Im «Schwarzen Hecht» ist ein Hund begraben, sagt der Regisseur

Von Hélène Arnet. Aktualisiert am 11.01.2010

Das Volkstheater im Amt spielt Paul Burkhards «Schwarzen Hecht» in seiner originalen Fassung.

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Mettmenstetten - Die beiden lassen sich nicht lange bitten, in den Löwenkäfig zu steigen, und sie brüllen wie leibhaftige Raubtiere. 150 Jahre geballte Theaterleidenschaft. Heiri Landis, 80-jährig, Johannes Peyer, 70-jährig, eingesperrt in einem Requisit aus Paul Burkhards musikalischem Lustspiel «Der Schwarze Hecht», das zurzeit im Weissen Rössli in Mettmenstetten aufgeführt wird. «In dem Stück ist ein Hund begraben», sagt Regisseur Johannes Peyer. Deshalb habe er sich auch lange dagegen gesträubt, es zu inszenieren.

Landis dagegen, Produktionsleiter des Volkstheaters im Amt, wollte «den Hecht» unbedingt aufführen. Er hatte sich in die Idee so verbissen, dass er auch nicht losliess, als das Stück letztes Jahr unter anderer Regie einfach nicht recht auf Touren kam. Er entschied: Ende der Übung und Neustart mit jenem Regisseur, mit dem er im Säuliamt schon neun zum Teil aufsehenerregende Inszenierungen realisiert hat. «Von unserem‹Sommernachtstraum› reden die Leute heute noch.»

Mehr als «O mein Papa»

Aber wo ist denn nun im «Hecht» der Hund begraben? Peyer, der an Berufsbühnen und mit ambitionierten Laientheatern bereits mehrfach Singspiele oder Opern einstudiert hat, nennt ausgerechnet jenes Lied, das von Lys Assia gesungen zum Welthit geworden ist - «O mein Papa». Es lasse wie eine Diva das ganze Stück um sich drehen. «Dabei ist viel mehr drin, es ist ein wahnsinnig gescheites Stück.» Es sei gesellschaftskritisch, müsse aber heiter daherkommen. Was Peyer jedoch am meisten fasziniert, ist die Spannung zwischen Traum und Realität, zwischen Biedermann und schillernder Zirkuswelt, das Nebeneinander von Gemüt und Geist.

Ein Hecht mit Gräten

Als Landis Peyer weichgeklopft hatte, dauerte es noch lange, bis der «Hecht» gar war. Peyer: «Ich habe das Stück sehr genau gelesen.» Dabei hat er sich auf Burkhards Originalfassung von 1939 besonnen und die Bearbeitung von Erik Charell («Das Feuerwerk», 1950), die den meisten heutigen Inszenierungen zugrunde liegt, beiseite gelegt. So wird der «Schwarze Hecht» spröder, aber keineswegs trockener. Denn dieser Hecht hat Gräte, an denen sich manch einer verschlucken könnte.

Für Heiri Landis ist das auf alle Fälle jener «Schwarze Hecht», der ihm für sein Theater vorgeschwebt hatte. Landis ist ein Hansdampf in allen Gassen in der Ämtler Theaterszene. Er war Begründer der Ämtler Bühne und initiierte auch das Volkstheater im Amt. Von Berufes wegen war er Versicherungskaufmann, doch das Theater ist seine Herzenssache. Seine erste Rolle war ihm auf den Leib geschneidert: Till Eulenspiegel, einer, der eine Sache freudvoll und unbeirrt durchzieht, auch wenn er mal aneckt. Im «Schwarzen Hecht» spielt Landis den hypochondrischen Onkel Gustav. «Eigentlich spiele ich nicht gerne alte Männer», sagt er. Doch müsse er zugeben, dass Peyer eine unglaubliche Begabung habe, die richtigen Besetzungen vorzunehmen.

Laien kann man besser locken

Johannes Peyer hat als Schauspieler in Göttingen und Würzburg gespielt und in Kino- und Fernsehfilmen mitgewirkt. Er hatte Engagements am Opernhaus Zürich und hat in Basel mit Werner Düggelin gearbeitet. Seit den Siebzigerjahren ist er vor allem als Regisseur tätig. Dabei ist ihm das Laientheater weit mehr als ein «Lückenfüller» zwischen Profi-Angeboten. Im Schillerjahr 2005 inszenierte er in Dornach die Freiluftaufführung «Wilhelm Tell», bei der er mit 70 Laienschauspielern arbeitete. «Mit Laien gelingt es oft besser, im Ensemble einen Gesamtgeist zu wecken.» Auch könne er bei ihnen meist mehr Entwicklung bewirken als bei Profis. «Man kann sie besser locken. Die meisten Profis lassen sich nicht gern locken, sie wollen nur motiviert werden.»

Die beiden Löwen sind nicht müde, aber stiller geworden. Es sei sehr gut möglich, dass das ihre letzte Zusammenarbeit sei, sagt Heiri Landis. Sie seien ja beide nicht mehr die Jüngsten. Peyer ist zwar heute froh - «sehr froh», dass er für den «Hecht» nochmals ins Amt gekommen ist, doch hatte er sich eigentlich bereits auf ein anderes Abenteuer eingelassen. Er schreibe an einer Geschichte - «eigentlich etwas mehr als eine Geschichte». Wovon sie handelt? Natürlich von einem Theater. Bei dem verschiedene Mächte verhindern wollen, dass es aufgeführt wird. «Etwas zugespitzte Realität», fügt Peyer an. Und das Ende? «Es kommt knapp gut raus.» Anders als beim «Hecht», der rabenschwarz endet.

Bis 10. Februar in Mettmenstetten und in der Aula Ennetgraben, Affoltern. Meist Mi, Fr, Sa 20 Uhr; So 16 Uhr. www.volkstheater-im-amt.ch; Tel. 044 764 00 31.

Produzent und Regisseur im Löwenkäfig, Requisit aus dem «Schwarzen Hecht»: Heiri Landis (links) und Johannes Peyer bringen das Stück im Säuliamt zur Aufführung. Foto: Thomas Burla (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2010, 02:01 Uhr

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