Zürich

Claudio Zanetti ist aufgetaucht – und schweigt

Von Stefan Häne. Aktualisiert am 26.05.2012 17 Kommentare

Der SVP-Kantonsrat kehrt im Juni ins Parlament zurück. Im Dunkeln bleibt, weshalb sein Engagement bei der «Basler Zeitung» gescheitert ist.

Gibt sich für einmal wortkarg: Claudio Zanetti (links, im Gespräch mit Thomas Matter). (25. September 2011)

Gibt sich für einmal wortkarg: Claudio Zanetti (links, im Gespräch mit Thomas Matter). (25. September 2011)
Bild: Keystone

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Er ist wieder da. Bereits war die Twitter-Gemeinde in leiser Sorge über den Verbleib von Claudio Zanetti. Der SVP-Kantonsrat hatte während elf Tagen nicht getwittert – eine halbe Ewigkeit für den sonst fast omnipräsenten Debattierer. Am Donnerstag griff Zanetti wieder in die Tasten. Einen Tag zuvor hatte er sich nach einem Artikel über Corine Mauchs Engagement für den Zürcher Finanzplatz beim «Tages-Anzeiger» gemeldet – mit einer scharfen Kritik am Text.

Weniger gesprächig zeigt sich Zanetti, wenn es um sein geplatztes Engagement bei der «Basler Zeitung» geht. Vor knapp zwei Wochen teilte die BaZ mit, dass der Zürcher seine Reise als Berichterstatter über den US-Wahlkampf nicht antrete und er auch die in Aussicht gestellte Festanstellung als Bundeshauschef ausschlage – aus «persönlichen Gründen». Was dahintersteckt, wollte damals BaZ-Chefredaktor Markus Somm erläutern. Zanetti schwieg ebenso und tauchte ab. Nun sagt er bloss, es gebe der Medienmitteilung nichts hinzuzufügen.

«Gut gelaunt wie lange nicht mehr »

Dass sich Zanetti von seinem Engagement freiwillig zurückgezogen hat, wird auf der Redaktion der BaZ angezweifelt – aus zwei Gründen: Zum einen zeigte sich Zanetti enthusiastisch, in den Journalismus wechseln zu können; sein Umfeld erlebte ihn so «gut gelaunt wie lange nicht mehr». Zum anderen hatte die Redaktion Druck auf Somm und CEO Filippo Leutenegger gemacht.

Der FDP-Nationalrat war dem Vernehmen nach aus wirtschaftlichen Gründen gegen Zanettis Anstellung und soll diese gegen Somms Willen verhindert haben. Leutenegger hat diese Darstellung gestern auf Anfrage weder bestätigt noch dementiert. Somms Plan, Zanetti anzustellen, war Ende April aufgeflogen, worauf sich der BaZ-Chefredaktor selbst aus den Reihen der SVP Kritik anhören musste.

Zanetti wie Thilo Sarrazin?

Zanetti hat die letzten beiden Sitzungen im Kantonsrat gefehlt – entschuldigt, wie Jürg Trachsel sagt. Der neue Fraktionschef der SVP hat vorgestern mit Zanetti über dessen Rückkehr ins Parlament gesprochen. «Er kommt sicher wieder», sagt Trachsel. Wer glaube, Zanetti kehre der Politik den Rücken, habe sich getäuscht.

Voraussichtlich an der nächsten Sitzung – am 4. Juni – oder eine Woche später werde Zanetti wieder im Rat weilen, kündigt Trachsel an. Sein Parteifreund brauche noch eine gewisse Zeit, um «sich wieder zu positionieren». Zanetti habe im Gespräch mit dem SVP-Fraktionschef «nicht niedergeschlagen» gewirkt, im Gegenteil: «Er hat einen positiven Eindruck gemacht.»

Zanetti selber möchte sich zu seinem Befinden nicht äussern. Einen möglichen Hinweis darauf liefert ein Eintrag in seinem Politikblog. Dort schrieb er am Mittwoch über das umstrittene neue Buch von Thilo Sarrazin («Europa braucht den Euro nicht») folgenden Satz: «Wenn jemand so hart angegriffen wird wie in diesen Tagen Thilo Sarrazin, dann hat er meistens etwas richtig gemacht.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.05.2012, 21:22 Uhr

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17 Kommentare

Ruedi Lais

27.05.2012, 10:49 Uhr
Melden 26 Empfehlung 0

Ich habe das politische Heu fast nie auf der gleichen Bühne wie Kollege Claudio Zanetti und keine Freude an seinem SVP-Stil. Gerade deswegen finde ich es aber mehr als nur billig, seine Schwierigkeiten, beruflich wieder Fuss zu fassen, auszuschlachten und schadenfroh über ihn herzuziehen. Antworten


Mona Klarer

27.05.2012, 09:12 Uhr
Melden 22 Empfehlung 0

Es erschreckt mich, dass ein Mensch mit dem Gedankengut der SVP auf keinen Fall in den Medien einen Job machen darf. Ist das nicht etwas totalitär ? Antworten



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