Familie Manz feiert 120 Jahre Hotelgeschichte
Von Edgar Schuler. Aktualisiert am 23.02.2010
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Es war heiss, und der Champagner sprudelte in Strömen. Gross war darum am Donnerstag Abend der Auflauf von Touristen und Passanten, die vor dem Hotel St. Gotthard unverhofft zu einem Apéro kamen. Ausserdem gab es viel zu sehen: prominente Gäste – Verleger Jürg Marquard, die Investoren René Braginsky und Marc Rich, Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner, dazu echte Grafen und Prinzen sowie 210 geladene Gäste. Die Stadtmusik spielte den eigens komponierten «Manz-Fest-Marsch».
Die beiden Hauptpersonen fuhren in der Kutsche vor: Caspar E. Manz, der 85-jährige ehemalige Patron, der als «Urgestein» unter den Zürcher Hoteliers gilt, und seine Frau Ljuba, die heutige Verwaltungsratspräsidentin der Manz-Privacy-Hotelgruppe, zu der das St. Gotthard gehört. Höflich im Hintergrund hielten sich die Zwillinge der beiden. Alexander und Michael Manz sind noch keine dreissig, leiten aber seit drei Jahren als operative Chefs die Hotelgruppe, zu der auch noch das Euler in Basel und das Continental in Lausanne gehören, alles 4- und 5-Sterne-Häuser mit insgesamt 150 Angestellten. Mit den Zwillingen ist jetzt die vierte Generation der Familie am Ruder, die 1889 das St. Gotthard an der Bahnhofstrasse gründete und zu einer Zürcher Institution gemacht hat.
Von der Krise profitieren
Ein paar Stunden vor dem Festakt ein Ortstermin mit Ljuba Manz im Restaurant des St. Gotthards. Bei einem Hummersalat spricht die Patronne übers Geschäft: «Unsere 150 Zimmer sind alle belegt – und zwar beileibe nicht nur von den Gästen unserer Jubiläumsfeier.» Von der Krise könne das St. Gotthard sogar profitieren: Viele Firmen hätten in ihren Spesenreglementen den Aufenthalt in einem 5-Sterne-Hotel ausgeschlossen. Das 4-Sterne-Plus-Hotel St. Gotthard sei darum gerade jetzt gut positioniert.
Die Wirtschaftskrise, sagt Ljuba Manz, könnte noch lange dauern, möglicherweise bis 2015: «Ich bin da ganz auf der Welle meines Freundes Marc Faber.» Der Schweizer Financier ist berühmt als Schwarseher in Wirtschaftsdingen. Ljuba Manz fühlt sich aber auch durch die Astrologie in dieser Prognose bestätigt: «Wir befinden uns in einem langen, planetarischen Zyklus.»
Als Präsidentin der Gruppe hat Ljuba Manz die Finanzen im Griff: «Wie in jedem guten Haushalt verwaltet auch bei uns die Mutter das Geld.» Und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Söhnen? «Sehen Sie, wir sind ein Familienunternehmen, wir regeln das familiär.» Als die Zwillinge 2006 die Leitung übernahmen, legten sie einen Businessplan vor mit Investitionen von 35 Millionen Franken. «Da sagte ich zu ihnen, wenn Geldausgeben alles ist, was ihr könnt, dann hat es keinen Sinn.» Sascha und Mischa mussten sich erst bewähren. Erst nachdem sie in zwei Geschäftsjahren gutes Geld verdient hatten, bewilligte die Mutter die Investitionen. «Wir finanzieren fast alles aus Eigenmitteln und nehmen nur die nötigsten Kredite auf», betont Manz, «ich will in dieser Zeit so wenig Risiken eingehen wie möglich.»
«Ich bin ein glücklicher Mensch»
Zur Gesprächsrunde stösst Caspar E. Manz, er geht etwas mühsam am Stock und setzt sich vorsichtig. Doch die sofort servierten Austern schlürft er mit Genuss, dazu ein Glas Weisswein. «Das ist meine Diät», erklärt er. Vor 22 Jahren hatte er die Leitung der Gruppe seiner Frau übertragen. Er habe immer den Ehrgeiz gehabt, glücklich zu werden, hatte er gesagt, als er 80 wurde. Er lächelt Ljuba an und sagt: «Sie sehen, ich bin ein glücklicher Mensch.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.06.2009, 22:35 Uhr
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