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Eine Mutter kämpft gegen pädophile Chatter

Interview: Maria Rodriguez. Aktualisiert am 29.05.2009 16 Kommentare

Der Staat soll weiter verdeckt gegen Pädophile in Chats ermitteln. Das fordert CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer in zwei Vorstössen zum Kinderschutz.

Barbara Schmid-Federer: Zürcher CVP-Nationalrätin und Mutter zweier Teenager.

Barbara Schmid-Federer: Zürcher CVP-Nationalrätin und Mutter zweier Teenager.

Artikel zum Thema

Erschreckende Zahlen und Fakten

89 Prozent der Jugendlichen werden in Chatrooms sexuell belästigt.

Fast zwei Drittel der 15-Jährigen sind in der Schweiz regelmässig im Netz. Meist unbeaufsichtigt.

Kinder-und Jugendlcihe werden in Chatrooms im Durchschnitt nach 2,6 Minuten sexuell angemacht

Sie werden aufgefordert sich vor laufender Kamera selber sexuell zu befriedigen. Oft versuchen Pädophile ein reales Treffen zu vereinbaren.

Laut Unicef gibt es weltweit rund 14 Millionen Internetseiten mit pornografischem Inhalt.

In der Stadt Zürich werden pro Jahr über 40 Personen wegen sexuellen Handlungen mit Kindern, Kindsmissbrauch, Besitz und Herstellen von Kinderpornografie und Kindsmisshandlungen verhaftet.




(Quelle: Polizeidepartement der Stadt Zürich)

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Barbara Schmid, Sie fordern vom Bundesrat ein Massnahmenpaket gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im Internet. Wie könnte dieses aussehen?
Zuerst müssen Daten gesammelt werden. In Deutschland gibt es genaue Zahlen, was sexuelle Ausbeutung von Kindern im Netz betrifft, in der Schweiz tappt man im Dunkeln. Weiter ist eine flächendeckende Prävention dringend nötig. Ein Ansatz wären Schulbesuche von Experten oder aufklärende Elternabende. Kinder müssen von Eltern und Lehrern erklärt bekommen, dass sie sich niemals mit einem Chatkontakt treffen können, oder dass sie keine Fotos raufladen dürfen. Das müsste in der ganzen Schweiz passieren.

Nach neuem Strafrecht darf die Polizei nur verdeckt ermitteln, um bestehende Taten aufzuklären. Die präventive Suche nach Pädophilen im Netz ist nicht erlaubt. Sie möchten das ändern. Was versprechen Sie sich davon?
Gerade in Chatrooms passieren Verbrechen sehr schnell. Ein Täter kann sich unter einem Pseudonym anmelden und kommt sofort an die jungen Opfer heran. Dort muss die Polizei bei Verdacht den Täter stoppen können, bevor es zu einem Treffen oder zum Austausch von Fotos kommt. Ab 2011 dürfte die Polizei das nach der neuen Strafprozessordnung nicht mehr. Das finde ich falsch. Ich fordere, dass dies rückgängig gemacht wird.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage, im Gegensatz zur EU verschlafe die Schweiz den Jugendschutz im Internet. Was macht die EU besser?
Ich arbeite mit deutschen Wissenschaftlern zusammen, die auf dem Gebiet Gewalt im Chatroom forschen. In Deutschland hat man das Problem offenbar erkannt und hat entsprechende rechtliche Grundlagen geschaffen. Die deutschen Strafverfolger können viel schneller eingreifen, wenn eine Internetpage Kindern schadet. Aber auch die USA sind diesbezüglich weiter als die Schweiz. Dort haben die Kindern eine Schulstunde zum Thema Medienprävention.

Die Swisscom hat die Schliessung des Bluewin-Chats angekündigt. Ist das nicht ein Tropfen auf den heissen Stein?
Aus der Sicht des Unternehmens kann ich die Schliessung verstehen. Das Problem ist nur, der Bluewin-Chat war einer der sichersten Chats, der gut kontrolliert wurde. Wenn dieser verschwindet, weichen die Täter auf weniger sichere aus. Insofern dient die Schliessung dem Kinderschutz wenig.

Sie haben selber zwei Buben im Alter von 11 und 14 Jahren. Wurden diese auch schon belästigt?
Der jüngere Sohn chattet nicht, der Grössere ab und zu. Meines Wissens wurde er noch nie belästigt.

Was tun Sie als Mutter, um Ihre Kinder vor Pädokriminellen im Internet zu schützen?
Mein Sohn weiss genau, dass er seine Adresse niemals rausgeben darf. Zudem steht der Computer nicht in seinem Zimemr, sondern an einem Ort, an dem wir regelmässig vorbeigehen und schauen, was er macht.

Viele Eltern sind überfordert mit dem Internetkonsum ihrer Kinder. Wäre es nicht in erster Linie Sache der Eltern, ihre Kinder vor Missbrauch im Internet zu schützen.
Dass die Eltern überfordert sind, kann ich nur bestätigen. Meine Generation ist ohne Internet aufgewachsen. Ich finde es etwas billig, den Eltern die ganze Präventionsarbeit und auch die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Dadurch, dass sie wenig Erfahrung mit dem Thema haben, ist es für sie schwierig zu handeln. Es ist wichtig, dass Eltern und Lehrer genügend aufgeklärt werden, damit sie lernen, wie man die Kinder schützen kann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.05.2009, 15:26 Uhr

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16 Kommentare

Edgar Schaad

29.05.2009, 12:32 Uhr
Melden

Ich habe heute einen Beitrag zum Fall "Kreuzlingen" geschrieben und darin auf die ständige Behinderung der Polizei durch gewisse PolitikerInnen hingewiesen. Was passiert? Ich finde eine neue Behinderung: "Ab 2011 dürfte die Polizei das nach der neuen Strafprozessordnung nicht mehr". Antworten


Majo Naef

29.05.2009, 12:46 Uhr
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Gegen Raucher und Autofahrer vorgehen ist halt wesentlich leichter. So lange in den oberen Gesellschaftsschichten die Pädophie verbreitet ist, wird da auch nichts geschehen. Die nehmen den Spruch von Jesus "Der Vater ist in mir" etwas zu wörtlich. Man sollte wie bei den Chaoten, die Täter im Internet an den Pranger stellen. Schliesslich geht es da um mehr als nur um Materielle Dinge. Antworten



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