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Bischof Huonder setzt Ultrakonservativen ein

Von Michael Meier. Aktualisiert am 03.04.2009

Der Bischof hat Martin Ramm aus Thalwil zum Priester für die lateinische Messe ernannt. Ramm gehört zu einer Splittergruppe der Lefebvristen.

Priester Martin Ramm.

Priester Martin Ramm. (Bild: Kathpedia)

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In Thalwil am Ufer des Zürichsees steht das schmucke Haus Maria, Königin der Engel. Hier wohnt Martin Ramm – Priester, Rheinländer, 38-jährig. Täglich feiert er in der Hauskapelle die alte lateinische Messe. Er gehört zur Priesterbruderschaft St. Petrus, einer Abspaltung der von Marcel Lefebvre gegründeten Pius-Bruderschaft. Als diese im Sommer 1988 exkommuniziert wurde, gelobte die neue Petrus-Bruderschaft, in Treue zum Papst den alten lateinischen Messritus zu pflegen.

Mit Dekret vom 7. 7. 2007 liess Benedikt XVI., auf Druck der Lefebvristen, den lateinischen Messritus wieder zu. Letzte Woche nun hat Bischof Vitus Huonder Martin Ramm zum Beauftragten für den lateinischen Ritus im Bistum Chur ernannt. «Gläubige, die den Wunsch haben, den alten Ritus zu feiern, können sich an mich wenden», sagt Pater Ramm. Ebenso «Priester, die diesen Ritus zu zelebrieren wünschen». Viele Priester müssten ihn erst lernen und intensiv üben. Bei Pater Ramm können sie eine Zelebrationsschulung absolvieren.

Der deutsche Priester wird nun eine Bestandsaufnahme machen über die Gruppen von Gläubigen, die den alten Ritus feiern wollen. Alles soll in Verbindung mit Bischof Huonder geschehen. Seit längerem feiert Ramm am Sonntag und Donnerstag die lateinische Messe in der Herz-Jesu-Kirche Oerlikon, am Montag und Mittwoch in der Kirche St. Josef beim Limmatplatz.

Autor frommer Pamphlete

Die Priester der Petrus-Bruderschaft feiern die Messe mit dem Rücken zum Volk. Am Karfreitag von nächster Woche werden sie für die Bekehrung der Juden zu Jesus Christus beten. Wie die Lefebvristen stehen sie weltanschaulich ganz rechts. So ist Ramms Buch über die alte Messe – «Zum Altare Gottes will ich treten» – in der «Jungen Freiheit», dem Organ der neuen Rechten in Deutschland, besonders wohlwollend besprochen worden. Ramm, 1996 vom umstrittenen Wiener Kardinal Hermann Groer zum Priester geweiht, tut sich seit Jahren als Autor frommer Bücher hervor.

Im Büchlein «Die letzten Dinge» behandelt er Themen wie Gericht, Himmel, Hölle und Fegefeuer. Die auf ewig verdammte Seele und die Existenz der Hölle sind für ihn unumstössliches Glaubensgut. Für eine Seele, die zu Lebzeiten das Licht gehasst habe, könne nichts «schrecklicher sein, als den Anblick Gottes ertragen zu müssen. Sie wird sich selber in die Finsternis der Hölle stürzen». Ramm zitiert die heilige Faustyna, die sagte: «In der Hölle sind meistens Seelen, die nicht an die Hölle geglaubt haben.»

Gerade ist Ramms Büchlein «Was ist Keuschheit?» erschienen. Eine Tugend, der er auch in seinem «Kleinen Katechismus» ein Kapitel widmet: «Wir sollen immer schamhaft und keusch sein . . . Unkeusch ist, wer die böse Lust sucht und sich an ihr freut», schreibt er. Und tröstet: «Wer zufällig Unschamhaftes sieht und seine Augen sofort abwendet, sündigt nicht.»

Aktiv in der Jugendseelsorge

Um im Alltag die «Gnade Gottes und die Fallstricke des Teufels» zu unterscheiden, hat Ramm verschiedene Beichtspiegel geschrieben. Jenen für Kinder hat er in «kindergerechter Sprache» verfasst und umschreibt etwa die Versuchung mit dem «Käse in der Mausefalle». Zwecks Gewissensprüfung sollen sich die Jugendlichen fragen: «Hast du freiwillig schlechte Zeitschriften («Bra- vo»), Bilder, Filme angeschaut? Welche Rolle spielen für dich Fernseher, Computerspiele, Gameboy, Internet?» Oder: «Habe ich andere zu schlechten Gedanken verführt – durch schlechtes Reden, durch ungenügende, aufreizende oder zu enge Kleidung?»

Der Pater ist stark in der Kinder- und Jugendseelsorge engagiert. Teilweise zusammen mit der Christkönig-Jugend der Petrus-Bruderschaft oder den Pfadfindern des «Feuerkreises Niklaus von Flüe» organisiert er Jungen- und Mädchencamps, Jugendtreffen, Ausflüge und Ferienlager – für Familien auch christliche Ferien im Melchtal oder Wallfahrten.

Ramms Wohnsitz in Thalwil gehört der Traditionalistenbewegung Una Voce respektive deren Stiftung Ad servitium fidei (Im Dienste des Glaubens). Den Vorsitz der Stiftung hat der Churer Bischof. 1998 hat er im Haus die Niederlassung der Petrus-Bruder-schaft errichtet. Bevor die Liegenschaft an der Ludretikonerstrasse zum Haus Maria, Königin der Engel, wurde, tobte ein langwieriger Rechtsstreit. Der TA berichtete unter dem Titel «Erbschaften im Dienste des Glaubens» darüber. Der frühere Besitzer, ein St. Galler Pfarrer, hatte das Haus zunächst seiner betagten, an den Rollstuhl gefesselten Haushälterin vermacht. Auf dem Krankenbett besann sich der Pfarrer plötzlich und überschrieb die Liegenschaft der Stiftung der Traditionalisten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.04.2009, 22:55 Uhr

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