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Minarettverbot Reaktionen zur Abstimmung über die Initiative «Gegen den Bau von Minaretten» vom 29. und 30. November

Aktualisiert am 01.12.2009

Rot wie die Schweizer Fahne.

Wäre ich ein Kirchturm, ich würde rot vor Scham!

Rolf Zurbuchen, Zürich

Souveränität wider Angst.

Hinter dem Ja zur Initiative verbergen sich diffuse Ängste. Dabei wurde in Kauf genommen, eine unauffällige Minderheit in der Schweiz mit unhaltbaren Verdächtigungen vor den Kopf zu stossen. Angst ist aber ein schlechter Ratgeber und das grösste Hindernis auf dem Weg zur eigenen Souveränität. Steigerungsformen von Angst sind Hass und Aggression, gegen die die Stimme deutlich zu erheben dringend notwendig wäre. Ausdruck wahrer Souveränität ist, die eigenen diffusen Ängste mit wachem Verstand in die Schranken zu weisen. Gewiss ist dies keine einfache Aufgabe, aber gerade deshalb umso wichtiger. Nur der souveräne Mensch im besten Sinn des Wortes ist zu zwischenmenschlichem Zusammenleben fähig. Nötig wäre also mehr Souveränität, gerade bei der Ausübung der Rechte als Souverän.

Semya Ayoubi, Aarau

Gefährdete Toleranz.

Leider wurde die in der Schweiz bis anhin gelebte Toleranz auch in religiöser Hinsicht zum Opfer kurzfristiger populistischer Motive. Die Initianten um Ulrich Schlüer haben wohl selbst nicht mit einer Annahme ihrer Initiative gerechnet. Jetzt müssen sie sich vorwerfen, mit einem von vornherein untauglichen Mittel zur Begegnung einer extremistischen Minderheit auch die gemässigte Mehrheit der Muslime gegen die Schweiz aufgebracht zu haben. Die Annahme der Initiative ist aus meiner Sicht eine Folge davon, dass eine Mehrheit des Schweizer Stimmvolks ausschliesslich das durch die Abstimmungspropaganda verzerrte Bild eines durch und durch extremistischen Islam kennt. Nur eine Minderheit scheint auch mit den schönen Dingen des Islam - zu denen nicht zuletzt die Moscheen mit ihren Minaretten zu zählen sind - in Kontakt gekommen zu sein.

Stefan Kühnis, Zürich

Falsche Politik.

Wenn so viele Nachrichten krasser Verkehrsübertretungen mit tödlichen Unfällen, News von Messerstechereien, Berichte über Sozialhilfebetrüger und so weiter in den Medien erscheinen, bei welchen Einwanderer aus Südosteuropa die Täter sind; wenn unsere Gefängnisse übervoll sind von solchen Leuten, und wenn auch noch islamische Machthaber Atomwaffen bauen oder Schweizer Geschäftsleute als Geiseln nehmen, weil in der Schweiz die Herrschersöhne das Personal nicht verprügeln dürfen; wenn also ganze Gruppen von muslimischen Mitbewohnern unsere Gesetze absolut nicht einhalten, dann muss sich niemand wundern, wenn unser Stimmvolk keine Symbole muslimischer Religiosität akzeptiert. Es ist nicht das Volk, welches falsch entscheidet, sondern unsere Politik, welche viel zu lasch und unentschieden mit diesen Mitbewohnern umgeht.

André Bürgin, Altikon

Eine Schande für die Schweiz.

Das Ja zur Minarett-Initiative ist eine Schande für die Schweiz. Und heute schäme ich mich, ein Schweizer zu sein.

Wolfgang Wellstein, Zürich

Von wegen tolerant und weltoffen!

