EDU-Kantonsräte wollen Gott und Darwin gleichstellen
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 17.04.2009 46 Kommentare
Kreationismus schwappt aus den USA in die Schweiz über
Der Kreationismus beschreibt die Lehre der Schöpfung vor dem Hintergrund biblischer Schriften. Demnach sollen das Universum und das irdische Leben entstanden sein, nachdem ein Schöpfergott in natürliche Vorgänge eingegriffen hat.
Diese Weltanschauung ist vor allem in den USA stark verbreitet. «Dort gibt es fast nur Freikirchen. Diese versuchen in verschiedenen Staaten, den Kreationismus als Wissenschaft in den Schulen zu etablieren - teilweise mit Erfolg», sagt Sektenexperte Hugo Stamm. Den Einfluss aus den USA sieht er auch als Grund für das Postulat im Zürcher Kantonsrat.
Aufsehen erregte 2007 ein Lehrmittel im Kanton Bern, das die Evolutionstheorie und der biblische Schöpfungsglauben als die «bei uns am meisten verbreiteten Erklärungsversuche» zu der Entstehung des Lebens auf der Erde bezeichnet. Diese Darstellung stiess auf derart heftige Kritik, dass das Lehrmittel zurückgezogen wurde.
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In Zürcher Schulen sollen fundamentalistische Glaubensansätze aus den USA gelehrt werden. Dies fordern drei EDU-Kantonsräte in einem Postulat. Darin verlangen sie, dass die Schöpfungslehre wie ein naturwissenschaftliches Fach vermittelt wird. «Die Evolutionstheorie weist so viele Lücken auf, dass für deren Anerkennung ebenso viel Glaube nötig ist, wie für die Schöpfungslehre», begründet EDU-Kantonsrat Stefan Dollenmeier den Vorstoss, der für den kommenden Montag traktandiert ist.
«Mit solchen weltfremden Forderungen machen sich die christlichen Fundamentalisten lächerlich», sagt Sektenexperte und Tagi-Redaktor Hugo Stamm. Das wirke sich kontraproduktiv aus. «Bei ihrem religiösen Kampf gegen die Wissenschaft gebe ich den Gläubigen keine Chance», sagt Stamm.
Mehrere Anläufe vorgesehen
«Hugo Stamm muss sich keine Sorgen über uns machen», erwidert Dollenmeier. Auch wenn das Postulat nicht überwiesen wird, glaubt er an den Erfolg des Anliegens. «Ich war auch der Erste, der für ein Kampfhundeverbot eintrat.» Bis es so weit war, brauchte es mehrere Anläufe. Das werde hier nicht anders sein, ist Dollenmeier überzeugt. Zusammen mit zwei Parteikollegen fordert der kantonale EDU-Fraktionspräsident, in der Schule das «Intelligent Design» der Evolutionstheorie gleichzustellen.
Das ist laut Stamm nicht möglich: «Diese beiden Anschauungen schliessen sich aus.» Wer an die Evolutionstheorie glaube, müsse verschiedene Bereiche der Bibel als unwahr ansehen. «Es ist zum Beispiel unmöglich, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat oder die Erde laut Bibel höchstens 10'000 Jahre alt sein soll.» Letzteres ist laut Stamm wissenschaftlich eindeutig widerlegt.
«Gott brauchte länger als sechs Tage»
Dem widerspricht der EDU-Mann vehement: «Die Bibel sagt nicht exakt, wie lange Gott benötigte, um die Erde und das Leben zu erschaffen.» Dass Gott dafür sechs Tage gebraucht hatte, bedeutet laut Dollenmeier nicht, dass dies sechs irdische Tage lang dauerte.
Der Theorie des Urknalls als Entstehung der Materie widerspricht Dollenmeier dabei nicht: «Es ist gut möglich, dass dahinter der grosse Schöpfergott steht, der den Urknall auf intelligente Weise leitete.» Schliesslich gebe es keinen wissenschaftlichen Beweis, woher die Materie stamme.
Für Stamm kein haltbares Argument: «Den Glaubensanhängern hilft es nicht, wenn sie jede Lücke in den Naturwissenschaften dazu benutzen, diese als falsch darzustellen.»
«Kampf gegen den Verfall des Glaubens»
Als Grund für das Postulat der EDU-Kantonsräte sieht Stamm vielmehr den Verfall des christlichen Glaubens in der Gesellschaft. «Dagegen will man ankämpfen, indem den Kindern gesagt wird, wo Gott sitzt.»
So habe er das noch nie angeschaut, erwidert Dollenmeier. «Ich finde es einfach nicht fair, wenn man den Kindern nur eine Seite zeigt.» Es gehöre zur Aufklärung, wenn man beide Möglichkeiten zur Erklärung des Lebens in einem Atemzug nenne. «Entscheiden was für ihn richtig ist, soll dann jeder selber», sagt Dollenmeier.
In seiner Antwort auf das Postulat schreibt der Regierungsrat, eine Anpassung im Sinne der EDU-Kantonsräte würde das Bundesgesetz verletzen. Dort ist die konfessionelle und weltanschauliche Neutralität der öffentlichen Schulen verankert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.04.2009, 14:46 Uhr
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46 Kommentare
"Dort ist die konfessionelle und weltanschauliche Neutralität der öffentlichen Schulen verankert." Gott sei dank! Oder besser: Darwin sei Dank! <- die beiden sollen ja gleichgestellt sein ;) Müssten - wenn man die Christliche Schöpfungsgeschichte als wissenschaftlich betrachtet - nicht auch die Schöpfungsgeschichten sämtlicher anderer Religionen als "wissenschaftlich" betrachten? Antworten


































