Neue Kunden sucht Tit-Pit nicht mehr
Von Stefan Krähenbühl
Fehraltorf – Die Migros sei heute der wichtigste Kunde der Fehraltorfer Firma Tit-Pit, sagt Geschäftsführer Stefan Schmid. Seit der Grossverteiler die Zusammenarbeit vor drei Jahren mit ihm aufgenommen habe, sei sein Unternehmen stark gewachsen. Im Mittelpunkt steht dabei ein kurioses Plastikspielzeug, das die Migros vor eineinhalb Jahren an der Kasse verschenkte. Mit diesen sogenannten Nanos eroberte sie vor allem die Kinderherzen. Bald schon wurde von einem Nanofieber gesprochen. Über 50 Millionen Stück verteilte die Migros, der Gegenwert auf Umsatzebene betrug mehr als 1 Milliarde Franken. Damit dürfte die Aktion bis dato die erfolgreichste Maniaaktion des Grossverteilers gewesen sein.
Von diesem Hype profitiert hat Stefan Schmid und seine Tit-Pit. Das Unternehmen ist im Bereich Eventlogistik Exklusivpartner der Migros. Damit ist Tit-Pit nicht nur bei Kinderkonzerten und Promotionen involviert, sondern steht auch bei allen Maniaanlässen an vorderster Front. Ein lukratives Engagement.
Doch nicht nur die Migros ist Kundin von Stefan Schmid. Ob Novartis, Coca-Cola, SBB und Swissmilk bei der Eventorganisation oder Musikfestivals wie Gampel, Greenfield und Frauenfeld bei der Sponsoring Beratung: Die Fehraltorfer Eventfirma gehört in der Branche längst zu den grössten Playern.
Von Patent Ochsner zu Techno
Angefangen hat die Erfolgsgeschichte vor fast 20 Jahren. Damals gründete Schmid – frisch von der Handelsschule – mit einem Kollegen die Tit-Pit GmbH. Das Ziel: die Organisation eines Patent-Ochsner-Konzerts im Ustermer Stadthofsaal. Unerwartet trug der Plan Früchte. Grossveranstalter wie Goodnews wurden auf die Jungunternehmer aufmerksam und machten Tit-Pit zum Eventdienstleister. Nach weiteren Konzerten – unter anderem dem ersten Gotthard-Konzert im Zürcher Volkshaus – folgte 1995 ein für die Firma fast historisches Event. Im Rahmen der Shopville-Eröffnung veranstaltete sie am Zürcher Hauptbahnhof eine Technoparty. Es war die Geburtsstunde der Mainstation, die noch heute im Rahmen der Street-Parade weitergeführt wird und jährlich rund 10 000 Personen anzieht.
Dass die grösste Technoparty des Landes ihren Ursprung in Fehraltorf hat – und im Übrigen noch heute zum Unternehmen gehört –, hängt Schmid nicht an die grosse Glocke. Zu wenig kann er sich heute mit dem Anlass identifizieren. «Die Party ist nicht mehr das, was sie einmal war», sagt er. «Sie ist so gross geworden, dass sie am eigenen Erfolg gescheitert ist.» Will er für seine Firma werben, nennt er andere Anlässe. Beispielsweise die Bundesrats- und Nationalratsfeiern, die die Firma für die Zürcher Staatskanzlei durchführt.
Auch ohne Neukunden stabil
Der Eventmarkt ist hart umkämpft. Ständig ringen neue Firmen um Aufmerksamkeit. Viele scheitern. Warum hat es gerade bei Tit-Pit geklappt? «Wir haben Pflichtbewusstsein stets über reines Networking gestellt», sagt Schmid. Natürlich müsse er auch mal Klinken putzen, um sich einen Namen zu machen. Aber Bekanntheit allein sei kein Erfolgsgarant. Heute ist der Eventbereich bei Tit-Pit ein Selbstläufer. Kunden akquiriert das Unternehmen keine mehr. Man freue sich zwar über Neukunden, sagt Schmid. Angewiesen sei man darauf aber nicht.
Das starke Wachstum der letzten drei Jahre macht sich auch auf personeller Ebene bemerkbar. Der Bestand stieg innert drei Jahren von 12 auf 30 Personen. Allein im Januar verpflichtet Tit-Pit 3 weitere Mitarbeiter. Treibende Kraft sind die Sparten Eventorganisation und Eventlogistik, die gut 70 Prozent zum Umsatz von 10 Millionen Franken beitragen. Den zweitgrössten Umsatzanteil generiert mit 20 Prozent der Bereich Sponsoring. «Die beiden Bereiche wachsen gemeinsam», sagt Schmid. «Sie befruchten sich quasi gegenseitig.»
Positiven Entwicklungen zum Trotz wird die Zukunft von Tit-Pit stets von Fragezeichen begleitet. Prognosen sind dabei fast unmöglich. Besonders schwierig gestaltet sich die Planung beim Mobile-Marketing, einem Bereich der Abteilung Comhouse.ch.
Als der Geschäftsbereich 2005 eingeführt wurde, boomte der Markt für Klingeltöne. Spätestens seit dem Siegeszug der webfähigen Smartphones ist der Markt für Klingeltöne und Handybilder zusammengebrochen. Die Geschäftseinheit Comhouse.ch hat an Umsatzanteil eingebüsst. In ihrer heutigen Grösse ist sie dank den Gewinnspielen allerdings stabil, wie Stefan Schmid betont. Gut möglich, dass sich das in Zukunft bereits wieder ändern wird. Seit einiger Zeit bietet Tit-Pit eine sogenannte Bluetooth-Box an, die Direktwerbung auf Handys ermöglicht. Und das funktioniert so: Passiert ein Besucher an einem Konzert die Box, sendet sie ein SMS mit der Aufforderung, Infos zu einem anstehenden Konzert herunterzuladen. Und trägt das Konzert im persönlichen Kalender ein.
Ständig bereit sein
Bislang hält sich die Nachfrage nach der Technologie in Grenzen. Ob sich die Box durchsetzt, kann Schmid nicht einschätzen. «Wir müssen ständig bereit sein, auf steigende Nachfragen zu reagieren», sagt er. «Und falls das Produkt doch nicht auf Akzeptanz stösst, können wir es immer noch bei eigenen Events einsetzen.»
Geschäftsführer Stefan Schmid: «Wir stellen Pflichtbewusstsein stets über reines Networking.» Foto: David Kündig
Erstellt: 17.01.2012, 06:26 Uhr


































