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«Miserables Aushängeschild für die Stadt»

Aktualisiert am 20.05.2010

«Taxifahrer verkommen zu Working Poors.»

Glücksspiel für Kunden.

Immer häufiger erlebe ich total missgelaunte Taxifahrer. Ich erlebte noch die Zeiten, wo die Chauffeure einem die Türe öffneten. Mittlerweile ist es zum Glücksspiel geworden, einen freundlichen Fahrer zu erwischen. Im Winter musste ich am Bellevue das Taxi dreimal wechseln, weil mich die Fahrer nicht zum Uni-Spital chauffieren wollten. Der Weg war ihnen zu kurz, die Einnahme zu klein. Zu Weihnachten wollte ich einen kleinen Tannenbaum transportieren. Alle verweigerten den Auftrag, weil es ihnen zu umständlich war. Es hat zu viele Taxis, die Fahrer stehen zu lange rum, langweilen sich, verdienen schlecht und drehen sich in einem Teufelskreis von Missmut und Missgunst. Man muss das Taxigeschäft regulieren. Es kann sich nicht selbst regulieren, weil ich als Kunde keine Auswahl habe. Wähle ich in der Warteschlange ein Taxi, das mir entspricht, werde ich von den anderen Taxifahrern angepöbelt und darauf hingewiesen, dass ich das vorderste Taxi nehmen müsse. Das stimmt aber nicht. Das Geschäft ist durch das Überangebot verkommen. Ein miserables Aushängeschild für die Stadt!

Federico Emanuel Pfaffen, Zürich

Es braucht anständige Löhne.

Der Markt bei den Taxifahrern der Stadt Zürich ist weltweit offen. Ein Schweizer tritt also in Konkurrenz mit einem Afrikaner (z. B. aus Burundi, Jahreseinkommen pro Kopf ca. 100 Dollar). Durch Heirat ist eine solche Person schnell in der Schweiz und wird auch mit einem sehr tiefen Lohn zufrieden sein. Dies ist verständlich, und man kann es der Person nicht einmal übelnehmen. Bei 2000 Franken im Monat verdient dieser Fahrer plötzlich 240-mal mehr als durchschnittlich in Burundi. Ein Schweizer, der nicht in einem Campingwagen leben möchte, hat bei diesem Lohn aber keine Chance, sein Leben zu finanzieren! Mit einer Begrenzung der Anzahl Taxifahrer könnte man die Qualität steigern. Zusätzlich braucht es Zulassungsprüfungen und Qualitätskontrollen.

Jürg Meuli, Zürich

Zahl begrenzen und zwei Tarife.

Der Dachverband des Stadtzürcher Taxigewerbes (DVST), dessen Präsidenten der TA interviewt hat, vertritt ausschliesslich die Interessen der Taxizentralen. Diese üben eine reine Vermittlungstätigkeit aus, sie betreiben nicht eines der rund 800 angeschlossenen Taxis. Der Dachverband ist massgeblich für die Misere im Zürcher Taximarkt verantwortlich. Während Jahren glänzte der DVST durch seine Passivität: Das Problem der Fahrtenverweigerung am Hauptbahnhof wurde einfach ignoriert und die Regionaltaxis wurden durch ein Verbandsmitglied aktiv gefördert. Die neue Taxiverordnung der Stadt wurde ebenfalls durch ein Mitglied des DVST juristisch blockiert. Das Motiv ist klar: Die rund 700 Taxis ohne Funkanschluss sollten aus dem Markt verdrängt werden. Das erschien dem DVST viel einfacher, als juristisch für eine Begrenzung der Taxis zu kämpfen, obwohl Winterthur in dieser Zeit erfolgreich eine Begrenzung eingeführt hat. Jetzt wird der DVST versuchen, den Standplatz HB exklusiv für Funktaxis zu gewinnen, um uns Taxis ohne Funkanschluss zu verdrängen. Niemand will einen Bazarhandel. Warum führt die Stadt nicht zwei Taxitarife ein? Einen für Funktaxis und einen für Nicht-Funktaxis. Dann würde der Wettbewerb spielen, und der Konsument hätte die freie Wahl.

Stefan Löble Zürich (Vizepräsident Taxiverband Zürich)

Zu strenge Vorschriften.

Gut ausgebildete mehrsprachige und langjährige Mitarbeiter werfen frustriert das Handtuch. Am Markt kann sich nur noch behaupten, wer bereit ist, für weniger als 15 Franken in der Stunde zu arbeiten, Ferien- und Krankengeld inklusive! Nacht- und Sonntagsarbeit, die 12-stündige tägliche Präsenzzeit, die immer anspruchsvollere Kundschaft und die Verkehrsdichte machen die Arbeit nicht leichter. Fest montierte Radarfallen und mobile Polizeikontrollen tun ihr Weiteres dazu, dass Taxifahrer zu Working Poor verkommen. Eine Familie, bestehend aus den Eltern und drei vorschulpflichtigen Kindern, nach einer Familienfeier nach Hause zu chauffieren, kann ein Lohnausfall von einem Tag bedeuten, weil die neu obligatorischen 3 Kindersitze aus Platzgründen gar nicht montiert werden können. Eine lukrative Fahrt nachts um 2 von Zürich nach Lausanne muss verweigert werden, weil man schon 3 Stunden am Bahnhof unproduktiv gewartet hat und somit die gesetzliche Ruhezeit nicht einhalten könnte. Abschaffung der Lenk- und Ruhezeitverordnung (Nicht der Höchstarbeitszeit), Gleichbehandlung der Taxis bei den Kindersitzen mit dem ÖV, Beschränkung der Konzessionen, schweizweites Benutzen von Busspuren für Taxis sind die dringendsten Sofortmassnahmen, um aus uns Taxibesitzern wieder selbstbewusste, hilfsbereite und freundliche Fahrer zu machen.

Felix Meyer, Trimbach Die grosse Zahl von über 1500 offiziell zugelassenen Taxis ist ein Problem - für Taxifahrer und Kunden. Foto: Matthias Jurt

Erstellt: 20.05.2010, 02:00 Uhr

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