Zürich
Ein Zürcher hat den Bügelskilift erfunden
Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 05.03.2009 2 Kommentare
Der Bolgenlift 1934 in Davos... (Bild: Wintersportmuseum Davos)
... und als Werbung für den mondänen Kurort: Typisch waren damals die J-Bügel. (Bild: Wintersportmuseum Davos)
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Der 1888 in Zürich-Enge geborene ETH-Maschineningenieur Ernst Gustav Constam war ein leidenschaftlicher Skifahrer. Gemäss seinem Sohn Robert kam die Anregung zu einem Skilift von Constams Frau. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden. Denn Ernst Gustav arbeitete in der Seilbahnabteilung bei der Firma Robert Aebi & Co. in Regensdorf.
Es gab schon Zahnrad- und Standseilbahnen, Funi-Schlitten und einfache Skilifte mit einem tief liegenden Seil, an das man sich von Hand krallte. Diese Art von Liften, die es heute noch für Kinderskischulen gibt, waren sehr unbequem, und das Seil schnitt die Piste entzwei. Constam kam deshalb auf die Idee mit einem hochgelegten Seil, Masten und einem elastisch aufgehängten «Förderorgan».
1934 fand er in Davos mit Lieni Fopp einen reichen Hotelier und Landwirt, der am Bolgenhang ein geeignetes Grundstück hatte. Constam konstruierte eine 270 Meter lange Aufzugsanlage und einen elektrischen 24-PS-Motor. Eine wichtige Erfindung war der J-förmige Bügel. Bereits in der ersten Saison transportierte der Bolgenlift 70'000 Personen. Eine Tageskarte kostete einen halben Franken.
Die zweite geniale Idee hatte der junge Skischulleiter Jack Ettinger. Er liess sich durch seinen Vater, der Wagner war, einen T-förmigen Holzbügel konstruieren. Der Bolgenlift hatte seine Kapazität auf einen Schlag verdoppelt – und wurde als «Sie-und-er-Lift» erst noch zur heissen Flirt-Gelegenheit. Constam, inzwischen mit eigenem Ingenieurbüro, verkaufte bis 1940 in Europa 30 Lifte. Unumstritten waren seine Lifte aber nicht: Gute Skifahrer bevorzugten Bergbahnen, Tourenfahrer sprachen vom «Idiotenbagger».
1940 wanderte Constam in die USA aus und baute weit über 100 Lifte. Vielfach musste er für seine Patente kämpfen, weil Lifte aufgrund von Fotos aus der Schweiz kopiert wurden. Seine Schweizer Lizenzen übernahm Henri Sameli-Huber aus Feldmeilen. Dieser entwickelte die Federspulen weiter, welche die Bügelseile aufrollen.
Experimente mit einem Wanderlift
Auf Anregung von Constam begann sich Sameli-Huber für den Sommertourismus zu interessieren. Am Jochpasslift entwickelte er einen Einsersessel und experimentierte mit einem Wanderlift: Zum halben Preis wurden Wanderer am Skiliftbügel in reduziertem Tempo hochgezogen.
Das Erbe von Constam und Sameli-Huber ging 1953 an Karl Brändle in Meilen und Gerhard Müller in Dietikon über, später via die Habegger AG in Thun und die Von Roll AG in Balsthal an die Doppelmayr AG in Vorarlberg, die wiederum mit der Schweizer Garaventa fusionierte.
In der Schweiz gab es 1987 über 1200 Skilifte, ein Drittel davon nach System Constam. 2008 waren es noch gut 900. Abgelöst werden sie zunehmend von Sesselliften. Doch Skilifte haben auch Vorteile: Sie sind günstiger in Anschaffung und Unterhalt. «Skifahrer können rausfallen, aber es ist praktisch unmöglich, mitgeschleppt oder verletzt zu werden», sagte Ernst Gustav Constam 1954 der «Aspen Times». Er starb 1965 in Denver im Alter von 77 Jahren.
Die Informationen stammen vom Skisammler Luzi Hitz (Corseaux) sowie Claude Gentil (www.seilbahn-nostalgie.ch). (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.03.2009, 23:56 Uhr
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2 Kommentare
Kleine Korrektur und Ergänzung zum ansonsten hervorragenden Artikel: Constam-"Erbe" Gerhard Müller war in Dietlikon und nicht in Dietikon domiziliert. Müller hat später mit seiner Firma "GMD Müller Lifts AG" in der 60er-Jahren mit Seilbahntechnologie ein schwebendes Nahverkehrsmittel namens "Aerobus" entwickelt, welches allerdings damals am Widerstand der Tram-Lobby scheiterte. Antworten
Passend zum Thema ein Hinweis, dass Ende 2008 ein Patent für eine neue Generation von Skiliftbügel erteilt wurde - der Erfinder wohnt in der Gegend von Zürich. In Kürze wird ein Modell des DragonFly360, wie der neue Liftbügel heisst, getestet - der Test wird wieder im Skigebiet von Davos stattfinden. Pilotierung ist geplant in 2010. Weitere Informationen im Internet unter www.dragonfly360.com. Antworten
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