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Sie züchtete erfolgreich Sihlwaldpilze

Von Ev Manz. Aktualisiert am 18.12.2009

Noch vor einem Jahr kannte Anina Gysi das Stockschwämmchen nur dem Namen nach. Heute weiss sie, wie man den würzigen einheimischen Speisepilz züchten kann.

Wädenswil - Am Anfang hatte Anina Gysi nicht daran geglaubt, das Ziel ihrer Seminararbeit zu erreichen. Zu spät war sie im Herbst 2008 zum Pilzen in den Sihlwald aufgebrochen. Die zehn Stockschwämmchen waren nicht mehr frisch. Sie war froh, überhaupt einige Exemplare des würzigen Speisepilzes mit dem runden Goldhut gefunden zu haben. «Ein erster Erfolg», sagt die 27-jährige Studentin. Zu oft wird der Pilz mit seinen giftigen Doppelgängern verwechselt (siehe Box).

Obwohl im Ausland bereits Zuchterfolge mit dem Stockschwämmchen verbucht waren, wollte Gysi für ihr Zuchtprojekt ausschliesslich wilde, einheimische Pilze verwenden. «Zum Schutz der einheimischen Arten», sagt sie, «denn ausländische Pilze könnten unsere einheimischen Arten verdrängen.»

Zielgerichtete Arbeit

Anina Gysi allerdings wusste darüber bis im Sommer 2008 nicht wirklich Bescheid. Ihr Herz schlug für Reptilien und Amphibien, Island und die Segelfliegerei. «Ich kam per Zufall zur Pilzzucht», sagt die Winterthurerin. Als Kind sammelte sie Pilze, später als Köchin schnetzelte sie die Goldhüte in Saucen. An der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), wo Gysi im 6. Semester Naturmanagement studiert, war sie fasziniert vom Pilzgarten.

Für die Semesterarbeit im Sommer 2008 wollte Anina Gysi ein produktorientiertes Thema bearbeiten. Sie dachte an den Pilzgarten und kam auf Pilzfachmann Daniel Ambühl. Er züchtet in Unterterzen Pilze und vertreibt Pilzbruten für den Eigenanbau. Das einheimische Stockschwämmchen fehlte noch in seinem Angebot. «Mir gefiel die Idee, Pilze selbst anpflanzen zu können», sagt Gysi. Und das Arbeitsfeld Umweltbildung hat es ihr ohnehin angetan.

Ungeliebte Feinarbeit

Noch im Sihlwald begann Anina Gysis Feinarbeit. Sorgfältig legte die zierliche Frau die Pilzeköpfe in Petrischalen, um das Sporenmaterial, die Grundlage für die Vermehrung, zu sammeln. Sie erzählt und erzählt, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. «Ich musste mich in die Fachliteratur reinknien», gibt sie zu. Das Praktische habe sie in Ambühls Pilzkursen an der ZHAW gelernt.

Dann kam die Feinarbeit im Labor in Unterterzen, nicht gerade die Lieblingsdisziplin von Gysi. «Mit der Pinzette hantieren, immer mit der Angst, man könnte durch eine Verunreinigung die Arbeit zerstören, war nicht mein Ding», sagt sie. Doch es gelang Gysi, die Sporen auf eine Malz-Hefe-Lösung zu übertragen und sogenannte Strains, Wurzelstränge, zu züchten. Diese gediehen weiter auf der Körnerbrut in PET-Flaschen, später auf Substrat und gewässerten Holzdübeln.

«Es war zwar spannend zu sehen, was nach einer Woche gewachsen war, aber», sagt sie, «es war aufwendig.» So, dass Anina Gysi sogar die letzten Weihnachten im Labor verbrachte, um Holzdübel zu beimpfen und letzte Fotos für die Dokumentation zu schiessen. Was sie besonders freute: Der Pilz vermehrte sich auf dem Kieferndübel. «Eine wertvolle Erkenntnis in unseren Breitengraden mit viel Nadelholz.»

Spannung vor dem Schluss

Noch war das Ziel, ihre Pilze in der freien Natur wachsen zu sehen, fern und an eine Vermarktung des Produkts nicht zu denken. Zuerst musste die Beimpfung im Holz funktionieren. Die Dübel wurden dazu in präpariertes Holz eingeschlagen. Für Gysi war die Arbeit damit abgeschlossen. Ambühl fuhr fort und vergrub im Sommer beimpfte Holzprügel in seinem Garten.

Vor gut einem Monat dann die Erfolgsmeldung aus Unterterzen: Die Sihlwalder Stockschwämmchen wuchsen in freier Natur (siehe Bild). «Das Ende einer Erfolgsstory», sagt Gysi. Irgendwann will auch sie die Pilze in ihrem Garten anbauen - und ernten. Für Ambühl ist der Erfolg bereits jetzt greifbar: Er vertreibt die Pilzbrut des einheimischen Stockschwämmchens, 50 Dübel zu 25 Franken. www.pilzgarten.info

Nach einem Jahr voller Entbehrungen ist Anina Gysi heute Fachfrau für Pilze. Ihre Forschungsobjekte fand sie im Sihltal. Foto: Patrick Gutenberg (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.12.2009, 02:01 Uhr

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