender Bedeutung», erklärt er. Er sei den komplexen Plan lange mit seinem Vater durchgegangen, der ebenfalls Schreiner ist. Dann fertigte er einen Zeitplan an.

14 Stunden fieberhafte Arbeit

Auch am Wettkampf selber musste er sehr organisiert vorgehen, denn die 14 Stunden, die den Schreinern zur Anfertigung des Möbelstückes zur Verfügung standen, seien knapp bemessen gewesen. Trotzdem schaffte es Wieland, das Möbel in der geforderten Zeit zu schreinern.

Überraschend kam für ihn der Podestplatz, der ihn in die Nationalmannschaft beförderte. «Ich habe nicht damit gerechnet und freute mich daher sehr darüber», sagt Wieland, betont aber sogleich, dass das Gewinnen nie erste Priorität gewesen sei. Viel wichtiger seien ihm das Mitmachen gewesen und die Erfahrungen, die er aus dieser intensiven Zeit gewonnen hätte. Diesem Prinzip wird er auch folgen, wenn er sich mit den anderen neun Qualifizierten auf die Schweizermeisterschaft im Herbst vorbereiten wird. «Meine Überzeugung ist, dass man nur Erfolg haben kann, wenn man Freude am eigenen Beruf hat», sagt Wieland. Dieses Möbelstück hat Lucio Wieland den Erfolg gebracht. Foto: Daniel Kellenberger (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.02.2010, 02:01 Uhr

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