Zürich

Startseite · Abo · Immobilien · Job · Auto · Kleinanzeigen

In der Wildnis Lapplands Wurzeln geschlagen

Vor zwei Jahren wanderten Simone Mendelin und Jürg Eugster nach Schweden aus. Ist das Paar, das einst in Opfikon lebte, im hohen Norden inzwischen heimisch geworden?

Nein, die Schweiz vermisse sie nicht, sagt Simone Mendelin überzeugt. Zusammen mit ihrem Lebenspartner Jürg Eugster lebt die 31-Jährige im kleinen Weiler Storberg in Nordschweden. Rund um ihr Haus erstrecken sich scheinbar endlose Wälder, vor dem Küchenfenster liegt ein im Winter dick zugefrorener See. Das Paar betreibt eine eigene Hundeschlittenfarm mit 50 Hunden und empfängt Touristen für Wildnistouren in die grossen nordischen Weiten. Die Schlittenhunde waren es auch, die Mendelin und Eugster im Herbst 2007 nach Schweden gezogen hatten. Bereits in der Schweiz hielten die beiden Hunde und trainierten sie für Fahrten mit dem Schlitten. Irgendwann wurde der Wunsch, die Leidenschaft für die Tiere zum Beruf zu machen, so gross, dass sie sich zum Auswandern und zum selbstständigen Tourismusbetrieb entschlossen. Ein Schritt in eine ungewisse Zukunft. Zweieinhalb Jahre nach dem Aufbruch in den hohen Norden zahlen sich die grossen Anstrengungen der vergangenen Jahre aus. Mendelin erzählt zufrieden: «Wir haben von Jahr zu Jahr steigende Besucherzahlen - und können von unserem Kleinunternehmen leben.»

Integration dank Nachwuchs

Neben Tagesgästen, die während einer kurzen Tour das Fahrgefühl auf einem Hundeschlitten ausprobieren möchten, bieten Mendelin und Eugster auch anspruchsvolle Wochentouren in den unberührten Sarek-Nationalpark an.

Obwohl Mendelin und Eugster nur wenig Schwedisch sprechen, fühlen sie sich in ihrer neuen Heimat in der Nähe des Polarkreises zu Hause. Sie pflegen partnerschaftliche Beziehungen zu ihren Nachbarn, und mit der Geburt ihrer Tochter im vergangen Herbst hat sich die Integration in die Gemeinschaft weiter verstärkt. Für den Weiler Storberg bedeutet die Geburt eines Kindes Zukunft. Ähnlich wie in einem Schweizer Bergdorf verlassen viele Junge die kleinen Landdörfer und ziehen in die Stadt - eine junge Familie kann diesen unheilvollen Trend zumindest etwas bremsen. Und die neue Einwohnerin bringt den älteren Einwohnern direkten Nutzen. So werden Orte mit Kindern durch einen Schulbus erschlossen - welcher dann auch von anderen Bewohnern genutzt werden kann.

Simone Mendelin ist als Mutter und Selbstständige stark ausgelastet. Die Tage sind streng im Februar: Die kalten Wintertage bedeuten Hochsaison auf der Hundeschlittenfarm. Das junge Paar arbeitet regelmässig zwölf Stunden am Tag. Während er mit den Gästen auf Hundeschlittentour geht, kümmert sie sich ums leibliche Wohl, organisiert Flüge und beantwortet am Computer Anfragen. Die abwechslungsreiche Arbeit im eigenen Rhythmus empfindet Mendelin angenehmer als ein gewöhnlicher Arbeitstag in ihrem alten Leben in der Schweiz. «Unsere Hundeschlittenfarm ist unsere Leidenschaft. Dafür sind wir gerne bereit, viel zu arbeiten.»

Fische vor der Haustür

Auch die Landschaft entschädigt für vieles. Im etwas weniger arbeitsreichen Sommer geniessen die beiden Schweizer die Zeit in der Natur. Während der warmen Monate wird es stiller auf der Hundeschlittenfarm, da die Touristen hauptsächlich im Winter kommen. Um die Auslastung ihres kleinen Tourismusunternehmens weiter zu verbessern, planen die beiden nun auch Sommeraktivitäten für Reisende. Ab diesem Sommer können Gäste mit Kanu und Fahrrad den nordischen Sommer entdecken. Und vielleicht auch einen Fisch fangen. Die Gewässer rund um ihr Haus seien so fischreich, dass das Anglerglück praktisch jedem hold sei, verrät Simone Mendelin augenzwinkernd. Jürg Eugster und Simone Mendelin mit Töchterchen. Foto: pd (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2010, 02:01 Uhr

Zürich

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz