Grundwasser ist wieder stärker mit Nitraten belastet

Von Stefan Häne. Aktualisiert am 18.11.2008

Die Grundwasserqualität nimmt im Kanton Zürich ab. Largere Regeln in der Landwirtschaft führen vermehrt zur Freisetzung von Nitraten. Umweltschützer sind besorgt.

Viele Baustellen im Umweltschutz

Der Umweltschutz im Kanton Zürich hat in vielen Bereichen ein hohes Niveau erreicht, etwa bei der Gestaltung von artenreichen Waldbiotopen oder der ökologischen Aufwertung von Fliessgewässern. Zu diesem Fazit gelangt der im Vierjahreszyklus erscheinende kantonale Umweltbericht 2008, den Regierungsrat Markus Kägi (SVP) gestern präsentiert hat. Es gebe aber auch Problemherde wie die Luftverschmutzung und die Lärmbelastung; hier bestehe «hoher Handlungsbedarf», sagte Kägi und sprach von «erlahmenden Fortschritten».

Exemplarisch zeige sich dies beim Energieverbrauch, wo die Einsparungen im Gebäudebereich durch die generell gestiegenen Ansprüche zunichtegemacht würden: So beanspruche die Zürcher Bevölkerung zunehmend grössere Wohnflächen und nutze immer mehr elektronische Geräte. Als eine von mehreren Massnahmen wird der Regierungsrat dem Kantonsrat einen erhöhten Rahmenkredit – in der Höhe von vier statt zwei Millionen Franken – zur Förderung von Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien beantragen. (sth)

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Die Umweltschützer haben sich zu früh gefreut: Nachdem Anfang der Neunzigerjahre die Nitratwerte im Grundwasser kontinuierlich gesunken sind, steigen sie seit 2004 wieder an. Das sagen kantonale Gewässerschutz-Fachleute nach der Untersuchung von rund 100 Trinkwasserfassungen im Kanton Zürich. Die Resultate sind im neuen Umweltbericht publiziert.

Die Zunahme hat zwei Ursachen: Wegen des trockenen Sommers 2003 bildeten sich im Boden grosse Nitratdepots, welche in der Folge vom Regen ausgewaschen wurden und ins Grundwasser gelangten. Einschneidender als dieses singuläre Ereignis ist jedoch ein politischer Entscheid: 2004 hat der Bund die Vorschriften für den ökologischen Leistungsnachweis in der Landwirtschaft (ÖLN) gelockert. Bis 2003 durften die Landwirte ihre Felder erst ab Mitte Februar umpflügen. Seit 2004 ist dies bereits ab Mitte November erlaubt. Die Folge: Aus den meist noch warmen Böden wird im Spätherbst viel Stickstoff freigesetzt, weshalb vermehrt Nitrat ins Grundwasser gelangt. In Zahlen: 2007 wiesen 25 Prozent der Trinkwasserfassungen im Kanton Zürich Nitratgehalte über dem Qualitätsziel von 25 Milligramm pro Liter Wasser auf. Vier Jahre zuvor lag dieser Anteil erst bei 18 Prozent. «Eine Gefahr für die menschliche Gesundheit besteht aber nicht», sagt Kurt Nyffenegger von der kantonalen Abteilung Gewässerschutz.

Problematisch sind zu hohe Nitratwerte trotzdem: für das Ökosystem. Gelangt belastetes Grundwasser ins Oberflächenwasser, kommt es zu einer Überdüngung und damit zu einem übermässigen Wachstum von Wasserpflanzen, vornehmlich Algen. Dies mindert die Wasserqualität und beeinträchtigt die Lebensgemeinschaften in den Gewässern.

Korrektur dank neuer Agrarpolitik?

André Welti von Pro Natura Zürich zeigt sich besorgt: «Die hiesige Landwirtschaft läuft mit einer zu hohen Tourenzahl.» Es herrsche der falsche Eindruck vor, die Landwirtschaft müsse möglichst viele Nahrungsmittel produzieren; entsprechend hoch sei die Belastung für die Umwelt. Pro Natura plädiert für eine Extensivierung der Landwirtschaft.

Möglichkeiten zur Korrektur bieten sich mit der Neuausrichtung der Agrarpolitik auf Bundesebene (AP 2011). Heute winken den Bauern Entschädigungsbeiträge, wenn sie während des Winters ein Feld zum Beispiel mit einer Wiese begrünen, statt mit dem nitratfördernden Mais zu bepflanzen. Diese Gelder könnte der Bund einsparen, wenn er die skizzierte Lockerung des ÖLN im Rahmen der AP 2011 wieder rückgängig machen würde. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.11.2008, 22:17 Uhr

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