Zürich
Millionenverluste der Krankenkassen bringen neuen Prämienschub
Von Bruno Schletti, Luzern. Aktualisiert am 10.04.2010
Einem schlechten Jahr folgte ein noch schlechteres. 2008 wies die CSS-Gruppe einen Verlust von 87,6 Millionen Franken aus. 2009 stieg das Minus auf mehr als das Doppelte - auf 195,4 Millionen. «Deutlich, deutlich schlechter als erwartet», kommentiert ein zerknirschter Franz Kappeler, Finanzchef beim Luzerner Versicherer.
Dass die grösste Konkurrentin, die Helsana-Gruppe, ebenfalls mit den Füssen im Wasser steht, ist ein schwacher Trost. Dieser gelang es immerhin, den Verlust von 215 Millionen (2008) auf 58 Millionen (2009) massiv zu reduzieren (TA vom 30. Januar).
Was ist nur los mit den Krankenversicherern? Kappeler nennt zwei Gründe für das Debakel:
Der Abbau der Reserven. Nicht nur Alt-Bundesrat Pascal Couchepin, sondern auch seine Vorgänger haben die Kassen immer wieder dazu gedrängt, vom Ersparten zu zehren. Statt die Prämien zu erhöhen, wurden die Reserven abgebaut. Damit schonten die Politiker die Prämienzahler. Das Problem der Kostenteuerung im Gesundheitswesen wurde damit aber nicht gelöst.
Die unterschätzte Teuerung. Auch im letzten Jahr schaffte es die Politik nicht, die überdurchschnittliche Teuerung im Gesundheitswesen zu dämpfen. Sie beträgt im Jahresdurchschnitt 5 Prozent. Vom Massnahmenpaket 2009 wurden nur Einsparungen von 300 Millionen Franken umgesetzt statt der erhofften 1 Milliarde. Damit wurde die CSS auf dem falschen Fuss erwischt. Sie hat die Teuerung unterschätzt und entsprechend falsch budgetiert.
Damit ist schon heute absehbar, dass die Versicherten auch für das Jahr 2011 mit empfindlichen Prämienerhöhungen rechnen müssen. Allein bei den beiden Grosskassen betrifft dies 2,5 Millionen Versicherte. Noch sei es zu früh für präzise Angaben, sagt Kappeler. «Die Erhöhung wird aber hoch sein - wenn auch unter dem Branchendurchschnitt vom Vorjahr.» Konzernchef Georg Portmann betont, die CSS wolle die Kunden nicht schockieren, sondern berechenbar bleiben. Eine Prämienerhöhung unter dem Jahr schliesst die CSS genauso aus, wie das die Helsana für ihre Kassen tut.
Portmann weiss natürlich auch, dass man mit massiven Prämienerhöhungen die Kunden vertreibt. Die Helsana hat nach ihrem 215-Millionen-Verlust im Jahr 2008 die Prämien überproportional erhöht und prompt 165 000 Versicherte verloren. Die CSS konnte die Abgänge in der Grundversicherung mit rund 16 000 in Grenzen halten. Mit gut 1,3 Millionen Grundversicherten hat sie die Helsana (1,2 Millionen) überflügelt. Gesamthaft hat die Helsana aber immer noch mehr Versicherte als die CSS.
Billigkassen - ein Flop
Beiden grossen Kassen gemeinsam ist, dass sie mit ihrer Multimarkenstrategie gescheitert sind. Beide haben in den letzten Jahren neben ihren angestammten Versicherungen Tochterkassen aufgebaut. Aufgabe dieser Töchter war es, mit tieferen Prämien junge, gesunde Kunden anzulocken.
Auch diese Töchter lösten keine Probleme, sondern leiden genauso unter der Kostenzunahme im Gesundheitswesen. Um die Prämien dennoch tief zu halten, werden diese sogenannten Billigkassen quersubventioniert. Davon wolle man Abstand nehmen, heisst es bei CSS und Helsana übereinstimmend. Damit dürften sich die Prämienunterschiede tendenziell verkleinern. Schon heute gibt es Regionen, wo die Billigkasse nicht billiger ist als das angestammte Produkt. In Luzern sind CSS und Arcosana etwa gleich teuer.
Das Bundesamt für Gesundheit ist längst auf die Schwierigkeiten der Krankenversicherer aufmerksam geworden. Dem Vernehmen nach stehen heute 30 Kassen unter verschärfter Beobachtung - darunter drei der Helsana-Gruppe (Avanex, Aerosana, Sansan) und zwei der CSS (Auxilia und Arcosana). Sie müssen den Behörden monatlich die Geschäftszahlen übermitteln. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.04.2010, 02:03 Uhr


