Zürich
Der Elgger Brandstifter ist «eine graue Maus»
Von Stefan Hohler. Aktualisiert am 29.01.2012 14 Kommentare
Elgg atmet auf. (Video: Keystone )
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Das Profil eines brandstiftenden Feuerwehrmannes hatte der deutsche Sicherheitsfachwirt Frank D. Stolt auf- grund seiner langjährigen Erfahrung im «Landboten» wie folgt beschrieben: «Anfang bis Mitte zwanzig, männlich, kein Migrationshintergrund, mittlere bis unterdurchschnittliche schulische und berufliche Leistungen, Probleme mit der Akzeptanz durch andere, grosses Engagement in der Feuerwehr, graue Maus.» Und: Es seien fast ausschliesslich Angehörige freiwilliger Feuerwehren. Dieses Profil erfüllt der junge Mann, der in Elgg und Umgebung seit rund einem Jahr 26 Brandstiftungen und -versuche verübt haben soll, fast auf «ideale» Weise.
Der mutmassliche Brandstifter ist männlich, Schweizer, 25-jährig, arbeitet in einem KMU-Betrieb in Winterthur als Mitarbeiter im Ersatzteillager, ist seit fünf Jahren in der freiwilligen Feuerwehr Eulachtal aktiv und hätte eigentlich Berufsfeuerwehrmann werden wollen. Er wird von Bekannten und Kollegen als ruhig und eher zurückgezogen beschrieben; nie hätte man ihm eine solche Tat zugeschrieben.
Jugendleiter im SAC
Der junge Mann, der momentan in Untersuchungshaft sitzt, wohnte bis zu seiner Verhaftung bei seinen Eltern in einem neueren Mehrfamilienhaus am Rande des historischen Städtchens Elgg. Er ist der einzige Sohn. An seinem Arbeitsplatz, wo er seit rund einem Jahr tätig ist, wird er vom Chef als zuverlässig, anständig umschrieben: «Wir sind alle geschockt», sagt er.
Auch beim Schweizer Alpen-Club, wo der 25-Jährige in einer Sektion als Jugendleiter amtet, ist man ratlos. «Wir können kaum glauben, dass jener Mann, der jahrelang als Leiter bei Klettertouren für Jugendliche aktiv war, der Feuerteufel von Elgg sein soll», sagt der Sektionspräsident. «Er ist ein sehr offener und umgänglicher Typ und im Verein gut integriert.» Zwar habe man gewusst, dass er bei einer freiwilligen Feuerwehr arbeite. Eine besondere Faszination fürs Feuer oder andere Auffälligkeiten seien aber nie zutage getreten. Der junge Mann plante, im kommenden Sommer wieder als Hilfsleiter in einem Kletterlager für Kinder teilzunehmen.
Die Familie wohnte bis vor rund drei Jahren in einem anderen Teil des 4000-Seelen-Dorfes: direkt gegenüber der Reithalle, die am 18. November 2011 angezündet wurde. Dabei entstand ein Schaden von mehreren Hunderttausend Franken. Es war die folgenschwerste Brandstiftung in der ganzen Serie. Eine ehemalige Nachbarin am alten Wohnort sagte, dass sie geheult habe, als sie von seiner Verhaftung gehört habe: «Es war ein flotter und lieber Kerl, mir tun vor allem seine Eltern leid.»
Polizei will sich nicht äussern
Bei der freiwilligen Feuerwehr ist man vor allem auf den Inhalt des Teilgeständnisses gespannt, wie ein Mitglied sagt. Der Brandanschlag auf die Reithalle und den ganz in der Nähe befindlichen Pferdestall der «Reitlegende» Paul Weier passe nämlich nicht ins Schema der übrigen Brände. Der Täter hatte zum grössten Teil an Holzbeigen und Holzschnitzellagern Feuer gelegt.
Die Kantonspolizei Zürich will sich zum jetzigen Zeitpunkt zum Geständnis und dem Motiv des Verhafteten nicht äussern. Interessant ist, dass die Polizei zwei Tage vor dem 18. Januar, an dem bei sämtlichen Feuerwehrleuten DNA-Proben genommen wurden, noch zwei weitere Brandversuche ohne Schaden entdeckt hatte. Den Zeitpunkt dieser zwei missglückten Brandstiftungen konnte sie aber nicht genau eruieren.
Wie schon der Feuerwehrkommandant Roger Gysi in der Vergangenheit gesagt hatte, betonte auch ein weiterer Feuerwehrmann, dass man nie geglaubt habe, dass es einer von ihnen gewesen sei. Und wenn, dann wäre man nicht auf den Beschuldigten gekommen. Der nur 161 Zentimeter grosse Lagerist sei unauffällig gewesen und etwas unsicher, aber nicht ein potenzieller Brandstifter.
Für wie viele der von ihm selbst gelegten Brände der Beschuldigte aufgeboten worden war, ist nicht bekannt. Die Feuerwehr Eulachtal hat mehrere Alarmgruppen: Die einen Feuerwehrleute werden nur in geraden, andere nur in ungeraden Monaten aufgeboten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.01.2012, 13:05 Uhr
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14 Kommentare
Mich erstaunt immer wieder, wie das Rechtsverständnis der hiesigen Bürger so ausschaut. Wenns ein Ausländer oder ein Secondo gewesen wäre, würde man sich nicht so verständnisvoll oder bedauernd geben. Therapie mit Verwahrung ist hier angebracht... vorallem, wenns ein Schweizer war, muss man den mit Samethandschuhen anfassen... Antworten
Herr Berger. In dem Fall wollen Sie alle, welche freiwillig Feuerwehrdienst leisten kriminalisieren? Ihr Kommentar ist ein Schlag in Gesicht von allen, welche ihre Freizeit für die Sicherheit der Allgemeinheit opfern. Übrigens nicht nur bei Bränden sondern auch bei Rettungen und technischen Hilfeleistungen. Vielleicht sind ja auch Sie mal froh um die Feuerwehr!
Es heisst nicht umsonst "Freiwillige Feuerwehr".
Die Gesellschaft schuldet diesen Leuten schliesslich etwas - da möchte man sie nicht bei der erstbesten Gelegenheit auch noch zum DNA-Abgleich antreten lassen.
Gibt ja dort eh' schon genug Nachwuchsprobleme. Auf diese Art der Image-Werbung können sie dann auch verzichten, denke ich....
Hoffentlich werd er nun lange aus dem Verkehr gezogen. Solche Menschen die anderen mit Straftaten versuchen die Existenz zu zerstören, oder gar zerstören können (wie das BfM), sind von der widerwärtigsten Sorte. Offenbar hat sich die leider langezogene aber doch saubere und einwandfreie Polizeiarbeit nun ausbezahlt. Schön zu wissen das solche widerlichen Straftäter langfristig den Kürzeren ziehen. Antworten
Das abfackeln von Holzbeigen würd ich jetzt nicht gerade als wiederwärtig einstufen. Grossen Schaden hat er damit nicht angerichtet, wohl mehr Aufregung. Dass er möglicherweise Trittbrettfahrer hatte die von der Situation profitiert haben, ist nicht auszuschliessen.
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