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Polizei und ZVV entschuldigen sich bei 12-jährigem Mädchen

Aktualisiert am 10.01.2012

Weil die zwölfjährige Pamela sich bei einer Billettkontrolle in Wetzikon nicht ausweisen konnte, wurde sie von einer Polizistin gefilzt. Die Mutter ist darüber empört.

Von Isabel Heusser

Wetzikon – Noch immer ist Prisca Tortorici entsetzt über das, was ihrer Tochter Pamela am Mittwochmittag in Wetzikon passiert ist: Weil sie kein gültiges Billett hatte und sich nicht ausweisen konnte, wurde ihre zwölfjährige Tochter von einer Polizistin durchsucht und abgetastet. Sie sei dabei wie eine Verbrecherin behandelt worden.

Die Zwölfjährige war nach dem Musikunterricht im Bus nach Hause unterwegs, als sie in eine Billettkontrolle geriet. Das Mädchen hatte vergessen, ihre Mehrfahrtenkarte abzustempeln. Also nahmen die beiden Kontrolleure im Bus ihre Personalien auf, und sie bekam eine Busse. «Meine Tochter hat sich furchtbar geschämt und ist deshalb bei der Haltestelle Oberwetzikon mit den Kontrolleuren ausgestiegen», sagt Tortorici. Die Kontrolleure hätten sie gefragt, ob sie einen Ausweis dabeihabe. «Aber welche Zwölfjährige hat das schon?», fragt die Mutter. Die Tochter habe nur ihr Handy und ihre Notenblätter auf sich getragen. Zwei Kantonspolizisten kamen dazu, die den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) bei der Kontrolle im Bus begleiteten. «Dann standen sie zu viert vor Pamela.»

Aus Angst Ja gesagt

Die ZVV-Kontrolleure hätten das Mädchen nach ihrem vollen Namen und nach jenem der Mutter gefragt und die Familie im elektronischen Telefonverzeichnis gesucht. Die Tochter wurde im Telefonbuch gefunden, die Mutter dagegen nicht. Die beiden haben einen unterschiedlichen Nachnamen. «Statt mich anzurufen, fragte die Polizistin Pamela, ob sie sie nach einem Beweis untersuchen dürfe, dass sie wirklich so heisse.» Aus Angst habe das Mädchen Ja gesagt. «Die Polizistin hat meine Tochter daraufhin nach einer ID abgetastet bis zu den Füssen», sagt Tortorici. «Das war schlimm für sie. Wenn sie einen Ausweis gehabt hätte, hätte sie den gezeigt.»

Währenddessen wartete die Mutter auf ihre Tochter und wunderte sich, warum sie nicht zur üblichen Zeit nach Hause kam. Als Pamela schliesslich anrief, sei sie aufgelöst gewesen und habe Angst gehabt. Prisca Tortorici ärgert sich über die Polizisten und Kontrolleure. «Unglaublich, dass mich niemand angerufen hat», sagt sie. «Das hätte man anders lösen können.» Genau für solche Fälle habe Pamela ein Handy. «Dass sie eine Busse bekommen hat, kann ich akzeptieren. Aber dass sie gefilzt wurde, weil sie keinen Ausweis dabeihatte, verstehe ich nicht.»

Die Billettkontrollen in den VZO-Bussen werden vom ZVV durchgeführt. «Was am Mittwoch passierte, ist sicher ein Ausnahmefall», sagt ZVV-Mediensprecher Thomas Kellenberger. Man habe sich deshalb bei Prisca Tortorici entschuldigt. Normalerweise seien die Kontrolleure ohne Polizei unterwegs. Bisweilen gebe es aber geplante gemeinsame Einsätze. Wenn eine Patrouille dabei sei, könne diese zur Abklärung unbekannter Personalien beigezogen werden. «Auf das konkrete Vorgehen der Polizei haben die Kontrolleure keinen Einfluss.» Das ZVV-Personal werde im Umgang mit Kindern besonders geschult. «Wenn Polizisten dabei sind, hat das eine grosse Wirkung auf Kinder, das ist uns bewusst.» Das Mädchen so zu erschrecken, sei nicht die Absicht gewesen. «Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände.» Weil der Name des Mädchens nicht in der Kundendatenbank erschienen sei, hätten die Kontrolleure einen Ausweis verlangt.

Cornelia Schuoler, Mediensprecherin der Kantonspolizei, hat Verständnis dafür, dass Prisca Tortorici beunruhigt ist über den Vorfall. Sie sagt aber: «Die Polizistin hat das Mädchen nach einem Ausweis durchsucht. Das ist üblich, wenn sich jemand nicht identifizieren kann.» Die Polizei schreite dann ein, wenn es zu Unstimmigkeiten komme – das sei hier der Fall gewesen, weil Mutter und Tochter verschiedene Nachnamen hätten.

Nachdem sich sowohl der ZVV als auch die Kantonspolizei bei Prisca Tortorici entschuldigt haben, haben sich die Wogen geglättet. Tortorici will ihre Tochter künftig mit einem Ausweis ausstatten und hofft, dass ihrer Tochter so eine weitere Körperkontrolle erspart bleibt. Sie sagt: «Kinder sollen in solch einer Situation ihre Eltern anrufen können. Sie dürfen keine Angst davor haben, das zu sagen.»

Erstellt: 10.01.2012, 06:29 Uhr

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