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«Ich möchte, dass sich die Anthroposophen der Welt stellen»

Aktualisiert am 04.02.2010

Christian Labhart, Wetziker Kulturpreisträger, stellt in seinem Film Rudolf Steiners ambivalentes Gedankengut in den Mittelpunkt.

Herr Labhart, wie in Ihrem Streifen «Zum Abschied Mozart» befassen Sie sich auch in Ihrem neuen Dokumentarfilm «Zwischen Himmel und Erde» mit der Anthroposophie und den Schulen von Rudolf Steiner. Sind Sie selbst ein Anthroposoph?

Nein. Dazu müsste ich mehr geistige Grundsätze von Steiner im Bereich der Meditation und Weiterbildung übernehmen. Ich bezeichne mich eher als Sympathisant.

Kritiker bezeichnen Rudolf-Steiner-Schulen als sektiererisch.

Auch ich kenne angesichts der Anthroposophie eine gewisse Ambivalenz zwischen Bewunderung und Kritik. Ich lernte die Rudolf-Steiner-Schulen kennen, als unsere Kinder schulpflichtig wurden.

Kommt die Anthroposophie bei Ihnen darum immer wieder auf die Leinwand?

Was mich hauptsächlich fasziniert, sind die sozialen Ansätze. So beispielsweise dass jeder Lehrer so viel Lohn nimmt, wie er braucht, und die Eltern so viel zahlen, wie sie können - so etwas gibt es sonst nirgends. Kritisch bin ich allerdings, wenn Rudolf Steiners Aussagen zu einem dogmatischen Korsett werden. So ist es zwar nachvollziehbar, kleine Kinder vor dem Bösen behüten zu wollen. Die Welt ist aber nun mal so, wie sie ist, und darum sollten sich Anthroposophen beispielsweise mehr mit Gewalt auseinandersetzen.

Im Film fallen im Zusammenhang mit Steiner die Worte «Scharlatan, Genie, Guru». Was ist er für Sie?

Etwas zwischen Genie und Guru. Scharlatan empfinde ich als zu hart, auch wenn er sich zu allen Lebensbereichen kompetent genug befand, um darüber zu lehren - das kann kein Mensch. Trotzdem hat er innert kürzester Zeit weltweit eine Bewegung ausgelöst, die heute noch fortlebt.

Was wollen Sie mit Ihrem Film bewirken?

Eine Diskussion über die Anthroposophie. Ich will die Zuschauer mit Fragen entlassen, aus welchen dann Gespräche entstehen. Und ich möchte, dass sich die Anthroposophen der Welt stellen und sich nicht von ihr absondern.

Der Film enthält kritische Passagen und wird unter anderem in Wetzikon ausgestrahlt. In einem Ort also, der seit rund 30 Jahren eine Rudolf-Steiner-Schule beherbergt. Fürchten Sie diese Konfrontation nicht?

Nein, der Film ist sehr fair. Wenn auch ganz strenge Anthroposophen mit dem Film ein Problem haben könnten, weil sie oftmals mit Kritik schlecht umgehen können. Interview: Pia Wertheimer

Der Film «Zwischen Himmel und Erde» läuft ab dem 4. Februar im Wetziker Kino Rio. Am 5. Februar wird Christian Labhart bei der Vorführung anwesend sein.

Erstellt: 04.02.2010, 02:01 Uhr

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