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Rauchverbot macht Wirte wütend - und kreativ

Von Thomas Bacher. Aktualisiert am 27.04.2010

Oberländer Wirte sind unterschiedlich vom Rauchverbot betroffen - und reagieren nach ihren Möglichkeiten. Während die einen Fumoirs einrichten, schicken die anderen ihre Gäste an die frische Luft und hoffen auf warme Witterung. Fluchen tun die meisten.

Oberland - Der Rauch von Stumpen und Zigaretten gehört zum Inventar im Feldegg, einer typischen Feierabendbeiz in Uster. «Die meisten Gäste rauchen und zudem alle Mitarbeiter», sagt Wirt Urs Iselin, der sich auch gerne mal eine Krumme anzündet. Ab 1. Mai wird nur noch in der Gartenwirtschaft geraucht - für Iselin nicht die schlechteste Alternative. Denn der Garten sei gemütlich und vom Wind geschützt. Ein Fumoir lässt sich nicht realisieren. Dafür müsste er den Saal halbieren, und der wäre dann für nichts anderes mehr zu gebrauchen. Und teuer sei so eine Lösung auch. Iselin fühlt sich vom Gesetzgeber bevormundet und befürchtet eine Umsatzeinbusse. Er hoffe nur, dass diese nicht so hoch ausfallen werde wie 2005, als die 0,5-Promille-Grenze eingeführt wurde. Damals seien die Einnahmen vorübergehend um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen. «Immerhin», so Iselin, «herrschen für alle Wirte die gleichen Bedingungen.»

Rauchverbot als Katastrophe

Für Anni Reichle ist das Rauchverbot «eine Katastrophe». Die Gemütlichkeit werde leiden, weiss die Dübendorferin, die seit 43 Jahren im Gastgewerbe arbeitet. Die Gelegenheitsraucherin rechnet mit einer Umsatzeinbusse von bis zu einem Drittel. Dann müsste sie mindestens eine Aushilfe entlassen, sagt Reichle. Klar, dass die Unterschriftenbögen für die Volksinitiative «Für ein liberales Rauchergesetz» in ihrer Sternenbar rege genutzt werden. Kampflos will sie das Verbot nicht hinnehmen. So hat sie den separaten kleinen Speisesaal zum Fumoir umfunktioniert. Die Lüftung war schon vorhanden. Zudem hat sie draussen eine Stehbar hingestellt. «Doch damit könnte es dann auch vermehrt zu Lärmklagen kommen.»

Nicht ganz so schwarz malt hingegen Arnold «Noldi» Gubler, Inhaber des Dante Pub in Pfäffikon. Zwar sieht auch er das Rauchverbot als Eingriff in die persönliche Freiheit. «Und es muss ja auch niemand in ein Pub rein, in dem geraucht wird.» Dennoch geht er in seinem Fall - wenn überhaupt - nur von kurzfristigen Einbussen aus. «Bis sich die Leute daran gewöhnt haben», vermutet Gubler. Mittelfristig sei auch ein Auftrieb möglich. Denn es gebe viele Leute, die einfach nicht mehr nach Rauch stinken wollten - oder dürften, wie etwa Aussendienstmitarbeiter. Ein Fumoir wolle er nicht in seinem Pub, sagt der Zigarrenraucher. Das sei zu teuer und passe nicht ins Konzept. «Und dann kommt die Lungenliga mit ihrer neuen Initiative durch - und schon sind auch Fumoirs verboten.» Für draussen plant er dagegen eine wetterfeste Einrichtung.

Ein ganzes Lokal als Fumoir

Nicht gänzlich ausgeraucht ist im Gastrobetrieb von Reto Kuhn in Effretikon - der QN-World mit Restaurant, Bar, Lounge und angeschlossener Wein-, Zigarren- und Delikatessenhandlung. Denn die Lounge mit separatem Eingang wird künftig der Raucherraum sein. In der Bar dagegen rechnet der Genussraucher mit bis zu 10 Prozent weniger Umsatz. Ebenso im Restaurant, wo die Leute nun einfach nicht mehr bei einer Zigarre und einer weiteren Flasche Wein sitzen blieben. Das Problem sei halt, dass viele Raucher nicht abstimmen gegangen seien, «und die fluchen jetzt», weiss Kuhn. Und dem Personal bringe das Verbot überhaupt nichts, da die meisten Leute im Gastgewerbe ohnehin selber Raucher seien. Stattdessen hätte er sich vernünftige und individuelle Lösungen gewünscht: «Ein Rauchverbot während der Essenszeiten zum Beispiel wäre absolut sinnvoll.»

Speziell ist die Situation im Hirschen Hinwil, wo im Restaurant und dem angrenzenden Stübli weiterhin geraucht werden darf. Dies, weil die beiden Räume - wie vom Gesetz vorgeschrieben - höchstens ein Drittel der Gesamtfläche des Betriebs ausmachen. Denn zum Hirschen gehören ausserdem noch ein grosser Saal und ein Wintergarten. Trotzdem findet Nicole Baumgartner das Verbot «eine Frechheit». Die stellvertretende Geschäftsleiterin hat Mitleid mit den anderen Gastrobetrieben im Ort, die zum Teil kein Fumoir realisieren könnten. Aber auch im Hirschen rechnet die Nichtraucherin mit Einbussen. Sie befürchtet, dass der Saal künftig weniger gebucht wird. Das Rauchverbot sei schlecht für das Gastgewerbe, ist sich Nicole Baumgartner sicher. Denn seitdem das Gesetz in St. Gallen gelte, erhielten sie von dort deutlich mehr Bewerbungen von Personal, das keinen Job mehr finde.

«Piraten» fürchten sich nicht

Keine Angst vor dem Verbot hat man im Pirates in Hinwil. «Wir können damit leben, auch wenn ich gegen eine Regulierung bin», sagt Andi Gröbli, Teilhaber und unerschrockener Navigator des Unternehmens. Ein Fumoir gibt es nicht, rauchen dürfen die Gäste auf dem Piratenschiff, also in der «Gartenwirtschaft» vor dem Haus. Eher ein Gag ist das Einpersonenfumoir - eine Art überdimensionierter Glashelm mit Abzug, den sich Raucher in der grössten Not überstülpen können. «Wir wollen jetzt erst einmal die nächsten Monate abwarten», sagt der Ex-Raucher. «Dann haben sich die Wogen gelegt und es wird ganz selbstverständlich sein, dass drinnen nicht mehr geraucht wird.» Das Einsammeln der Aschenbecher wird am Freitag um Mitternacht als Teil der Party geschehen. «Wer dann noch raucht, muss eine Runde bezahlen», sagt Gröbli mit einem Schmunzeln. Das Verbot werde man aber auf jeden Fall einhalten. «Denn wir gehen davon aus, dass wir als Nummer-1-Ausgehlokal im Oberland unter besonderer Beobachtung stehen.» Anni Reichle arbeitet seit 43 Jahren im rauchgeschwängerten Gastgewerbe - und möchte nichts anderes. Foto: Nathalie Guinand (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2010, 02:02 Uhr

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