Eine Mischung aus christlichen «Hasspredigern» und sentimentalen Ewiggestrigen mit Neigung zum Frontismus hat alle Ängstlichen unter ein Zelt gerufen. Daraus ergibt sich für mich der Wunsch, das ständig wiederholte Gerede von der weltoffenen und toleranten Schweiz unter Strafe zu stellen, weil es den Tatbestand der Irreführung erfüllt.

Werner Lang, Winterthur

Wieder Krieg in der Schweiz.

Zürcher, Innerschweizer, Berner und St. Galler haben sich wieder eine grausame Schlacht geliefert mit Elend für die Bevölkerung und vielen Toten. Dies nur, weil die einen reformiert und die anderen katholisch sind. Nein, keine Zeitungsente, sondern die bittere Realität - vor weniger als drei Jahrhunderten (Alter Zürichkrieg, Villmergerkriege). Heute verbietet die multikulturell vorbildliche Schweiz den Bau von Minaretten! Ich schäme mich gegenüber allen Muslimen, die in der Schweiz wohnen, unseren Wohlstand vermehren helfen und vielfach an Stellen arbeiten, wo wir froh darum sind. Ich schäme mich zutiefst, als Schweizer kein Vorbild mehr sein zu dürfen in Sachen Menschenrechte und Toleranz.

Marc Jacob, Dürnten

An die Stimmabstinenzler.

Shame on you, Switzerland! An alle, die diese Initiative angenommen haben, und vor allem an alle Gegner, die zu Hause geblieben sind, anstatt diesem Irrsinn an der Urne eine klare Absage zu erteilen.

André G. Seinecke, Kilchberg

Vorwärts in die Vergangenheit.

Die logische Folge dieses Abstimmungsresultats ist demnächst die Forderung nach einem «Synagogen-Verbot». Damit sind wir der Vergangenheit einen Schritt näher gekommen. Heute schäme ich mich unendlich, Bürger dieses Landes zu sein!

Hansueli Späth, Langnau am Albis

Anliegen der Frauen.

Ich habe die Initiative abgelehnt, weil ich der Ansicht bin, dass die Bundesverfassung nicht der richtige Platz für ein Bauverbot ist. Aber: Skepsis und Misstrauen sind gross. Insbesondere Frauen, welche keineswegs in der rechten Ecke anzusiedeln sind, unterstützten nach meinen Informationen die Initiative. Sie wehren sich gegen Gesellschaftsmuster, welche hart erkämpfte Errungenschaften infrage stellen. Kommt nach dem Minarett der Muezzin? Gelten für Muslime in der Schweiz bald einmal Teile der Scharia? Werden bei kulturell-patriarchalisch begründetem Unrecht beide Augen zugedrückt? Die Mehrheit glaubte den Dementis nicht, und die Variante «Wehret den Anfängen» war offenbar die bessere Option. Der allgemein hilflose Eindruck unserer Regierung - Zuschauerrolle bei der massiven Einwanderung, unglückliches Handeln im Libyenkonflikt - trug nicht eben bei, Vertrauen zu fördern. Wir sind keine intolerante oder rassistische Gesellschaft. Die Mehrheit war jedoch der Meinung, dass bei Ablehnung der Initiative wieder zum Alltagsgeschäft übergegangen wird und die tatsächlichen Probleme weiterhin unter den Teppich gekehrt werden. Vielleicht ermöglichte die direkte Demokratie der Schweiz sogar ein einmaliges Abbild der Befindlichkeit in Westeuropa. Toleranz beruht nämlich auf Gegenseitigkeit - global. Die gut integrierten Muslime in der Schweiz sind damit nicht gemeint, sondern gewisse Ursprungsländer, aus denen nun konsternierte Reaktionen laut werden.

Marianne Grunder, Mönchaltorf

Was kommt als Nächstes?

Die Schweiz schränkt die Angehörigen einer Weltreligion in der freien Ausübung ihres Glaubens ein. Unser Land garantiert die Grundrechte nicht mehr und vergisst alle Fortschritte der Aufklärung der letzten 500 Jahre. Ich fühle mich nicht mehr wohl. Was kommt als Nächstes?

