Millionen von Felchen sind geschlüpft - Nachschub für die Fischer
Stäfa - Mitte Dezember war es, morgens vor sieben und bei gut zehn Minusgraden, als Fischereiaufseher Arno Filli mit seinen Kollegen bei den Berufsfischern im Zürich- und Obersee vorbeifuhr, um den frisch gefangenen Felchen den Laich aus dem Bauch zu streifen (TA vom 18. Dezember). Zurzeit ist Fillis Berufsalltag einiges behaglicher: Morgens und abends fährt er in die fast schon laue Frühlingsluft hinaus, um die geschlüpften Fischchen auszusetzen. Der frisch gestreifte Laich leuchtete anfangs orange in den Flaschen der Fischzuchtanlage bei Stäfa. Mittlerweile bilden die Eier einen dunklen Bodensatz. Oben wedeln die frisch geschlüpften, fingernagellangen und fast durchsichtigen Fischchen in gelblichen Wolken aus Eihäutchen. Noch ernähren sie sich vom Dottersack, doch bald brauchen sie Plankton. Zeit, sie auszusetzen. «Die Fischchen spüren gewaltig den Frühling», sagt Filli zufrieden. Er ist daran, die zappelnde Schar mit einem Sieb in einen Plastikkessel abzufüllen, obenauf schäumt das Eiweiss.Dann füllt er sie in den grossen grünen Wassertank auf seinem Dienstboot um.
Aber wie spüren die Fische hier in der Zuchtanstalt den Frühling? «Am Seewasser, in dem wir sie halten. Ein halbes Grad Celsius mehr, und hier ist der Teufel los.» Der See lacht nicht, wie die Dichter sagen, er liegt ölig glatt und perlmuttern schimmernd im aufziehenden Abend. «Schön ist es, so ruhig», sagt Filli. Im Sommer, da fliehe er vor der Böötliflut in die Berge. Die Jungfische verteilt er gleichmässig auf den See. Heute Abend gehts auf den Obersee, unter dem Hurdner Steg durch. Oben auf dem Etzel und im Wäggital liegt noch der Schnee. Filli öffnet den Hahn des Tanks, und ein Strahl von zappelnden Fischchen ergiesst sich in den See. Einige schöpft er ab und begutachtet sie kritisch. «Wackere Kerlchen», sagt er zufrieden.
Innert kürzester Zeit sind 3 Millionen Fischchen ausgebracht. Im Verlauf von vierzehn Tagen setzt Filli mit seinem Team rund 90 Millionen Felchen aus, von denen so viele die Attacken von Vögeln und Raubfischen überleben, dass der Felchenbestand im Zürichsee gesichert ist. Fischereiaufseher Arno Filli schöpft aus dem Vollen: Im Tank wimmeln rund 3 Millionen frisch geschlüpfte Fischchen aus seiner Aufzucht. Fotos: Beat Marti Eimerweise zappelnde Jungfische. Dunkle Augen, noch glasige Körper. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.03.2010, 02:01 Uhr


































