Zürich
Zollikerberg operiert bis zu zehn Schlittelopfer
Von Marco Huber
Schlitten waren in diesem Jahr als Weihnachtsgeschenk sehr beliebt, der Schnee vor den Festtagen hat auch dazu beigetragen. Doch ganz ungefährlich ist das Freizeitvergnügen in verschneiter Landschaft nicht: Gemäss Beratungsstelle für Unfallverhütung verletzten sich pro Jahr fast 10 000 Personen beim Schlitteln.
Etwa 50 Schlittelunfallopfer muss das Spital Zollikerberg pro Jahr ambulant behandeln. «Fünf bis zehn Verunfallte müssen wir operieren», sagt Philipp Lenzlinger, Leitender Arzt für Unfallchirurgie und Traumatologie. Verglichen mit anderen Sportarten, seien Verletzungen bei Schlittelunfällen eher selten. Dennoch könne man sich aber schwere Verletzungen zuziehen, sagt er. Ganz schwere Frakturen wie Wirbelbrüche oder Kopfverletzungen seien aber die Ausnahme. «Viel häufiger behandeln wir Fussverletzungen wie Fussgelenkbrüche oder Bänderrisse», sagt Lenzlinger.
Viele Schlittelverletzungen könnten vermieden werden, ist der Experte überzeugt: «Ein Helm wäre auch beim Schlitteln sicher vernünftig.» Ansonsten seien gute Handschuhe, gute Kleidung und hohe Schuhe wichtig. Die Schuhe sollten über die Knöchel reichen, um diese bei einem allfälligen Aufprall zu schützen.
Gefährlich für Erwachsene
Im Kreisspital Männedorf werden selten Opfer von Schlittelunfällen eingeliefert. «Meistens sind es Kinder», sagt Andreas Vollenweider, Chefarzt der chirurgischen Klinik. «Wir behandeln pro Winter im Schnitt etwa fünf Kinder mit Unterschenkelbrüchen.» In der Regeln würden aus Schlittenunfällen nur leichte Verletzungen resultieren.
Dagegen könne Schlitteln für Erwachsene ein gefährlicher Sport sein. «Unter Alkoholeinfluss passieren schnell einmal Unfälle auf der Piste», sagt Vollenweider. Erwachsene könnten beispielsweise schwere Knie- oder Schulterverletzungen davontragen. Im Extremfall gebe es auch mal einen Leber- oder Milzriss. Insgesamt seien Schlittelunfälle aber zurückgegangen, sagt Vollenweider.
«Beim Schlitteln wird oftmals die Geschwindigkeit unterschätzt, das Fahrkönnen dagegen aber überschätzt», sagt David Kerschbaumer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung, bei der er in der Abteilung Sport für den Schneesport zuständig ist. Der Fahrer müsse genau wissen, wie er sein Gefährt bremsen und lenken könne. Auch sei in jedem Fall nur sitzend zu schlitteln, sagt der Fachmann. Obligatorische Regeln oder gar Verbote gebe es auf Schlittelpisten jedoch keine. «Der Schlittelsport ist nicht so organisiert wie das Skifahren», sagt Kerschbaumer. Schliesslich könne man auch einen x-beliebigen Dorfhang herunterfahren und müsse nicht extra in einen speziellen Wintersportort reisen.
Rodel ist gut kontrollierbar
In den wenigsten Fällen sei die Bahn oder die Piste an Unfällen schuld, sagt Kerschbaumer. Auch er sagt, dass die Ausrüstung wichtig sei. Er empfiehlt Schlittelnden eine gute Schneesportausrüstung: Neben Jacke, Handschuhen und hohen Schuhen mit gutem Profil gehört für ihn auch ein Helm dazu.
Unterschiede punkto Sicherheit seien zudem bei den Schlittelmodellen zu finden: «Der Rodel ist am besten kontrollierbar.» Dieser sei gut lenkbar und gleite gut. Gesteuert wird der Rodel mit einem Lenkriemen und nicht mit den Füssen, die bleiben auf dem Gefährt. «Es braucht ein bisschen Übung, einen Rodel zu lenken», sagt er.
«Davoser» schlecht lenkbar
Mit einem klassischen Holzschlitten – zum Beispiel dem bekannten «Davoser» – müsse man viel früher bremsen als mit einem Rodel. Durch die starre Verbindung zwischen den beiden Hörnern lassen sich «Davoser» schlecht lenken. Der Schwerpunkt sei hoch, auf harten Unterlagen könnten sie seitlich rutschen. Zudem weist ein «Davoser» Metallteile auf, die bei einem Sturz Verletzungen verursachen können. «Bei einem Sturz tut ein Rodel aber sicher ähnlich weh wie ein massiver Holzschlitten», sagt David Kerschbaumer.
Ein Plastikbob – vor allem bei Kindern sehr beliebt – habe dagegen weniger Gewicht. Darum seien solche Bobs aber nur für verschneite Wiesen und nicht für Schlittelbahnen geeignet.
Die frisch verschneiten Hänge auf dem Pfannenstiel haben über die Weihnachtstage viele Schlittelfreunde angezogen.Foto: Reto Schneider
Erstellt: 27.12.2010, 22:20 Uhr