Jonathan van Eerd, Zürich

Miesmacher sind fehl am Platz.

Es ist so peinlich! Kaum ist eine Initiative angenommen, die von unserer Spitzenregierung nicht befürwortet wurde, fängt auch gleich das Jammern und Drohen an. Was jetzt alles passieren kann. Die islamische Welt ist jetzt sehr böse auf uns, die wirtschaftlichen Beziehungen zu den islamischen Ländern werden schwierig, die reichen Touristen aus den Golfstaaten bleiben aus, ja, es sind wahrscheinlich sogar Terrorakte nicht ausgeschlossen. Und der Bundesrat will uns sogar weismachen, dass das Verbot den Menschenrechtskonventionen widerspricht. Liebe Miesmacher und schlechte Verlierer: Der Souverän hat entschieden. Basta. Da gibt es nichts zu zwängeln. Jetzt Angst zu verbreiten, ist jämmerlich und zeugt von schlechtem Charakter.

Rudolf Friederich, Dübendorf

Pfui Schweiz!

Als Schweizer, der seit über dreissig Jahren im Ausland lebt, schäme ich mich heute meiner Staatszugehörigkeit. Zuerst das Verbot von Minaretten und später, werden dann die Moscheen brennen? Mehr noch als das Abstimmungsergebnis entsetzt mich die Reaktion darauf: Es wird die Befürchtung laut, die Gelder aus der arabischen Welt könnten in Zukunft ausbleiben. Pfui Schweiz!

Armand Arnold, Bischberg (D) dipl. theol.

Kampf geht weiter.

Das Abstimmungsverhalten von rund 60 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten macht unser Land zu einer Oase von Intoleranz und Fremdenhass. Ich finde das Abstimmungsresultat beschämend, akzeptiere aber den Entscheid des Volkes und kämpfe weiterhin für den interreligiösen und interkulturellen Dialog.

Seraina Fürer, Schaffhausen

Ruhe für die Nichtgläubigen.

Ich bin entsetzt über die Annahme der Minarett-Initiative. Damit wird den Muslimen das Recht auf Religionsfreiheit und Gleichbehandlung abgesprochen. Die einzige Lösung dieser menschenrechtlich fragwürdigen Situation ist jetzt das zügige Vorantreiben der schon längst fälligen, endgültigen Säkularisierung des Staates. Damit wird Religion für alle Privatsache, und keine Religionsgemeinschaft wird privilegiert. Dann kann endlich auch die grosse Mehrheit der Nichtgläubigen Ruhe vor dem deplatzierten Machtanspruch der Religiösen in allen Lebensbereichen erwarten. Als nächsten Schritt erwarten ich, dass im Sinne der Nichtdiskriminierung und Gleichbehandlung die Belästigung der Bevölkerung mit akustischen Signalen einer verschwindenden Minderheit (Kirchenglocken!) abgestellt wird; das Abreissen der Kirchtürme (Symbole eines veralteten Machtanspruchs derselben lautstarken Minderheit) wäre dann folgerichtig.

Caroline Inauen, Zürich

Der Tag, an dem die Maske fiel.

Anstand, Toleranz und Menschlichkeit, ebenso wie sämtliche christlichen Werte, die uns während des Abstimmungskampfes als Grundlage unserer Gesellschaft gerne vorgehalten wurden, haben wir hinter uns gelassen. Unsere grösste politische Partei hat es geschafft, mit einer Volksinitiative, die absolut nichts mit den überall diskutierten Themen zu tun hatte, Ängste zu schüren. Sie diffamierte eine Religionsgemeinschaft und stellte sie als potenziellen Übeltäter an den Pranger. Genau dasselbe Vorgehen wurde mir in der Schulzeit als Beginn des Nationalsozialismus eingetrichtert und diese politische Bewegung stets als ebenso verurteilenswert wie verwerflich bezeichnet. Der 29. November 2009 ist der Tag, an dem ich aufhörte, stolz zu sein auf meine Schweizer Staatsbürgerschaft.

