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Lokales Bier boomt - und ist süffig

Von Daniel Böniger. Aktualisiert am 15.05.2010

Vermehrt gibt es in Zürich regionale Biere. Die TA-Jury hat sie verkostet und ist auf ein paar erfreuliche Überraschungen gestossen.

An den Stammtischen von Richterswil bis Feuerthalen, von Dietikon bis Turbenthal wird regelmässig über die Grossen des Bierbusiness gepoltert: Viele Biertrinker wollen einfach keine holländisch-dänische Blonde in ihren Stangengläsern haben, sondern eine kühle Schöne aus der Gegend.

Regionale Anbieter wie Turbinenbräu sind seit einigen Jahren auffallend erfolgreich; das richtige Bier zu zapfen, gehört inzwischen auch in Szenebeizen zum guten Ton. Sogar Grossanbieter wie Coop ergänzen ihr Sortiment mit «regionalen Exoten», die von Heineken und Co. unabhängig sind.

Offenbar lässt sich Bier, das sich mit einer regionalen Aura umgibt, nicht schlecht verkaufen. Deshalb landen teilweise auch «Zürcher Biere» im Regal, die streng genommen gar keine sind: Amboss und Bier Paul haben zwar in der Stadt Zürich je einen Verkaufsstandort, die entsprechenden Biere werden aber in Baar respektive Villmergen gebraut.

Noch bunter hat es bis vor kurzem das Label Striker getrieben: Auf der Flaschenetikette war relativ gross der Firmensitz in Meilen angegeben, wer sie aber genauer studierte, konnte klein darauf lesen, dass das Produkt in Deutschland produziert wurde. Inzwischen hat man einen Brauereistandort im Inland finden können.

Die TA-Jury, die Getränke aus Hopfen, Malz und Wasser getestet hat, ist in Sachen Herkunft nicht päpstlicher als der Papst: Was irgendwie als regionales Produkt verkauft wird, wurde für die Degustation berücksichtigt. Wie «lokal» ein Bier ist, interessierte die Fachleute weniger, als wie gut denn welcher Gerstensaft schmeckt (siehe Punktetabelle unten).

Das Resultat des Blindtests ist überraschend: Ausgerechnet der Mikrobrauer Andreas Aemmer von Hirnibräu, der höchstens 500 Liter aufs Mal herstellt, konnte die Jury überzeugen. Immerhin wohnt der Bierproduzent in Höngg und verwendet echtes Zürcher Trinkwasser für sein Produkt.

Der Sieger wird dicht gefolgt vom Winterthurer Stadtguet, was die Leser aus der sechstgrössten Stadt der Schweiz natürlich freuen wird: Das 2002 gegründete Label überzeugt mit einer sauberen Nase und einem charmanten Geschmack. Der Slogan der Firma lautet vielleicht etwas zu geistreich «der sBIERit von Winterthur».

Dass sich Turbinenbräu und Bier Paul den dritten Platz teilen, ist Fügung. Jedenfalls hätte sich das kein Drehbuchschreiber besser ausdenken können: Welches der beiden Biere besser schmeckt, ist in vielen Szenebars eine Glaubensfrage. Und solche sind per se nicht abschliessend zu beantworten.

Kurz erwähnt werden soll auch noch die nächste Platzierung: Es ist s’Bier aus dem Seefeld. In einer alten Scheune an der Flühgasse wird es gebraut, zu den Gründern der Brauerei gehört unter anderem Urs Egger, der dieses Frühjahr für den Stadtrat kandidiert hat. Ihn dürfte es besonders ärgern, dass es fürs Podest wieder nicht ganz gereicht hat.

Elf Biere hat die Jury im Sankt Meinrad konzentriert getestet. Einige der Degustatoren haben das Bier sogar ausgespuckt, wie man es von Weintastings her kennt - wie es beim Gerstensaft aber nicht Usus ist. Als die Gruppe am Ende erfährt, wen sie zum Sieger erkoren hat, wird die Laune in der Runde beinahe bierselig: «Hirnibräu? Da produziert einer Bier an der Winzerstrasse?», lacht Weinkenner Philipp Schwander. «Der muss ein rechtes Hirni sein.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2010, 02:02 Uhr

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