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Viel Bier, laute Musik und wenig Tanz

Aktualisiert am 27.12.2011

Familienfeiern an Heiligabend halten nicht mehr davon ab, die Nacht in einer Bar ausklingen zu lassen. Auch im Oberland öffnen Lokale ihre Tore.

Von Loredana Sorg

Der Weg von der feierlichen und besinnlichen Runde um den Christbaum direkt an die Bar ist am 24. Dezember kurz, zumindest im Zürcher Oberland. «Wir haben zuerst mit der Familie gefeiert, jetzt trinken wir noch ein Bier unter Freunden», erklären zwei junge Männer in der Ustermer Zeughausbar. Ihnen gleich taten es viele Gäste im Pirates in Hinwil, das sich um zwei Uhr nachts zum Bersten voll präsentiert.

An Heiligabend eine Party zu veranstalten, ist längst keine Seltenheit mehr und kann sich auch finanziell lohnen. «Nach dem Weihnachtsessen kommen die Gäste bei uns Grossmutters Geld vertrinken», sagt Pirates-Geschäftsführerin Nicole Kälin. Die meisten anderen Clubs und Bars hätten über die Festtage geschlossen.

Tatsächlich ist das Partyangebot an Heiligabend mager. Die Rampe Bubikon und das Pasadena in Volketswil sind weder am Samstag noch am Sonntag offen, der Beach Club in Hinwil nur am 25. Dezember. «Wir haben in den letzten 15 Jahren gemerkt, dass unsere Gäste am 24. weniger in den Ausgang gehen – und wenn, dann sehr spät», sagt Reto Wüst, Geschäftsführer des Beach Clubs. Am Weihnachtstag hingegen hätten die jungen Leute bereits genug von Familienfeiern und gingen eher in den Ausgang. Genau umgekehrt sieht die Situation Ueli Fritschi, Inhaber und Betreiber der Zeughausbars in Uster: «Der Abend des 24. Dezembers war auch in den vergangenen Jahren recht gut besucht. Die Folgetage hingegen verliefen bedeutend ruhiger, weshalb ich mich entschloss, dann zu schliessen.»

Um Mitternacht ist die Zeughausbar bereits belebt, doch erwartet Fritschi zu späterer Stunde weitere Kundschaft. «Heute sind alle etwas später dran und tauchen erst nach dem Familienschlauch auf», sagt er. Auch seine Mitarbeiter haben mit der Familie gefeiert, bevor sie an der Bar Caipirinhas mixen. Fritschi sagt, dass sich jene treffen, die den Abend im Freundeskreis ausklingen lassen wollen.

Die Konkurrenz schläft nicht

Seine Bar gar nicht öffnen wollte Leo Ibrahimi, Inhaber der Evita-Bar in Wetzikon. «Als sich jedoch die Reservationen für den Abend des 24. Dezembers im Restaurant häuften, beschloss ich, auch den Club zu öffnen», sagt er. Kurzerhand hat er die eigene Familie zum festlichen Abendessen eingeladen. «Wir genossen es, gemeinsam mit unseren Gästen zu feiern», sagt Ibrahimi.

Seine Party «Havana Hotel» steigt jedoch auch kurz vor ein Uhr nicht so richtig, das Publikum der Evita-Bar ist nicht in Tanzstimmung. Ähnlich ergeht es den Veranstaltern der Danza-X-Mas-Party im Staff-Club nebenan. Ausser zwei jungen Besucherinnen, die sich einsam an den Stangen räkelten, bewegte sich um ein Uhr noch nicht viel, trotz lauter Musik. «150 Namen stehen auf unserer Gästeliste», sagte Veranstalter Paulo Marques. «Die meisten kommen erst nach zwei Uhr.» Der Staff-Club öffnete diese Weihnachten zum ersten Mal, da auch seine Konkurrenten Partys veranstalteten und er seinen Gästen deshalb etwas bieten muss.

Schon lange dabei im Weihnachtsgeschäft ist hingegen das Pirates in Hinwil. Live-Musik steht am 24. keine auf dem Programm. Doch Geschäftsführerin Nicole Kälin sagt, die Party gehöre einfach zu Weihnachten. Selbst ihre Stellvertreterin, die heute frei hätte, trinkt ihr Bier im Pirates. Einsam ist hier nur ein kleiner Hund, der, von seinem Besitzer vergessen, eine halbe Stunde später jedoch wieder abgeholt wird.

Sie haben sich zurechtgemacht für die Party im Wetziker Evita. Foto: Imre Mesterhazy

Erstellt: 27.12.2011, 06:32 Uhr

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