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Immer mehr arme Familien stehen ohne Wohnung da

Von Maria Rodriguez. Aktualisiert am 19.05.2009 23 Kommentare

Die Wohnungsnot in Zürich trifft Familien mit wenig Einkommen am härtesten. Soziale Einrichtungen kommen mit dem Vermitteln von Wohnungen nicht mehr nach.

Zürcher Familienherberge: 82 Personen leben zurzeit in diesen Einrichtungen. (Bild: Sozialdepartement)

Zürcher Familienherberge: 82 Personen leben zurzeit in diesen Einrichtungen. (Bild: Sozialdepartement)

Zürcher Notschlafstelle: Ähnlich sind auch die Familienherbergen ausgestattet.

Zürcher Notschlafstelle: Ähnlich sind auch die Familienherbergen ausgestattet. (Bild: Keystone)

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Bei Domicil, einer privaten Stiftung zur Wohnungsvermittlung laufen die Drähte heiss. Allein im laufenden Jahr erhielt die Stiftung, welche auch mit dem Sozialdepartement zusammenarbeitet, über 400 Anmeldungen. Davon stammen 245 von sogenannten Working Poor, also Leuten, die trotz Einkommen unter der Armutsgrenze leben: «Wir werden regelrecht überrannt und müssen uns überlegen, wie wir auf diesen Ansturm reagieren wollen. Unsere Personalressourcen reichen dafür nicht aus», sagt Geschäftsleiterin Maya Käser auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch. Hätte man mehr Ressourcen, könnte man auch mehr Verwaltungen kontaktieren und mehr günstige Wohnungen vermitteln. Es sei ja nicht so, dass es überhaupt keine günstigen Wohnungen mehr gebe. Nur gingen diese meist unter der Hand weg.

Trotz Arbeit reicht Lohn nicht für die Miete

Maya Käser hat regelmässig mit betroffenen Familien zu tun, die trotz Arbeit ihre Kinder unter prekären Verhältnissen gross ziehen müssen: «Es ist traurig, wenn das Geld für eine anständige Wohnung nicht reicht. Ich kenne Tamilen, bei denen beide Elternteile in der Gastronomie arbeiten und so wenig verdienen, dass sie mit ihren Kinder in mickrigen Personalzimmern leben müssen, weil sie sich die hohe Miete nicht leisten können.»

Auch Notwohnungen und Familienherbergen sind voll

Einen Ansturm erleben auch die Wohneinrichtungen des Zürcher Sozialdepartements: «Sowohl die Notwohnungen wie auch die Zimmer in den Familienherbergen sind zurzeit sehr gut ausgelastet», erklärt Rolf Schuppli, Bereichsleiter «Wohnen und Obdach». Zwar müsse in Zürich niemand auf der Strasse leben, die Nachfrage steige jedoch stetig an. Weil man nicht allen bedürftigen Familien eine Wohnung anbieten kann, habe man im Frühling 2005 eine Familienherberge im Kreis 2 eröffnet und dieses Angebot kontinuierlich ausgebaut. Zurzeit liegt die Anzahl Zimmer in Familienherbergen bei 40. 29 Familien oder 82 Personen leben in diesen Zimmern, die ähnlich ausgestattet sind wie eine Notschlafstelle. Auf eine Platzierung im Hotel verzichtet das Sozialdepartement wenn immer möglich.

Bezahlbare Wohnungen verschwinden

Die Gründe der Wohnungsnot sieht Schuppli in der steigenden Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum: «Wohnungen werden renoviert und dadurch teurer, zahlbare Wohnungen für Familien mit einem geringen Einkommen verschwinden immer mehr.» Dass Familien in Not oft auch eine oder mehrere Betreibungen am Hals haben, erschwert die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung. Verständlicherweise bevorzugen Verwaltungen Mieter mit einem reinen Betreibungsauszug. Doch komme es auch vor, dass gut integrierte Ausländer ohne Betreibung bei der Wohnungssuche scheitern, sagt Domicil-Geschäfsleiterin Maya Käser: «Ich kenne ein Paar mit Kind aus Eritrea. Beide reden Deutsch, beide haben eine Arbeit. Er als Koch, sie in einer Bäckerei. Und obwohl die beiden keine Schulden haben, finden sie keine Wohnung und leben in zwei winzigen Appartementzimmer mit ihrer dreijährigen Tochter. Dass sie auch nach langer Suche keine Wohnung gefunden haben, liegt hier wohl eher an ihrer Herkunft.»

Wohnungsnot auch auf dem Land aktuell

Nicht nur in der Stadt Zürich sind günstige Wohnungen Mangelware. Auch in Kloten und Bülach seien alle Notwohnungen belegt: «Seit einem Jahr stehen mehr Leute mit Kindern auf der Strasse», sagt die Bülacher Sozialamtsleiterin Regula Bieler gegenüber dem Zürcher Unterländer. Deshalb schliesst Bieler nicht aus, dass Familien in Not künftig zusammen mit Flüchtlingen in den geplanten Container-Unterkünften der Stadt wohnen werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.05.2009, 14:59 Uhr

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23 Kommentare

Franz Cirillo

19.05.2009, 15:43 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Genau so: Der UBS Steuer-Milliarden nachschieben, damit ein paar tausend UBSler ihren hohen Lebensstandard halten können und dann die Bedürftigen, die durch die Besserverdiener inkl. UBSler verdrängt werden, in Wohncontainer abschieben. Genaus so. Irgendwann zahlen die Leute dann keine Steuern mehr. Wozu? Antworten


Thomas Boesiger

19.05.2009, 18:19 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@Franz Cirillo Hoeren Sie doch auf mit der UBS! Dort arbeite im uebrigen auch Menschen mit Familien. Ganz normale sogar. Die von Stadt und Kanton gefoerderte Aufwertung ist das Problem! Jetzt wird sogar noch die Weststrasse zu einer bevorzugten Wohnlage! Billiger Wohnraum verschwindet. Die Stadt besitzt grosse Wohnungen wo Paare seit Jahrzehnten billig wohen obwohl sie gut situiert sind! Antworten



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