«Die Polizei soll durchgreifen, sonst ist das lebensgefährlich»

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 24.12.2008 146 Kommentare

In Zügen kommt es vermehrt zu Übergriffen und Aggressionen. Eigentliche Hotspots sind aber die Bahnhöfe. Dort hat die Bahnpolizei immer häufiger mit Bandenkriegen unter Jugendlichen zu kämpfen.

Neues Phänomen: Jugendbanden kämpfen um ihr Territorium in den Bahnhöfen.

Neues Phänomen: Jugendbanden kämpfen um ihr Territorium in den Bahnhöfen. (Bild: Keystone)

Major Jürg Monhart, Kommandant Stv Bahnpolizei. (Bild: Bahnpolizei)

Major Jürg Monhart, Kommandant Stv Bahnpolizei. (Bild: Bahnpolizei)

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Major Jürg Monhart

Major Jürg Monhart ist Kommandant Stv Bahnpolizei / Chef Regionen. Er führt das operative Geschäft der Bahnpolizei in der gesamten Schweiz und koordiniert die Einsätze.

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Herr Monhart, bei «Tagesanzeiger.ch» gingen zahlreiche Schilderungen von aggressivem Verhalten im Bahnnetz rund um Zürich ein. Wie erleben Sie die Situation als stellvertretender Kommandant der Bahnpolizei?
Bis Mitte Jahr konnten wir tatsächlich eine Zunahme der Aggressionen in den Zügen feststellen. Ab Mitte Jahr haben wir mit gezielten Aktionen und Einsätzen reagiert. Seither haben die Übergriffe stagniert und sind sogar leicht rückläufig geworden. Aber der öffentliche Verkehr wird auch in Zukunft ein neuralgischer Punkt bleiben.

Mit welchen Übergriffen haben Sie zu kämpfen?
Von Beschimpfungen bis Tätlichkeiten ist alles möglich. Während der Woche kommt es vor allem in den letzten Zügen in der Nacht zu Problemen. In den vergangenen Jahren konnten wir insbesondere an den Wochenenden eine Verlagerung der Übergriffe in den ersten Zügen am Morgen feststellen. Es sind mehrheitlich betrunkene Jugendliche auf dem Heimweg vom Ausgang in Zürich. Dann kommt die Gruppendynamik zum Tragen: Sie werden frecher und aggressiver. Deswegen setzen wir nun gezielt Bahnpolizisten in diesen Randzeiten ein.

Die Aggressionen richten sich nicht nur auf Zugbegleiter. Wie sollen Passagiere auf heikle Situationen reagieren?
Ich rate den Leuten, dass sie sich nicht einmischen und die Polizei alarmieren oder in ein anderes Abteil wechseln. Das ist die beste Devise. Man kann höchstens den Dialog suchen, das Durchgreifen sollte man auf jeden Fall der Polizei überlassen, sonst setzt man das eigene Leben aufs Spiel. Wenn jemand belästigt wird, kann der Zugbegleiter diesen Passagier auch in die erste Klasse umplatzieren. Die Situation in den Bahnen ist allerdings nicht mehr so gefährlich, dafür hat sich das Problem auf die Bahnhöfe ausgeweitet.

Wie sieht denn die Situation auf den Bahnhöfen aus?
Vor allem im Raum Zürich sind die Bahnhöfe eine Art Stadt in einer Stadt, weil dort das Konsumangebot ausgebaut wurde. In den Läden gibt es Alkoholausschank, die Leute halten sich länger dort auf und trinken. Daher kommt es häufiger zu Belästigungen, Sachbeschädigungen und Vandalismus. In manchen Bahnhöfen finden regelrechte Gang-Kämpfe statt. Die Jugendlichen kämpfen um ihre Territorien.

Seit wann besteht dieses Phänomen?
Das hat vor rund zwei Jahren begonnen. Vor allem im Raum Zürich und in der Romandie finden richtige Bandenkriege statt. Am vergangenen Wochenende sind 15 Jugendliche mit Autos vorgefahren, haben im Bahnhof randaliert und Leute tätlich angegriffen. Wenn die Bahnpolizei nicht vor Ort sein kann, dann schalten wir die örtliche Polizei ein. Das war in Schlieren der Fall. Dort konnte die Stadtpolizei verdächtige Personen festnehmen. Die enge Zusammenarbeit mit der Polizei ist nur möglich, weil wir von der Bahnpolizei ebenfalls Polizeistatus haben und alle ausgebildete Polizisten sind.

Wie schnell kann die Bahnpolizei vor Ort sein?
Wir streben die üblichen Zeiten an: Spätestens innerhalb einer halben Stunde wollen wir am Einsatzort sein. Schwierig wird es, wenn wir gerade an einem anderen Ort im Einsatz stehen. Bei der Bahnpolizei sind rund 150 Leute am Fronteinsatz. Rund ein Drittel davon ist im Raum Zürich stationiert. In Zürich und der Romandie ist die Situation auch heute noch am heikelsten. Dort sind die Konsumangebote am dichtesten konzentriert. Kriminalität ist die logische Folge davon. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.12.2008, 17:38 Uhr

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146 Kommentare

Hans Meister

22.12.2008, 16:09 Uhr
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Besonders aufgefallen sind mir in letzter Zeit gewisse Gruppierungen von Jugendlichen die ganze Busstrecken (also Start bis Ziel und zurück) mehrmals durchfahren und sitzenbleiben. Dieses irritierende Happening wird dann noch von johlendem und lautstarkem Brunftgebrüll unterstrichen. Ich vermute das Rumgehänge auf den Bahnhofperrons ist denen zu kalt und dann geht man halt ein bisschen Busfahren.. Antworten


Dani Meier

22.12.2008, 22:41 Uhr
Melden

Das Problem liegt wohl darin, dass unsere Gesellschaft immer mehr "verloddert". Niemand kümmert sich mehr um den andern, der pure Eigenegoismus zählt nur noch. Zum Glück arbeite ich im Aussendienst und benütze wenn überhaupt höchstens am Wochenende den OEV (wer trinkt - fährt nicht!), wenn mal eine Party ist oder so. Sonst habe ich im Auto meine Ruhe, kann rauchen und die Musik hören die ich will. Antworten



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