Zürich
Passagiere reagieren verhalten auf Hilfe beim Einsteigen
Von Claudia Imfeld. Aktualisiert am 05.11.2008 42 Kommentare
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Kurz vor 18 Uhr im Hauptbahnhof, Gleis 23/24 gestern Abend. Die Menschentraube auf dem Perron wächst und wächst. Die S 5 in Richtung Pfäffikon SZ hält, die Türen öffnen sich. Hunderte strömen Richtung Rolltreppe. Mitten in der wartenden – hier und dort drängelnden – Menge steht Thomas Landolt, Zugchef im Regionalverkehr und sogenannter Kundenlenker, in einer orangen Weste. «Steigen Sie weiter hinten ein, dort hat es noch Platz», sagt er zu zwei Teenagern. Sie quittieren seinen Hinweis mit einem Murren, ohne zu reagieren. Landolt wirft einen Kontrollblick links und rechts, wo seine beiden Kollegen das gleiche tun wie er: Dafür sorgen, dass die Leute schnell einsteigen und die Türen nicht blockieren.
Seit Montag läuft die Testphase der SBB, die innerhalb von vier Wochen herausfinden wollen, ob sich durch die gezielte Lenkung der Pendlerströme die Pünktlichkeit der Züge in der abendlichen Stosszeit verbessern lässt. Während der ersten zwei Tage waren die Männer in Orange vor allem eins: Auskunftspersonen. Hält dieser Zug in Opfikon? Ist dieses Ticket richtig? Wo fährt der nächste Zug nach Rapperswil? Ein Fahrgast meldet, dass sich in einem Waggon eine Verschalung gelöst hat. Ein anderer verleiht seinem Unverständnis darüber Ausdruck, dass die Rolltreppen nur nach unten führen und man für den Weg hinauf die Treppe hochsteigen muss.
Die Kundenlenker seien ganz klar auch Blitzableiter, sagt SBB-Projektleiter Jörg Kreuzmann. Da reagierte etwa eine Dame auf den Rat, woanders einzusteigen, mit den Worten: «Ich steige hier seit zehn Jahren ein – und das mache ich auch heute.» Man wolle die Leute nicht erziehen, sondern ihnen so weit wie möglich helfen, sagt Kreuzmann zu solchen Vorfällen.
«Einsteigen, bitte!», ruft Thomas Landolt und hilft einem Mann mit Stock in den Wagen. «Wenn sie älteren Leuten und Müttern mit Kinderwagen helfen, ist das sinnvoll», bemerkt eine Frau. «Aber sonst? Ich weiss nicht.» Und ein Ehepaar meint: «Anständiges Einsteigen hat mit gesundem Menschenverstand zu tun – das können die SBB den Leuten nicht beibringen.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.11.2008, 14:56 Uhr
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42 Kommentare
@Juna Müller: Schön, dass Sie ihren Säugling im Tragtuch mitnehmen können. Als dreifacher Vater, darunter Zwillinge, möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass es auch Pendler gibt, die ihre Kinder auf dem Arbeitsweg in die KiTa bringen. Sie müssen also zur Pendlerzeit den öV benützen. Und bei grösseren Kindern, so ab 10 kg (oder eben 2 mal 5kg), ist für viele Mütter Schluss mit dem Tragtuch. Antworten
Familie, Beruf und Studium
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