Zürich
Klimagipfel Politiker verteidigen den Kompromiss in Kopenhagen, TA vom 21. 12. / Zwei Grad weniger werden die Welt nicht retten, TA vom 19. 12. (und weitere Berichte)
Heuchlerische Entrüstung.
Was nach zähen Verhandlungen übrig blieb, ist das Minimum von dem, was gerade noch als Resultat bezeichnet werden kann, um nicht ein Scheitern eingestehen zu müssen. Allerdings hat es in jüngster Zeit wohl selten ein so ehrliches Ergebnis eines Gipfeltreffens gegeben. Es ist der Gipfel, bei dem es selbst den gewieftesten Politikern und Diplomaten nicht gelang, eine scheinheilig formulierte Resolution als Erfolg zu verkaufen. Nun ist natürlich die Empörung gross, und von allen Seiten gibt man sich entrüstet über das dürftige Resultat, findet jedoch sofort andere, die dafür verantwortlich gewesen sein sollen. Industrie-, Schwellen- und nicht industrialisierte Länder schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. (Vielfliegende) Wissenschaftler und Vertreter von NGOs geben sich empört, sind aber spätestens beim nächsten Klimagipfel in Mexiko wieder zahlreich vor Ort, um ihren Forderungen nach wirksamen Massnahmen zur Emissionsverminderung Gehör zu verschaffen. Wie steht es denn mit der eigenenBereitschaft, die von den Politikern geforderten Klimaziele im eigenen Alltag einzuhalten? Es sind die Auswirkungen Millionen täglicher kleiner individueller Handlungen, die dazu beigetragen haben, dass es zu den globalen Umweltveränderungen gekommen ist. Allerdings, genauso wie Millionen einzelner Handlungen das Problem verursacht haben, können Millionen einzelner Verhaltensänderungen zur Lösung beitragen. Fahre ich beim nächsten Mal wieder mit dem Auto, oder benutze ich ein öffentliches Verkehrsmittel; welches Gerät im Standby-Modus kann ich ausschalten; wie warm stelle ich die Heizung ein; ist der nächste Flug wirklich nötig, oder sind zumindest dessen CO2-Emissionen kompensiert? Wie steht es denn mit dem eigenen Energieverbrauch? Gelingt es mir im kommenden Jahr, weniger zu verbrauchen? Bin ich bereit, als Einzelperson das Kyoto-Protokoll zu «unterzeichnen» und dessen Zielvorgaben einzuhalten? Es ist ein Leichtes, die Emissionen des eigenen Energieverbrauchs über eines der zur Verfügung stehenden Internetportale zu berechnen. Ob man sich danach noch über das Resultat des Klimagipfels von Kopenhagen guten Gewissens empören mag?
Gian-Reto Walther, Fläsch
Ein Erfolg, der keiner ist.
Da der Mensch prinzipiell ein Egoist und der grösste sich schnell ausbreitende CO2-bildende Parasit dieser Erde ist, muss man sich nach dem Kopenhagener Kompromiss die Frage stellen, ob wir nicht jetzt schon nur bei einer Schadensbegrenzung angekommen sind. Da wir Platz brauchen, vernichten wir immer mehr von der Flora, die über die Photosynthese CO2 abbauen kann. Selbst eine Eiszeit, die CO2 im Eise speichern könnte, würde wahrscheinlich nicht mehr ausreichen, um die Welt wieder ins Lot zu bringen, da unsere Technologien unser Überleben garantieren und wir es munter weiterproduzieren. Wir generieren nachweislich schon zu lange mehr CO2, als die Natur wieder abbauen kann. Aktuelle Hitzeperioden vermindern leider die Produktivität der Photosynthese der Gräser zusätzlich. Da die Weltbevölkerung jährlich weiter zunimmt und mit Wasser und Nahrung versorgt werden muss, vermag eine Senkung die CO2-Produktion im besten Fall doch höchstens auszugleichen, aber nicht mehr effizient abzubauen. Für Politikerist so nur schon eine kleine Reduktion ein Erfolg, damit der Lebensstandard der aktuellen Generation und die wirtschaftlichen Ziele von Firmen, von denen sie finanziell profitieren, gewährleistet bleiben. Wir leben ja nur einmal, und das sehr gut. Dennoch haben wir schliesslich etwas für die Zukunft getan - um unser Gewissen zu beruhigen. Doch was nützt es wirklich? So gesehen ist der aktuelle Kompromiss des jüngsten Klimagipfels in Kopenhagen ein wichtiger Erfolg, der keiner ist. Er unterstützt weiterhin unseren Egoismus. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Andreas Keusch, Pfäffikon SZ
Keine weiteren Klimagipfel mehr.
Glaubt denn wirklich jemand allen Ernstes daran, wir könnten das auf rein materielle Profitmaximierung und endlose Wachstumssteigerung ausgerichtete kapitalistische Weltwirtschaftssystem einfach so ungehindert weiterführen und gleichzeitig die Natur wieder ins Gleichgewicht bringen? Nein, wir können uns jeden weiteren Klimagipfel ersparen, solange wir uns nicht endlich dazu durchringen, die alles entscheidende Grundfrage zur Diskussion zu stellen. Die Grundfrage nämlich, wie ein neues, an den Bedürfnissen von Mensch und Natur ausgerichtetes, nicht kapitalistisches Wirtschaftsmodell aussehen könnte, und auf welchem Wege es möglichst bald in die Praxis umzusetzen wäre. Viel Zeit bleibt nicht.
Peter Sutter, Buchs SG
Zu wenig Geld fürs Klimageschäft.
Irgendjemand sollte den Klimaschutz in ein einträgliches Geschäft verwandeln. Dann würde sich die globale Wirtschaft leidenschaftlich um ihn bemühen. Was für eine Gesinnung beherrscht die Menschheit, die für den Klimaschutz zu wenig Geld aufbringt, aber für Kriege jede Menge?
Max Schnyder, Zürich
Erstellt: 22.12.2009, 02:00 Uhr


