Ozeandampfer unter dem HB auf Kurs

Ausgerechnet unter dem hektischsten Platz der Schweiz liegt eine der spektakulärsten Baustellen - von der Öffentlichkeit praktisch unbemerkt.

Unter der alten Post wird ein Verstärkungsrohr eingebaut.

Unter der alten Post wird ein Verstärkungsrohr eingebaut. (Bild: Reto Oeschger)

Unter diesem Zwischenboden beginnt bald der Aushub für die neue Bahnhofshalle.

Unter diesem Zwischenboden beginnt bald der Aushub für die neue Bahnhofshalle. (Bild: Reto Oeschger)

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Was tief unter den Gleisen im Hauptbahnhof und unter der denkmalgeschützten Bahnhofshalle abgeht, ist gigantisch. Es wird gebuddelt, gebohrt und betoniert. Mit einem grossen Ziel: Im Dezember 2013 soll der neue viergleisige Durchgangsbahnhof 16 Meter tief unter den Gleisen 4 bis 9 fertig sein. Gegen Osten führt vom Bahnhof aus der fünf Kilometer lange Weinbergtunnel unter der Limmat und dem Zürichberg durch nach Oerlikon. Gegen Westen entstehen zwischen Langstrasse und Altstetten zwei insgesamt 1,5 Kilometer lange Brücken über den Gleisen.

An der gestrigen Medienführung hatten die SBB nur positive Meldungen bereit. «Wir sind sowohl zeit- als auch kostenmässig voll im Plan», sagte Projektleiter Roland Kobel gestern. Von den 2 Milliarden Franken sind bisher 730 Millionen verbaut. Der Weinbergtunnel ist von Oerlikon her zu 60 Prozent durchbohrt; die Bohrmaschine arbeitet zurzeit unter der Klinik Bethanien, der separate Flucht- und Rettungsstollen ist bereits bis unter die ETH Gloriastrasse ausgebrochen. Im Bahnhof wird zurzeit 10 Meter unter den Gleisen an der Decke des künftigen Bahnhofs gearbeitet.

Wichtige Wetterprognosen

Zwei Probleme begleiten die Bauarbeiten: das Wasser und der Verkehr. Der neue Bahnhof schwimmt wie ein riesiger Ozeandampfer im grössten Grundwasservorkommen des Kantons. Der S-Bahnhof Museumstrasse musste verankert werden, damit er durch den Auftrieb nicht nach oben drückt. Der neue Bahnhof Löwenstrasse dagegen ist durch die vielen Aufbauten so schwer «beladen», dass er keinen Auftrieb erzeugt. Das Grundwasser stört aber beim Bau, weshalb mit Pumpen und Leitungen pro Minute 15 000 Liter abgesogen und abseits des Bahnhofs wieder dem Grundwasser zugeleitet werden.

Das zweite Problem ist die Sihl, die in fünf Kanälen unter dem HB durchfliesst. Immer zwei Kanäle werden mit Schleusen trocken gelegt, damit die seitlichen Bahnhofwände «abgetieft» und betoniert werden können. «Wir sind dabei auf zuverlässige Wetterprognosen angewiesen», sagt Projektleiter Kobel. Wenn die Sihl so viel Wasser führt, dass die drei verbleibenden Kanäle nicht reichen, müsste die Baustelle geflutet werden. Wenn grosse Niederschläge angesagt sind, wird deshalb der Sihlsee in Einsiedeln frühzeitig geleert, damit er die Gewitterfluten aufnehmen kann.

Aushub füllt 800 Kieszüge

Besonders heikel sind die Aushubarbeiten unter dem Bahnhofgebäude. 8 Meter unter dem Bahnhofniveau sind zwei 100 Meter lange Stollen gebohrt worden, die mit 29 Querkanälen verbunden werden.

Dieses System bildet wie bei einem Blockhaus ein tragfähiges Dach. In den Stollen heben Schlitzbagger die seitlichen Wände aus. Sobald Wände und Decke stabil sind, kann mit dem Aushub der Perronhalle begonnen werden. Kobel rechnet mit 800 000 Tonnen Kies, die mit 800 Güterzügen nach Hüntwangen gefahren werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.10.2009, 15:47 Uhr

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