Zürich
Linksextreme zünden Luxusautos an
Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 10.12.2009
«Autogrillen» oder «Abfackeln von Luxuskarossen» heisst die Methode beschönigend. In Berlin brennt fast jede Nacht irgendwo ein teurer Wagen. Oder ein Polizeiauto. Oder das Fahrzeug eines Politikers. Auch in Hamburg kommt es zu Anschlägen auf parkierte Autos, anderswo ebenso. Neuerdings auch in der Schweiz, wenn auch weniger oft.
Zwischen März und November brannten im beschaulichen Aarau nicht weniger als acht Fahrzeuge «vornehmlich der gehobenen Klasse» und ein Polizeiauto, wie die Aargauer Kantonspolizei mitteilt. Bei zwei der Brandstiftungen habe Gefahr für Leib und Leben von Anwohnern bestanden, da das Feuer auf Wohnhäuser überzugreifen drohte.
Mit dem Schrecken und Sachschaden davon kamen zwei Lokalpolitiker der SVP. Der Aarauer Bezirksamtmann Dieter Gautschi bestätigte eine entsprechende Meldung der «Mittelland Zeitung».
«Aus gutem Hause»
Zwei mutmassliche Täter, zwei Zwanzigjährige, die der Hausbesetzerszene zugeordnet werden, sitzen seit fast einem Monat in Untersuchungshaft. Die beiden jungen Männer «aus gutem Hause» sind laut Gautschi «auf frischer Tat ertappt» worden. Am 14. November um 5 Uhr in der Früh habe sie die Polizei im noblen Zelgliquartier erspäht. Kurz darauf seien beim Haus des SVP-Präsidenten Aarau-Rohr, Marc Dübendorfer, zwei Fahrzeuge in Brand gesteckt worden.
Etwas später seien die beiden mutmasslichen Brandstifter, die noch in ihrem Elternhaus wohnen, verhaftet worden. Ihnen drohen mindestens drei Jahre Haft, sollten sie wegen qualifizierter Brandstiftung, also der Gefährdung von Menschen, verurteilt werden.
In Untersuchungshaft verweigern die beiden laut den Ermittlern die Aussage, genau wie es ein Leitfaden empfiehlt, der im linksextremen Milieu kursiert. Der Revolutionäre Aufbau Schweiz ruft nun zu «Solidarität mit den zwei anarchistischen Gefangenen» auf, deren Untersuchungshaft das Obergericht kürzlich verlängert hat. Am vergangenen Wochenende kam es in Aarau zu einer unbewilligten Demonstration von einigen Dutzend Linksextremen, die aus der halben Deutschschweiz angereist waren.
Bislang meist in Zürich
Anschläge auf Fahrzeuge sind in der Schweiz ein neues und bislang seltenes Phänomen. «Die Situation ist in quantitativer Hinsicht nicht vergleichbar mit Deutschland», teilt der Dienst für Analyse und Prävention (DAP) im Verteidigungsdepartement mit. «Während in Deutschland dieses Jahr bereits mehrere Hundert Fahrzeuge angezündet worden sind, handelt es sich in der Schweiz bis anhin nur um wenige Fälle.»
Noch in den Jahren 2005 und 2006 verzeichnete der Bericht des Inlandgeheimdienstes keine solchen Vorfälle. 2007 kam es im Kanton Zürich zu drei Brandanschlägen auf Vertretungen von Auto- und Lastwagenherstellern, zu denen Bekennerschreiben aus der Autonomenszene auftauchten.
In einer Februarnacht 2008 verübten Linksextreme laut DAP einen Brandanschlag auf das Fahrzeug der Ehefrau des Zürcher Justizdirektors Markus Notter. Kurz darauf wurden durch eine Brandstiftung bei einer Karosserie in Zürich drei Polizei-autos beschädigt.
Im selben Jahr kamen in der grössten Schweizer Stadt durch Brände nach der 1.-Mai-Demonstration und durch weitere Anschläge mit linksextremen Bekennerschreiben rund ein Dutzend weitere Fahrzeuge zu Schaden.
Dieses Jahr brannten in Zug und Muttenz BL insgesamt drei Fahrzeuge, zu denen es Bekennerschreiben gab. Zuletzt gingen letzte Woche im Zürcher Kreis 7 zwei Autos in Flammen auf. Die Brandursache ist unbekannt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.12.2009, 02:01 Uhr


