Aleksandra Comagic: «Ohne mein Mami bleibe ich nicht hier»

Interview: Maria Rodriguez. Aktualisiert am 05.03.2009 142 Kommentare

Der Zürcher Regierungrats will die beiden Comagic-Zwillinge und deren Mutter ausweisen. Für die 15-jährigen Zwillingsschwestern eine belastende Situation.

Kennen Serbien nur von den Ferien: Aleksandra und Tijana Comagic wehren sich gegen die Ausweisung.

Timothy Stocker

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Morgen gebt ihr bekannt, ob ihr euch gegen den Beschluss des Regierungsrats wehrt und den Fall ans Verwaltungsgericht weiterzieht. Du bist erst 15 und weisst nicht, wo Deine Zukunft ist. Wie geht es Dir?

Die Belastung ist zurzeit sehr gross. Aber auch die Solidarität von Schülern, Lehrern, Politikern und Freunden ist sehr gross und schön. Es freut uns sehr, dass wir eine so grosse Unterstützung bekommen. Das ist nicht selbstverständlich.

Morgen findet im Schulhaus Lavater eine Medienkonferenz statt. Seid ihr beteiligt an den Vorbereitungen?

Und wie! Zurzeit bespricht sich der Lehrer mit der Klasse, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Eigentlich wäre morgen Schlittschuhlaufen mit der Klasse geplant gewesen, die Hälfte verzichtet darauf und hilft uns für die Pressekonferenz. Wir planen eine musikalische Darbietung und eine Power-Point-Präsentation. Es kommen viele Reporter, alle Schüler unseres Schulhauses werden auch vor Ort sein.

Ihr habt einen vollen Kalender, mit Medien- und anderen Terminen. Kommt ihr überhaupt noch zum Lernen?

Ja, schon. Auch wenn die Zeit knapp ist. Mit dem Stoff kommen wir aber trotzdem durch. Und die Hausaufgaben müssen schliesslich auch gemacht werden. Zudem lernen wir durch die ganze Situation sehr viel fürs Leben.

Anfang Woche hat der Zürcher Regierungsrat bekannt gegeben, dass ihr ausgewiesen werdet. Wie hast Du auf diese Nachricht reagiert?

Ich hab es in der 10-Uhr-Pause erfahren und es war ein Riesenschock. Ich musste mit den Tränen kämpfen. Jetzt versuche ich fröhlich und optimistisch zu bleiben und mich auf die Schule zu konzentrieren. Das ist aber immer wieder sehr schwierig.

Es ist weiterhin möglich, dass ihr nach Serbien zurückmüsst. Warst Du überhaupt schon mal dort und könntest Du Dir ein Leben dort vorstellen?

Wir waren nur in den Ferien in Serbien, als wir noch kleiner waren. Zum letzten Mal war das vor drei Jahren. Meine Grosseltern wohnen dort auf dem Land. Auch sonst haben wir dort Verwandte. Für die Ferien war es schön. Aber unser Alltag, unser Leben und unsere Zukunft sind hier in Zürich.

Was wäre, wenn Deine Mutter gehen müsste und ihr bleiben dürftet?

Ohne mein Mami hierzubleiben, ist für mich ausgeschlossen. Kein Kind sollte ohne seine Mutter aufwachsen. Sie hat so viel für uns gemacht, ich würde sie nie im Stich lassen und würde mitgehen. Aber ich würde irgendwann zurück in die Schweiz wollen.

Im Juli wäret ihr fertig mit der Sekundarschule. Gibt es Aussichten auf eine Lehrstelle?

Ja, die gibt es. Ich hätte eine Lehrstelle als Pharmaassistentin in Altstetten. Das wäre mein Traumberuf. Später würde ich gerne im Management arbeiten.

Sowohl Kathrin Martelli wie auch Corine Mauch finden den Entscheid des Regierungsrats zu hart. Eine von ihnen wird Nachfolgerin von Elmar Ledergerber. Was erwartet ihr von der neuen Stadtpräsidentin?

Zuerst einmal freut und ehrt es uns sehr, dass sie sich hinter uns stellen. Noch mehr freuen würde es uns, wenn sie auch tatsächlich mit und für uns kämpfen. Das tun schon viele andere Politiker zurzeit, aber eine Stadtpräsidentin hätte sicher noch mehr Gewicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2009, 15:50 Uhr

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142 Kommentare

maurus candrian

02.03.2009, 11:06 Uhr
Melden

und der federführende regierungsrat mitglied der partei mit dem "hohen c" im namen. einfach nur dégoûtant. Antworten


Peter Gass

02.03.2009, 11:10 Uhr
Melden

Es ist nicht zu fassen, da erhalten Menschen das Recht einer Gefahr zu entrinnen wissen ganz genau, dass das nur so lange bestand hat bis die Gefahren weg sind. Nun wird versucht mit der Brechstange das Gesetz zu biegen. Nichts da! Das zeigt ein mal mehr, es gibt nur Probleme wenn Menschen aus deren gewohnten Umgebung heraus genommen werden und in eine bessere gebracht werden. Antworten



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