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Martin Graf soll Hans Hollenstein verdrängen

Aktualisiert am 27.08.2010

Der Stadtpräsident von Illnau-Effretikon will Regierungsrat werden. Seine Nomination in der grünen Partei ist so gut wie sicher, seine Wahl weniger. Sozialdemokraten, EVPler und Grünliberale sollen zu Grafs Wahlhelfern werden.

Von Daniel Schneebeli

Zürich – Die Grünen wollen mit einem Altbekannten einen Sitz im Regierungsrat zurückerobern: Der Parteivorstand schlägt der Mitgliederversammlung vom 27. September den 56-jährigen Martin Graf als Kandidaten vor. Er ist seit 12 Jahren Stadtpräsident in Illnau-Effretikon und war bereits in den Gesamterneuerungswahlen 2007 Kandidat. Er wurde damals gewählt, schied aber wie der Grünliberale Martin Bäumle als überzählig aus.

Gemäss Philipp Maurer, Co-Präsident der Grünen, hat der Vorstand einstimmig entschieden. Graf sei ein entscheidungsstarker, erfahrener Exekutivpolitiker. Maurer rechnet fest mit der parteiinternen Nomination Grafs. Neben der Eroberung eines Sitzes wollen die Grünen einen Richtungswechsel im Regierungsrat herbeiführen. Maurer sieht vor allem Chancen, Hans Hollenstein (CVP) zu verdrängen: «Sein Sitz wackelt stark.»

Für die Wende im Regierungsrat müsste aber noch ein weiteres bisheriges bürgerliches Mitglied abgewählt werden. Um dies zu erreichen, wollen die Grünen Allianzen eingehen. Laut Maurer ist das Zusammenspannen mit der SP fast sicher. Er könnte sich dazu auch eine Verbündung mit den Grünliberalen vorstellen. Wenn diese zur Wahl antreten, werden sie das wahrscheinlich wieder mit Nationalrat Bäumle tun. Wie Bäumle gestern sagte, wird er bis Ende September entscheiden, ob er antritt oder nicht. Bereits bekannt ist die Kandidatur von Nationalrätin Maja Ingold (EVP). Auch eine Allianz mit ihr sei für die Grünen denkbar, sagte Maurer.

Bei SVP, FDP und CVP sind die Kandidaturen der fünf bisherigen Regierungsräte bekannt. FDP und CVP werden voraussichtlich keine weiteren Kandidaten bringen. Möglich ist, dass die SVP einen zusätzlichen dritten Sitz anpeilt. Der Parteivorstand wird laut Nationalrätin Natalie Rickli demnächst einen Grundsatzentscheid fällen. Zu einer allfälligen persönlichen Kandidatur sagt die 33-Jährige: «Diese Frage hat sich mir noch nie gestellt. Im Moment fühle ich mich für eine solche Aufgabe zu jung.»

Für Martin Graf hingegen könnte die Kandidatur die letzte Chance sein.

Herr Graf, wäre eine Wahl die Krönung Ihrer politischen Laufbahn?

Es wäre eine Herausforderung, eine Weiterentwicklung, aber keine Krönung. Ich empfinde meine Tätigkeit im Stadtrat von Illnau-Effretikon als sehr erfüllend.

Sie rechnen also mit weiteren Karriereschritten?

Nein, das nicht. Mehr als Regierungsrat liegt für mich nicht drin.

Sie bezeichnen sich als Exekutiv-politiker. Wie wichtig ist Ihnen das Parteiprogramm?

Ich bin ein Realo-Grüner mit einigen wertkonservativen Ansätzen. Ich vertrete ein ländliches Genre. Trotzdem bin ich durch und durch ein Grüner.

Sie würden sich also als Regierungsrat ans Parteiprogramm halten?

In einer Exekutive hat das Parteiprogramm zweite oder dritte Priorität. Ein Regierungsgremium muss gemeinsam zu Lösungen kommen, was leider zu wenig geschieht. Es gibt Regierungsräte, die von ihren Parteien aufgefordert werden, mehr Parteipolitik zu machen. Das kann es nicht sein.

Was heisst das für die grüne Kantonsratsfraktion?

Ich erwarte nicht von der Fraktion, dass sie mit den Entscheiden des Regierungsrats immer übereinstimmt, selbst wenn sie aus meiner Direktion kämen.

Würden Sie an den Sitzungen der Fraktion teilnehmen?

Vielleicht wäre das gar nicht gut. Die Fraktion soll möglichst unabhängig entscheiden. Ich wäre dabei, wenn es gewünscht ist.

In der Regel fragen die Politiker ihre Kinder, bevor sie kandidieren. Was sagen Ihre fünf Kinder?

Ich involviere meine Kinder nicht in meine Laufbahnplanung. Ich habe sie nicht gefragt und weiss es darum nicht.

Jacqueline Fehr hat gestern im TA-Interview über ihr Einkommen gesprochen. Als Bundesrätin könnte sie es mindestens verdoppeln. Und Sie als Regierungsrat?

Die Regierungsräte sind sehr gut bezahlt (320?000 Franken). Ich bin aber zufrieden mit dem, was ich jetzt verdiene.

Das Geld spielt für Sie keine Rolle?

Absolut nicht. Wichtig ist, dass einem die Arbeit gefällt. Wenn das nicht der Fall ist, kann das selbst der höchste Lohn nicht kompensieren.

Sie wollen für die linke Wende in der Regierung sorgen, greifen aber vor allem die SP an, die als Einzige einen Sitz neu besetzen muss.

Das sagen Sie. Wer gewählt und wer nicht gewählt wird, entscheiden einzig die Stimmbürger.

Vor vier Jahren sind Sie in der Regierungsratswahl gescheitert. Dieses Schicksal droht Ihnen erneut. Würden Sie ein drittes Mal kandidieren?

Eher nicht. Ich bin jetzt 56-jährig, bei der nächsten Gesamterneuerungswahl wäre ich über 60, das wäre dann wohl zu alt.

Wie gross sind Ihre Wahlchancen?

Mindestens so gut wie das letzte Mal.

Martin Graf

Der Stadtpräsident von Illnau-Effretikon ist Ingenieur Agronom. Er ist im Kanton Schaffhausen aufgewachsen.

Erstellt: 27.08.2010, 22:00 Uhr

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