Regula Schär, Dübendorf

Abgesang.

Am Sonntag ist die liberale Schweiz gestorben. Man hat genau den totalitären Kräften, welche man aufzuhalten hoffte, Tür und Tor geöffnet. Quo vadis, Schweiz? Ich schäme mich.

Roger Wiederkehr, Hüttikon

Initiativrecht überprüfen.

So sehr man die direkte Demokratie in unserem Land auch schätzen mag: Das Minarettverbot schadet der Schweiz und ihrem Ansehen in der Welt immens. Die Schweizer Regierung sollte prüfen, ob das Initiativrecht einer Änderung bedarf. Wenn Volksinitiativen nur noch zugelassen werden, wenn sie im Einklang mit internationalem Recht (Völkerrecht, Menschenrechte etc.) stehen, würden uns solche Geschichten erspart bleiben.

Dimitri Katsoulis, Zürich

Unschweizerisch.

Einfach peinlich, eine Schande für die Schweiz. Heute schäme ich mich, Bürger dieses Landes zu sein.

Michael Maupin, Zürich

Einknicken vor dem Ausland.

Die Frustration der Bevölkerung spiegelt die Leistung der Regierung. Preisgabe des Bankgeheimnisses, Bittgänge nach Libyen, übereifrige Polanski-Verhaftung, Impfchaos, unklare Positionen gegenüber Deutschland, Italien, USA - letztlich ist dies aus Sicht des Volkes ein Einknicken vor dem Ausland mit unkontrollierter Demontage von Gesellschaftsfundamenten. Dazu wird dem Volk systematisch bei jeder Gelegenheit ein EU-Beitritt als letzter Rettungsanker einer schwach gewordenen Schweiz dargestellt. Aufgrund dieser Entwicklungen fanden sich nun bei der besorgten Bevölkerung Mehrheiten. Ein deutliches Signal für eine selbstbewusstere, volksnahe politische Arbeit in Bern.

Roland Voser, Cademario

Weiterführende Debatte.

Der neue Verfassungsartikel bewirkt, dass nun von allen Seiten Bereitschaft signalisiert wird, ernsthaft das Islam-Problem zu diskutieren. Und solange die Diskussion anhält, wird kaum jemand die Symbolhaftigkeit des Minarettverbots vergessen. Ein Nein zur Initiative wäre vermutlich von den Vertretern des wahren Islam als Zustimmung zum korrekt interpretierten Koran gewertet worden, und die dringend notwendige Debatte würde ausbleiben. Zu einer weiterführenden Debatte gehören allerdings Leute, die die Probleme sehen wollen, und nicht nur solche, die ihre Glaubensgrundlagen aufgrund höherer Gewalt nicht infrage stellen dürfen.

Markus Gasser, Freiburg

Ein Freudentag.

Endlich hat das Schweizervolk das tiefliegende Unbehagen gegen den Islam und viele seiner Vertreter klar zum Ausdruck gebracht. Es ist zwar schon sehr spät, aber besser spät als nie. Die zukünftigen Generationen werden das auszulöffeln haben, was uns seit dreissig Jahren eingebrockt wurde. Heute ist jedenfalls ein Tag der Freude! Ich hoffe, dass bei Zwangsehen, Beschneidungen und Gewalt nun endlich nicht mehr weggeschaut wird!

Rolf Bianchi, Rorbas

Problematisch-selbstgefällig.

Die SVP löst in ihrer selbstgefälligen Art die Probleme nicht, sondern sie schafft dort welche, wo gar keine waren. Ich bin entsetzt, und ich schäme mich, Schweizerin zu sein!

Susanne Knecht, Zürich

Erstellt: 01.12.2009, 02:01 Uhr

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